Moskau Mercedes-Korso statt Pflichterfüllung: Junge Spione empören Moskau

Das FSB-Logo.
Das FSB-Logo. © Foto: © ID1974 - Fotolia.com
STEFAN SCHOLL 07.07.2016

Es gibt noch echte Kaderschmieden in Moskau. Etwa die „Akademie des „Föderalen Sicherheitsdienstes“, die künftige Beamte des Inlandsgeheimdienstes FSB ausbildet, des Auslandsaufklärungsdienstes oder des Militärgeheimdienstes GRU.

 Mehrere Dutzend Absolventen haben diese Lehranstalt gründlich blamiert. Mitte Juni feierten sie ihren Abschluss mit einem Korso von 30 Mercedes-Geländewagen in der Moskauer Innenstadt. Nicht nur, dass der FSB-Nachwuchs hupend und winkend alle Fahrspuren okkupierte und andere Verkehrsteilnehmer zu heftigen Bremsmanövern und Stillstand nötigte. Man filmte einander auch, ließ sich auf den Sperlingsbergen gemeinsam ablichten und stellte Videos und Fotos ins Internet. Aus den sozialen Netzen schwappte die Schau dann an die Öffentlichkeit.

Die Reaktionen fielen sehr unterschiedlich aus. Die Leitung der Akademie schweigt konsterniert, Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte den Kreml für nicht zuständig, der FSB selbst startete ein Dienst-Aufsichtsverfahren. Aber es wird in den Sicherheitsorganen auch geschmunzelt. „Seinen Abschluss spektakulär zu feiern, gehört zur Tradition“, sagte ein Moskauer Polizeioffizier unserer Zeitung. „Wir sind etwa alle in Uniform in den Nachtklub Hungry Duck gegangen, haben dort mit den Mädchen auf den Tischen getanzt“.

Allerdings hätten die FSB-Absolventen ihre Jubelfahrt niemals ins Internet stellen dürfen. Zumal sie es  versäumten, sich mit Sonnenbrillen, falschen Bärten oder einfach Putin-Masken zu tarnen. Als Geheimagenten sind die Jungs schlichtweg verbrannt.

 Noch mehr frappiert die Arroganz, mit der ein Teil der Absolventen sich rechtfertigt. Ein FSB-General a.D. warf ihnen Vaterlandsverrat vor und forderte, sie aus dem Staatsdienst zu feuern. Einer der Burschen konterte auf Radio Govorit Moskva, es seien ältere Gönner der Akademie gewesen, die ihnen ihre Mercedes-Jeeps für die Tour zu Verfügung gestellt hätten. „Diese Herrensöhnchen sind sicher, sie dürften sich alles erlauben“, sagt unser Polizeioffizier, „weil sie jetzt zur Kaste der Unantastbaren gehören.“ Vitamin B scheint für Jungtschekisten jedenfalls mehr zu zählen als alles andere.