Da liegt sie nun im Hamburger Hafen: Nach eineinhalb Jahren Bauzeit ist die “Mein Schiff 3” für ihre ersten Gäste bereit. 293 Meter lang und 36 Meter breit ist das neue Flaggschiff der Hamburger Reederei Tui Cruises, das in der Werft STX Finland Oy in Turku gefertigt wurde.

Es ist 19 Uhr am Montagabend. Die Sonne lacht über Hamburg. Und die “Mein Schiff 3” macht sich gleich - doch mit kurzer Verspätung - auf ihren Weg nach Kiel. Vor allem Reisebüromitarbeiter und einige Journalisten aus ganz Deutschland sind mit dabei auf der eineinhalbtägigen “Produkteinführungsfahrt”. Für mehr als 2500 Passagiere bietet der Ozeanriese bei Doppelbelegung der Kabinen Platz. Ein kleiner Vorgeschmack: Es sind fast alle Kabinen belegt. Doch selbst bei Vollauslastung dürfte es selten zu einem Gedränge kommen. Denn die öffentlichen Bereiche sind relativ großzügig gestaltet.

Zu den Highlights des Schiffes gehört die etwa 167 Quadratmeter große, diamantenförmige Glasfassade am Heck. Sie erstreckt sich an der Außenseite über insgesamt zwei Decks. Im lichtdurchfluteten Innenbereich des Diamanten ist die “Große Freiheit” eingebettet. Dort sind gehobene Spezialitäten-Restaurants wie das “Richards – Feines Essen”, das “Surf&Turf-Steakhouse” sowie ein Kaffeehaus und eine exklusive Bar beheimatet. Darüber hinaus bietet das Schiff elf verschiedene Restaurants und Bistros sowie zwölf Bars und Lounges. Ebenso wie einen Nachtclub, der speziell auf die Wünsche der deutschen Gäste ausgerichtet ist.

Eine Neuheit auf den Weltmeeren ist der erste 25-Meter-Pool. Zudem stellt eine Outdoor-Arena, die mit einem großen LED-Bildschirm ausgestattet ist, viel Platz für sportliche Aktivitäten und Kino-Veranstaltungen im Freien zur Verfügung. Für Unterhaltung an Bord sorgen ein Theater, das sich über drei Decks erstreckt - sowie das Klanghaus, die erste kammermusikalische Philharmonie auf hoher See überhaupt.

Das Schiff, auf dem 1000 Crewmitglieder arbeiten, verfügt über insgesamt 1253 Passagierkabinen. 90 Prozent davon sind Außenkabinen. 82 Prozent der Kabinen sind zudem mit Balkon ausgestattet. Außergewöhnlich sind die zehn “Himmel- und Meer-Suiten”, die sich über zwei Ebenen erstrecken und jeweils über eine eigene 29 Quadratmeter große Dachterrasse verfügen.

Der Schiffsrumpf ist modular gebaut worden. 77 einzeln vorgefertigte Stahl-Blockmodule wurden miteinander verbunden. Zudem kommen modernste, schadstoffreduzierende Technologien zum Einsatz: Mit dem “kombinierten Abgasnachbehandlungssystem”, das Schadstoffabgaben reduziert, werden laut Tui Cruises Schwefel-Emissionen bis zu 99 Prozent und Partikel-Emissionen um rund 60 Prozent gesenkt. Die “Mein Schiff 3” mit einer Größe von 99.500 BRZ verbraucht daher nach Angaben der Reederei etwa 30 Prozent weniger Energie als vergleichbare Kreuzfahrtschiffe. Immer wieder sieht sich die gesamte Branche Attacken von Umweltschützern auseinandergesetzt. Diese und das Streben nach kostensparender Effizienz haben bereits zu einem Umdenken in der Kreuzfahrtindustrie geführt. “Wir haben zur Zeit das sauberste Kreuzfahrtschiff der Welt”, sagt Tui-Cruises-Geschäftsführer Richard Vogel.

Seine ersten beiden Schiffe hatte Tui Cruises gekauft und für jeweils rund 50 Millionen Euro umbauen lassen: 1996 war die “Galaxy” in der Meyer-Werft in Papenburg gebaut worden. 13 Jahre später stellte sie Celebrity Cruises - eine Tochtergesellschaft von Royal Caribbean Cruises, das neben Tui zur Hälfte an Tui Cruises beteiligt ist - außer Dienst. Nach dem Umbau stach sie als “Mein Schiff 1” wieder in See. Auch die “Mein Schiff 2” gehörte früher zur Celebrity-Flotte - als “Mercury”. 2011 übernahm Tui Cruises das Schiff.

Das Hamburger Unternehmen ist also in den vergangenen Jahren behutsam gewachsen. Anders als der deutsche Konkurrent und Marktführer Aida Cruises. Die Rostocker Reederei stellte von 2007 bis 2013 pro Jahr ein neues Schiff in Dienst. Inzwischen hat sie zehn Schiffe, 2015 und 2016 folgen zwei weitere Neubauten.

Aber auch bei Tui Cruises stehen die Zeichen nun, wie in der gesamten Branche, auf Expansion. Nach der “Mein Schiff 3” folgt das baugleiche Schwesterschiff, die “Mein Schiff 4”. Sie ist derzeit noch im Bau, wird aber voraussichtlich bereits im November dieses Jahres aufschwimmen und damit das Trockendock verlassen. Im Sommer 2015 wird dann auch sie auf große Fahrt gehen. Auf lange Sicht könnten gar zwei bis vier weitere Schiffe hinzukommen, wie jüngst verlautete.

Bis es soweit ist, muss erstmal die “Mein Schiff 3” ihre Gäste überzeugen. Ab Mittwoch steht eine weitere Produkteinführungsfahrt, ab Samstag eine “Family&Friends-Tour” für Mitarbeiter und Geschäftspartner von Kiel nach Hamburg auf dem Programm.

Die ersten, die eine reguläre Reise mit dem Ozeanriesen gebucht haben, werden in der kommenden Woche aufsteigen. Nach der Taufe am Donnerstag wird das Schiff auf offizielle Jungfernfahrt gehen: von Hamburg nach Palma de Mallorca. Im Mittelmeer kreuzt es dann auf ein- und zweiwöchigen Touren bis Anfang November, bevor es im Winter zu den Kanarischen Inseln geht.