Kommt im Kampf gegen Corona jetzt die Maske zurück? Am Mittwoch, 12.10.2022, ist mit Berlin das erste Bundesland einen ersten Schritt in Richtung Rückkehr der Maskenpflicht gegangen. Berlins Gesundheitssenatorin Ulrike Gote angekündigt, dass sie dem Senat vorschlagen möchte, die Maske in Innenräumen wieder einzuführen. Stimmt das Berliner Parlament zu, muss in der Hauptstadt beispielsweise im Einzelhandel, in Museen und in öffentlichen Gebäuden wieder eine Corona-Schutzmaske getragen werden.

Maskenpflicht in Berlin

In Berlin soll es dazu künftig ein Zwei-Stufen-Modell geben. So könnte zunächst eine Maskenpflicht in bestimmten öffentlich zugänglichen Innenräumen eingeführt werden; sollte die Infektionslage sich verschärfen, könnte diese auf weitere Räume erweitert werden. Beides wären Maßnahmen, bevor eine „epidemische Lage auf Landesebene“ ausgerufen wird, also ein sogenannter Hotspot.
Als oberste Ziele nannte Ulrike Gote in einer Mitteilung, eine Überlastung des Gesundheitswesens abzuwenden, die Schulen, Kitas und andere Versorgungsstrukturen funktionstüchtig zu halten und gesundheitlich besonders verletzliche Personen zu schützen sowie Long-Covid-Fälle zu vermeiden.

Maskenpflicht in Brandenburg

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) setzt bei ihren Plänen für eine Ausweitung der Maskenpflicht zunächst auf Geschäfte und Behörden. Eine moderate Ausweitung solle beim Einkaufen und bei Behördengängen greifen, um Risikogruppen wie ältere Menschen zu schützen, machte sie am Samstag in mehreren Medien deutlich. Für den Besuch von Theatern, Opern und Museen hält sie in einem ersten Schritt eine Maskenpflicht aber nicht für notwendig und appelliert an die Eigenverantwortung.

Maskenpflicht in Sachsen

Sachsen plant trotz steigender Infektionszahlen vorerst keine Verschärfung der Corona-Regeln. „Im Moment sehen wir keine Notwendigkeit für eine Maskenpflicht in Innenräumen“, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag auf Anfrage mit. Kriterium für verschärfte Maßnahmen sei immer die Überlastung der Krankenhäuser durch Corona-Patienten. „Gleichwohl beobachten wir die Entwicklung weiterhin sehr genau und beraten uns regelmäßig mit unseren Infektiologen und Krankenhaus-Koordinatoren. Wir stimmen uns auch eng mit unseren Nachbarbundesländern ab“, hieß es.

Maskenpflicht in Baden-Württemberg

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha hält angesichts des starken Anstiegs der Corona-Neuinfektionen die baldige Wiedereinführung der Maskenpflicht in Innenräumen für möglich. „Es kann unter Umständen schnell gehen“, sagte Lucha am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. „Die Lage in den Krankenhäusern ist angespannt, aber noch beherrschbar.“

Maskenpflicht in Bayern

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht angesichts der kritischen Corona-Entwicklung in München nach dem Oktoberfest Handlungsbedarf für weitere Schutzvorgaben. Er finde, dass „München, aber auch Bayern unter besonderer Verpflichtung ist, sich jetzt zu überlegen, was macht man mit der Maskenpflicht in den Innenräumen“, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) wies die Kritik aus Berlin zurück: „Bayern überwacht die Corona-Lage sehr engmaschig über einen vielschichtigen Monitoring-Prozess. Sollten die Indikatoren darauf deuten, dass weitere Maßnahmen notwendig sind, werden wir umgehend handeln“, sagte er in München. Im Moment gebe es dafür keinen Anlass, „aber wir sind für kurzfristige Entscheidungen vorbereitet“.

Krankenhäuser fordern Rückkehr zur Maskenpflicht

Die deutschen Krankenhäuser dringen auf die rasche Wiedereinführung der Maskenpflicht in Innenräumen. Angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen stünden die Kliniken „mit dem Rücken zur Wand“, sagte der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. In den meisten Krankenhäusern sei ein Normalbetrieb bereits „nicht mehr möglich“.
„Wir haben die Situation, dass wir aktuell tatsächlich so viele Corona-Patientinnen und -Patienten haben wie zu Spitzenzeiten dieses Jahres“, sagte Gaß weiter. Der Trend sei dabei weiter negativ. „Das heißt, wir werden in der nächsten Woche wahrscheinlich einen neuen Rekordwert vermelden müssen“, warnte der DKG-Hauptgeschäftsführer. Auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Krankenhäuser gebe es immer mehr Ausfälle. Neben Corona trage dazu auch die saisonal hohe Zahl von Atemwegserkrankungen bei.

Maskenpflicht - Was gilt aktuell in Deutschland?

Bundesweit einheitlich gilt aktuell lediglich im öffentlichen Nahverkehr sowie beim Betreten von Einrichtungen des Gesundheitswesens (etwa Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen) die Pflicht zum Tragen einer Maske. Ob beispielsweise im Nahverkehr oder - wie in Berlin jetzt vorgeschlagen - in Innenräumen wieder eine Maske getragen werden muss, obliegt der Hoheit der einzelnen Bundesländer.
Laut Bundesgesundheitsministerium sind die Länder ermächtigt, Maßnahmen zu ergreifen, wenn eine konkrete Gefahr der kritischen Infrastruktur oder Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems für eine Gebietskörperschaft oder das gesamte Bundesland besteht. Wann das der Fall ist, legt das jeweilige Land selbst fest. Dies hängt von verschiedenen Faktoren vor Ort ab (regionale Infektionszahlen, stationäre Versorgungskapazitäten etc.).
Aktuell steigen die Corona-Zahlen in Deutschland wieder an. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwochmorgen mit 799,9 angegeben. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.00 Uhr wiedergeben. Am Vortag hatte der Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 787,5 gelegen (Vorwoche: 414,0; Vormonat: 216,0).