Wiesbaden Mehr Kinder, weniger Todesfälle

Statistik: Geburtenentwicklung und Sterbefälle in Deutschland.
Statistik: Geburtenentwicklung und Sterbefälle in Deutschland. © Foto: SWP Grafik Quelle: Statistisches Bundesamt 
Wiesbaden / KNA 22.08.2015
So viele Geburten wie seit zehn Jahren nicht: Laut dem Statistischem Bundesamt entscheiden sich in Deutschland so viele Paare wie lange nicht mehr für Kinder. Ob das eine Trendwende ist?

Erstmals seit 2004 ist die Zahl der Geburten in Deutschland 2014 wieder über 700.000 geklettert. Wie das Statistische Bundesamt gestern in Wiesbaden mitteilte, wurden 2014 rund 715..000 Kinder lebend geboren. 386.000 Paare schlossen den Bund fürs Leben - 12.000 Ehen mehr als im Vorjahr. Zugleich sank die Zahl der Todesfälle um 2,8 Prozent auf 868.000 Menschen. Für Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) ist das "ein schönes Signal". Natürlich nutzte sie die Zahlen auch für ein verstecktes Selbstlob: "Wir müssen uns weiterhin anstrengen, Familien in Deutschland gut zu unterstützen."

Beim Statistischen Bundesamt allerdings dämpfen die Experten die Hoffnungen auf einen Wandel: Zwar sei in den vergangenen Jahren die Geburtenziffer je Frau leicht gestiegen - auf 1,41 Kinder im Jahr 2013. Die wieder steigenden Kinderzahlen ließen sich jedoch auch mit der demografischen Entwicklung erklären: Abhängig ist die Geburtenzahl insbesondere von der Zahl der Frauen im Alter zwischen 26 und 35 Jahren.

"Seit 2008 hat sich die Frauenzahl in diesem Alter stabilisiert und nimmt sogar zu, was die Geborenenzahl noch einige Jahre positiv beeinflussen könnte", so die Statistiker. Nach 2020 werde die Zahl der Frauen in diesem Alter allerdings voraussichtlich deutlich schrumpfen. Dann könne ein erneutes Geburtentief entstehen, so Anja Conradi-Freundschuh vom Statistischen Bundesamt.

Eine weitere Erklärung für die steigenden Geburtenzahlen könnte die Zuwanderung sein. Dem Statistischen Bundesamt liegen dazu nach eigenen Angaben zwar derzeit noch keine Zahlen vor. Das Statistische Landesamt in Baden-Württemberg allerdings führte die steigenden Geburtenzahlen im Südwesten auf die "enorm angestiegene Zuwanderung" zurück, die auch zu einer Zunahme der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter geführt habe. 2014 war die Einwohnerzahl in Deutschland trotz eines Sterbeüberschusses wegen der hohen Zuwanderung auf 81,1 Millionen geklettert. Dabei lebten rund 10,9 Millionen Zuwanderer in Deutschland.

Einen Geburtenüberschuss gab es in Deutschland zuletzt 1971: Damals wurden in ganz Deutschland 1,01 Millionen Kinder geboren bei mehr als 965.000 Sterbefällen. Den höchsten Geburtenüberschuss verzeichnete Deutschland 1964 mit rund 487.000.

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