Fernsehen Mit Ballgefühl zum neuen Job

Dunja Hayali in der Studio-Kulisse des ZDF-Sportstudios.
Dunja Hayali in der Studio-Kulisse des ZDF-Sportstudios. © Foto: Jana Kay/ZDF/dpa
Cornelia Wystrichowski 25.08.2018

Sie gilt als besonders streitbare Politjournalistin, für ihr Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erhielt sie kürzlich das Bundesverdienstkreuz: Kaum jemand weiß, dass Dunja Hayali mal als Sportjournalistin angefangen hat – doch jetzt kehrt sie zu ihren Wurzeln zurück: Pünktlich zum Beginn der Bundesligasaison moderiert sie heute zum ersten Mal „Das Aktuelle Sportstudio“. „Da wird ein Traum wahr“, sagt Hayali über ihren neuen Job beim 1963 gestarteten ZDF-Klassiker mit der legendären Torwand.

Eine Politjournalistin als Sportmoderatorin – was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, könnte ein Volltreffer sein. Schließlich haben der Integrationsstreit um Mesut Özil oder Debatten um die Vergabe großer Turniere nach Katar oder Russland zuletzt gezeigt, wie nahe Sport und Politik beieinander liegen. Hayali dürfte mit ihrer langjährigen Erfahrung aus verschiedenen Nachrichtenformaten in der Lage sein, souverän mit solchen Themen umzugehen.

Die Wahl-Berlinerin wird künftig abwechselnd mit Sven Voss, Jochen Breyer und Katrin Müller-Hohenstein das „Sportstudio“ präsentieren, das samstags zu später Stunde über sportliche Highlights berichtet. Die Sendung war am 24. August 1963 gestartet, am selben Tag wie die Fußball-Bundesliga und im gleichen Jahr wie das ZDF. Als erste Frau moderierte 1973 Carmen Thomas (legendär ihr „Schalke 05“-Versprecher“) die Sendung, Hayali ist also weder die erste noch die einzige „Sportstudio“-Moderatorin.

Eine Selbstverständlichkeit sind Frauen im Sportjournalismus aber offenbar immer noch nicht, wie die Welle abfälliger Kommentare zeigte, die es bei der Fußball-WM gegen ZDF-Reporterin Claudia Neumann gab. Und Jessy Wellmer von der „Sportschau“ im Ersten weiß von Tweets wie „Die soll sich mal einen Rock anziehen“ oder: „Die soll an ihren Herd gehen“ zu berichten.

„Ich ahne schon, was da auf mich zukommt“, sagt Dunja Hayali, die sich mit Hass-Zuschriften auskennt, seit Jahren immer wieder rassistische und beleidigende Tweets, E-Mails und Facebook-Einträge erhält. 2016 erwirkte sie eine Einstwillige Verfügung gegen einen Facebook-Nutzer, der beleidigende Kommentare auf ihrer Seite hinterließ.

Hayali kam 1974 als Tochter irakischer Einwanderer im nordrhein-westfälischen Datteln zur Welt und ist glühender Fan von Borussia Mönchengladbach. In ihrer Jugend spielte sie Fußball und Volleyball, machte Judo und betrieb Tennis auf Leistungssportniveau. Ihr Medienstudium absolvierte sie an der Sporthochschule Köln, danach war sie neun Jahr lang Sportjournalistin bei der Deutschen Welle.

Dann profilierte sie sich als Nachrichtenjournalistin: 2007 wurde sie Co-Moderatorin im „heute-journal“ und moderierte als erste Frau mit Migrationshintergrund eine öffentlich-rechtliche Hauptnachrichtensendung, seit elf Jahren präsentiert sie das „ZDF-Morgenmagazin“. 2018 macht sie den nächsten Schritt zum Aushängeschild des Senders: Ihr einst als Sommervertretung von Maybrit Illner gestartetes Politmagazin („Dunja Hayali“) läuft seit Juli monatlich, nun auch noch der Job beim „Sportstudio“.

Die Verantwortlichen versprechen sich viel von dem prominenten Neuzugang: „Dunja Hayali ist eine herausragende Interviewerin und Gastgeberin. Sie verstärkt mit ihrer professionellen und charmanten Art die Sendung und hat einen neuen, frischen Blick auf das sportliche Geschehen in der Bundesliga“, sagt ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann. Oder, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ schrieb: „Wer sich wie Hayali mit Verve mit der AfD anlegt, dem sollte es doch auch erst recht ein Vergnügen sein, Ralf Rangnick, Karl-Heinz Rummenigge und Clemens Tönnies unangenehme Fragen zu stellen.“

Info „Das Aktuelle Sportstudio“, heute, 23 Uhr im ZDF.

Wegen Nebeneinkünften in der Kritik

Dunja Hayali war kürzlich wegen ihrer Moderationen für Unternehmen und Verbände in die Kritik geraten. Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ hatte berichtet, die Journalistin sei unter anderem bei einer Veranstaltung der umstrittenen Glücksspielbranche tätig gewesen: Im Juni führte sie demnach durch einen ganztägigen Kongress der „Deutschen Automatenwirtschaft“.

In dem Fernsehbeitrag gab es auch Kritik an der Häufigkeit von Hayalis Engagements. So sei sie allein in den vorangegangenen zwölf Monaten immer wieder von diversen Unternehmen und Institutionen als Moderatorin gebucht worden, unter anderem vom Pharmahersteller Novartis, BMW, der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, dem Deutschen Beamtenbund, der Deutschen Stahlindustrie und der Amazon Academy.

An ihrer Arbeit als kritische Journalistin ändere das nichts, verteidigte sich Hayali. Dennoch kündigte sie an, derlei Auftritte künftig „noch selbstkritischer zu prüfen“. ski

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel