Stuttgart / DPA

Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) schließt angesichts einer rasant wachsenden Zahl von Masernfällen eine obligatorische Impfung nicht mehr aus. „Ich persönlich denke, dass eine Impfpflicht für Masern kein Tabu sein darf“, betonte Lucha am Montag in Stuttgart. Er vertritt damit eine andere Position als die Grünen im Bundestag. Die SPD im Bundestag hingegen will die Impfung von Kindern gegen Masern zur Pflicht machen.

Grundsätzlich sei es natürlich immer besser, auf Zwang und Sanktionen zu verzichten und auf eine gute Beratung zu setzen, erläuterte Lucha. Aber die Verdreifachung der Fälle auf 45 in diesem Jahr und das permanente Unterschreiten der empfohlenen Impfquote von 95 Prozent für die zweite Masernimpfung im Südwesten zeigten, dass Appelle allein nicht genügten.

Das Bundesgesundheitsministerium begrüßte die neuerliche Debatte, wies aber darauf hin, dass die Gespräche darüber noch liefen. Jedenfalls mache man sich große Sorgen über die Zunahme der ansteckenden Krankheit. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) fordert bereits eine Impfpflicht. Masernerkrankungen seien extrem ansteckend und potenziell tödlich.