London Lachgas ist nicht zum Lachen

London / HENDRIK BEBBER 27.07.2015
Tod durch Einatmen von Lachgas: 20 junge Briten sind daran zuletzt gestorben. Die Regierung will den Gebrauch des Gases als Partydroge verbieten.

Wieder ist ein junger Brite (18) an den Folgen eines verbreiteten Partyvergnügens gestorben. Er brach auf dem Heimweg auf einer Straße in Bexley zusammen und konnte trotz schneller Einlieferung in eine Klinik nicht gerettet werden.

Die Polizei nimmt an, dass sein Tod vom Konsum von Alkohol und Lachgas verursacht wurde. Die Tragödie verstärkt den Druck auf die britische Regierung, das vorbereitete Gesetz zum Verbot von Lachgas für nichtmedizinische Zwecke schnell in Kraft zu setzen.

Lachgas ist überall frei erhältlich und wird von etwa 8 Prozent britischer Jugendlicher als Stimulans benutzt, vor allem auf Partys und Festivals. Obwohl die Veranstalter die Besucher des weltgrößten Rockfestivals in Glastonbury dringend gebeten hatten, auf den "Hippy Crack" zu verzichten, wurden am Ende zwei Tonnen der kleinen Gaszylinder eingesammelt.

Auch die 17-jährige Paula Bradley und ihre Freunde haben das Distickstoffmonoxyd (N2O) aus den damit aufgeblasenen Luftballons eingeatmet. Sie versteht die Aufregung nicht: "Es entspannt, macht vergnügt und man kann Musik viel besser hören. Außerdem hat man danach im Gegensatz zu Alkohol keinen Kater."

Tatsächlich ist N2O lange vor seiner Verwendung in der Medizin als Muntermacher verwendet worden. Erstmals war es vom englischen Chemiker Joseph Priestley (1733 bis 1804) synthetisiert worden. Sein Landsmann Humphry Davy begann 1797, die psychoaktiven Wirkungen des Gases zu erforschen. Wegen des unkontrollierten Kicherns, das es auslösen kann, erhielt es den Namen "Lachgas".

Der amerikanische Zahnarzt Horace Wells interessierte sich jedoch mehr für die betäubende Wirkung des Gases, das er beim Besuch eines Jahrmarktes kennenlernte, wo es zur Volksbelustigung benutzt wurde. Er benutzte es 1844 zum ersten Mal zur Narkose bei Zahnbehandlungen. Seit 1868 wird es allgemein in der Anästhesie verwendet.

Die Rückbesinnung auf die ursprüngliche Verwendung als Psychodroge beunruhigt Gesundheitsexperten und Soziologen. Wer reines Lachgas aus Luftballons einatmet, riskiert eine Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und bei häufigen Gebrauch neurologische Symptome wie den Verlust der Balance, Taubheitsgefühle und Impotenz. Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) stellten massive Effekte von Lachgas auf das Gehirn fest, das die aller anderen Drogen übertrifft.

Deshalb will die britische Regierung, den Gebrauch von Lachgas als soziale Droge verbieten. Das kommt Umweltschützern entgegen. Sie warnen schon lange, dass Lachgas der Ozonkiller Nummer eins sei.

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