Frankfurt/Main Mit Aufklärung und Entspannung gegen Flugangst

Nichts Ungewöhnliches bei Flugangst: Panikattacken.
Nichts Ungewöhnliches bei Flugangst: Panikattacken. © Foto: Getty Foto: Getty Images
Frankfurt/Main / STEPHAN KÖHNLEIN, DPA 09.07.2016
Das Flugzeug gilt als das sicherste Verkehrsmittel der Welt. Das hilft aber denen nicht, die Flugangst haben. Institute bieten Kurse dagegen an.

Die Ferienzeit steht bevor. Die Reise in den Urlaub ist für manche Menschen allerdings ein Alptraum, wenn sie dafür fliegen müssen. Flugangst!

Flugangst kann jeden treffen. Manchmal ist es nur ein Unbehagen. Doch in schlimmen Fällen kommt es zu Panikattacken mit Herzrasen, Zittern oder Atemnot. Die jüngsten Abstürze und die Anschläge auf die Flughäfen in Brüssel und Istanbul tragen nicht zur Beruhigung bei. Aber auch Meldungen über umgekehrte Maschinen und außerplanmäßige Landungen machen Betroffenen Angst.

„Wenn ich flugängstlich bin, nehme ich die Berichterstattung über Zwischenfälle auf wie ein trockener Schwamm“, sagt der Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. „Denn da erhalte ich scheinbar eine Bestätigung für meine Angst: Da ist ja schon wieder was passiert. Doch das ist natürlich ein Trugschluss.“

Die Psychologin Darina Augapfel, die Seminare gegen Flugangst hält, erlebt bei ihrer Arbeit, dass die Auswirkungen von Flugzeugabstürzen oder Terroranschlägen begrenzt sind. Die Ängste nähmen dann zwar zunächst zu, aber „nur ganz kurzfristig, vielleicht für ein paar Tage. Danach lässt das wieder nach.“

Angesichts der Anschläge auf Flughäfen müsse man zudem trennen zwischen der Angst vor dem Fliegen und Ängsten beim Betreten von Flughäfen. „Nach den Terroranschlägen gibt es eine generelle Verunsicherung“, sagt Augapfel. „Eine solche Flughafenangst trifft auch andere Menschen. Das ist ja auch das Ziel der Terroristen.“

Flugangst kann auch dann auftreten, wenn man vorher schon ohne Probleme geflogen ist. Sie trifft Urlauber ebenso wie Geschäftsreisende. Der Rapper Cro, die Autorin Charlotte Roche und der Schauspieler Matthias Schweighöfer etwa haben oder hatten nach eigener Aussage Flugangst.

Zur Verbreitung des Phänomens gibt es keine gesicherten Zahlen. In Schätzungen variiert der Anteil der Betroffenen in Deutschland zwischen 10 bis 15 Prozent. „Das ist wie ein Stochern im Nebel“, sagt Lufthansa-Sprecher Lamberty. Grund sei, dass verschiedene Faktoren die Flugangst auslösen könnten und es verschiedene Ausprägungen gebe – von leichter Anspannung bis hin zu massiver Beeinträchtigung.

Rezepte gegen die Angst vor dem Fliegen gibt es viele. In erster Linie geht es darum, Stress vor dem Flug zu vermeiden, denn unter Stress kann sich das flaue Gefühl in der Luft oft in Angst wandeln. Und das, ohne dass das direkt am Fliegen liege, sagt Augapfel.

In leichteren Fällen können schon kleine Kniffe wie der Verzicht auf Kaffee oder Entspannungsübungen helfen, das Unbehagen zu lindern. Manche schwören auf homöopathische Mittel gegen die Flugangst. Auch mit Hypnose kann man dagegen angehen.

Andere trinken vor dem Abflug zwei Gläser Rotwein oder nehmen Beruhigungsmittel. Aus Sicht von Experten ist das nicht empfehlenswert. Denn der empfundene Kontrollverlust wird verstärkt, was eher zur Verfestigung der Angst führt.

Viele große Fluggesellschaften bieten Seminare gegen Flugangst an oder arbeiten mit Instituten zusammen. Die Stiftung Warentest hat vor einiger Zeit mehrere Anbieter getestet. Das Angebot der Agentur Texter-Millott, die mit der Lufthansa kooperiert, hat dabei am besten abgeschnitten. Für 790 Euro erhalten die Teilnehmer ein zweitägiges Gruppenseminar mit einem Abschlussflug.

Aber es gibt auch zahlreiche andere Anbieter. Manche haben Veranstaltungen ohne Flug im Programm, die dann deutlich günstiger sind. Den Testern zufolge sind Seminare mit Flug aber wirksamer. In den Seminaren geht es auch darum, mit falschen Vorstellungen vom Fliegen aufzuräumen. Denn oft liege darin ein Grund für Angst und Unbehagen, berichtet Lamberty. Früher sei es ein probates Mittel gewesen, betroffenen Passagieren während des Fluges einen Cockpitbesuch zu vermitteln. Doch seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 müssen die Cockpittüren verschlossen bleiben, womit diese Option wegfällt.

„Bei den Seminaren ist nicht mit einer Wunderheilung zu rechnen“, sagt Lamberty, „aber man lernt Techniken, wie man besser mit der Flugangst umgehen kann.“ Und die Psychologin Augapfel: „Flugangst ist eine erworbene Angst. Deswegen kann man sie auch gut wieder verlieren.“

Kein Stress und kein Kaffee

Flugangst Wer Unbehagen vor dem Fliegen hat, muss nicht gleich ein Seminar gegen Flugangst belegen. Manchmal helfen auch kleine Verhaltensänderungen, damit man entspannter fliegt. Die Airlines geben Passagieren mit Ängsten ein paar Tipps mit auf die Reise:

Pünktlichkeit Kommen Sie rechtzeitig zum Flughafen, um Stress vor dem Abflug zu vermeiden. Er gilt als Hauptauslöser für Flugangstattacken.

Getränke Verzichten Sie vor dem Flug auf Kaffee. Aber trinken Sie im Flugzeug viel Wasser und Säfte.

Drogen Verzichten Sie auf Alkohol und Medikamente gegen Flugangst. Der empfundene Kontrollverlust wird dadurch verstärkt. Das führt eher zu einer Verfestigung der Angst.

Gespräch  Sprechen Sie das Kabinenpersonal an und geben Sie ihr Unbehagen beim Fliegen ruhig zu. Sich zu outen, nimmt die Anspannung. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Nachbarn.

Ablenkung Nehmen Sie ein spannendes Buch mit. Übung Entspannungs- und Atemübungen können helfen, Angstreaktionen zu verhindern oder zu kontrollieren. dpa

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