Freiburg Missbrauchsprozess prüft Rolle von Jugendamt und Justiz

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Lebensgefährte (M, helle Weste) und die angeklagte Mutter (r). Foto: Patrick Seeger/Archiv
Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Lebensgefährte (M, helle Weste) und die angeklagte Mutter (r). Foto: Patrick Seeger/Archiv © Foto: Patrick Seeger
Freiburg / DPA 27.06.2018

Nach einer Debatte um mögliches Behörden- und Justizversagen im Missbrauchsfall in Staufen will die Jugendschutzkammer des Freiburger Landgerichts Mitarbeiter von Jugendamt und Gerichten als Zeugen hören. Sie sollen im Juli zum Vorwurf etwaiger Versäumnisse vernommen werden, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin am Mittwoch. Es gebe Aufklärungsbedarf. Jugendamt und zwei beteiligten Gerichten wird vorgeworfen, einen aus Staufen stammenden Jungen nicht geschützt zu haben. Sie hatten im Frühjahr 2017 entschieden, dass er bei seiner Familie bleiben solle, obwohl es Anzeichen für eine Gefährdung des Kindes gab.

In dem Kriminalfall gibt es insgesamt acht Tatverdächtige. Die beiden Hauptbeschuldigten sind die 48 Jahre alte Mutter des Kindes sowie ihr wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafter 39 Jahre alter Lebensgefährte. Die beiden Deutschen haben gestanden, den heute neun Jahre alten Jungen mehr als zwei Jahre lang im Internet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben.

Ein Urteil wird es Gerichtsangaben zufolge frühestens Mitte Juli geben. Gegen Verantwortliche in Jugendamt und Gerichten liegen der Staatsanwaltschat eigenen Angaben zufolge inzwischen knapp 15 Strafanzeigen von Bürgern vor. Diese werden derzeit geprüft.

Pressemitteilungen des Gerichts zu den Prozessen

Pressemitteilung der Polizei vom 11.1.

Zweite Pressemitteilung der Polizei vom 11.1.

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