Schaut man das Dashboard des Robert Koch-Instituts oder das der Johns-Hopkins-Universität, steigt sie täglich an, die Zahl der Genesenen. Doch nur, weil die Menschen, die eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben, dort als genesen erklärt werden, sind viele das in der Praxis noch lange nicht. Stichwort: Long Covid beziehungsweise Post-Covid. Menschen, die unter Long Covid leiden, haben die Infektion zwar überstanden, tragen aber Langzeitfolgen der Corona-Infektion davon.

Was genau ist Long Covid?

Bei Personen, die unter Post Covid leiden, dauern Symptome viel länger an als normal. Bei einer akuten Covid-Erkrankung bestehen die Symptome in der Regel bis zu vier Wochen. Doch bei vielen geht das Leiden viel länger. Wie die Deutsche Presse-Agentur mitteilt, liege die Zahl der Menschen mit Langzeitfolgen nach Angaben von Andreas Rembert Koczulla von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) bei bundesweit 550.000. „Von den als genesen Erklärten haben noch etwa 15 Prozent mit den unterschiedlichsten Symptomen zu kämpfen.“ Derzeit gelten in Deutschland mehr als 3.6 Millionen Menschen als genesen (Stand 7. Juli)

Long Covid Symptome: Erschöpfung, Leistungsabfall, Schwindel

Freilich sind die Symptome bei Long Covid oder Post Covid bei jedem Erkrankten unterschiedlich stark ausgeprägt. Häufige Symptome sind laut dem Gesundheitsministerium und dem Deutschlandfunk:
  • ständige Erschöpfung, auch Fatigue genannt
  • ausgeprägte Müdigkeit
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • Luftnot oder Atemnot
  • neurologische Störungen wie Lähmungserscheinungen, Kopfschmerzen, Geschmacks- und Geruchsverlust
  • starker Schwindel
  • plötzliches Erbrechen
  • Schmerzen in der Brust

Was sind die Ursachen für langwierige Verläufe?

Wie der Deutschlandfunk berichtet, sind die Ursachen für Long Covid weitgehend unklar. Der schwedische Immunologe Hans-Gustav Ljunggren sagte dem Deutschlandfunk: „Klar ist aber, dass man auch nach anderen Atemwegsinfektionen, die durch Viren oder Bakterien verursacht werden, chronisch krank werden kann. Das ist also nichts, was für Covid-19 spezifisch wäre.“
Eine deutsche Studie zeigt auch, dass eine Corona-Infektion das Herz-Kreislaufsystem angreifen kann – auch nachdem der Betroffene genesen ist. Laut dem Deutschlandfunk betreffe eine Corona-Erkrankung den ganzen Menschen und verhalte sich mehr wie eine Blutvergiftung als wie eine Lungenentzündung. „Bei einer Blutvergiftung, bei einer Sepsis werden alle Organe oder können alle Organe im Organismus geschädigt sein.“

Wer ist von Langzeitfolgen nach einer Corona-Erkrankung betroffen?

So pauschal lässt sich das natürlich nicht sagen. Laut dem Gesundheitsministerium leiden aber häufig Patienten und Patientinnen unter Spätfolgen, die einen schweren Covid-19 Verlauf hatten. Schwerer Verlauf bedeutet, dass diese Menschen eventuell stationär behandelt oder sogar beatmet werden mussten. Allerdings könne Post Covid auch Patienten mit einem leichten Verlauf treffen.
Laut dem Deutschlandfunk leiden Frauen deutlich häufiger an Langzeitsymptomen. Laut einem österreichischen Gesundheitsportal lasse sich außerdem beobachten, dass folgende Personengruppen eher von Long Covid betroffen sind: ältere Personen über 50, übergewichtige Personen und Menschen, „bei denen während der akuten Infektion mehr als fünf verschiedene Organsymptome vorhanden waren“.

Kann man Post Covid heilen?

Es gibt einige Therapieansätze, die bei einer Long Covid Erkrankung derzeit ausprobiert werden.
  • Die Sauerstofftherapie: Patienten und Patientinnen gehen vier Wochen lang in eine Druckkammer. Dort atmen sie rund zwei Stunden reinen Sauerstoff ein. Das soll dazu führen, dass durch den Sauerstoff Entzündungsreaktionen umgeformt werden und biochemische Reaktionen an den Rezeptoren, an denen auch das Coronavirus angreift – etwa am Hirnstamm – ausgelöst werden.
  • Blutwäsche: Mit einem bestimmten Verfahren der Blutwäsche sollen Symptome wie Atemnot und Geruchsverlust verschwinden. Das funktioniert ähnlich wie bei einer Dialyse: Das Blut soll von schädlichen Substanzen befreit werden. Die Mülheimer Internistin Dr. Beate Jaeger konnte das Verfahren bei einigen Patienten schon erfolgreich anwenden.
  • In Erlangen weltweit erster Patient geheilt: In der Augenklinik des Universitätsklinikums in Erlangen konnte laut Pressemitteilung der erste Long Covid Patient weltweit geheilt werden. Die Ärzte verabreichten ihm ein Medikament, das ursprünglich zur Bekämpfung von Herzerkrankungen entwickelt wurde. Den Wirkstoff BC 007 bekam der Patient einmalig als 75-minütige Infusion. „Dadurch verschwand die Long-COVID-Symptomatik des Patienten aus dem Landkreis Coburg: Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsschwäche, Gangunsicherheiten, Geschmacksverlust und Bluthochdruck normalisierten sich“, heißt es auf der Seite der Klinik. Nun sollen klinische Studien mit dem Medikament durchgeführt werden.

Hilft die Corona-Impfung bei Post Covid?

Einigen Medienberichten zufolge könnte auch die Corona-Impfung bei Long Covid helfen. Erste Studien würden bestätigen, dass die Corona-Schutzimpfung einen positiven Effekt habe. Das Immunsystem funktioniere nach einer Infektion nicht vollständig, vermuten Forscher. Eine Impfung könnte das Immunsystem wieder umprogrammieren – sozusagen ein Neustart, heißt es im WDR.