Krebserregende UV-Strahlung lässt nach

Gut eincremen bleibt auch in Zukunft oberstes Gebot. Archivfoto
Gut eincremen bleibt auch in Zukunft oberstes Gebot. Archivfoto
DPA 23.03.2012
Das Treibgas-Verbot wirkt: Eine Studie zeigt, dass weniger krebserregende UV-Strahlung am Boden ankommt. Das berichtet Physiker Markus Rex.

Wie hat sich die UV-Strahlung in unseren Breiten entwickelt?

MARKUS REX: Seit etwa fünf Jahren ist der Wendepunkt bei der UV-Strahlung erreicht. Bei der Ozonschicht beobachten wir schon länger eine positive Entwicklung. Sie wird seit der Jahrtausendwende wieder dicker. Die Intensität der UV-Strahlung hat wegen der geringeren Luftverschmutzung aber nicht nachgelassen, sie ist sogar noch weiter gestiegen. Doch jetzt schlägt die Erholung der Ozonschicht voll durch.

Wie kommt es, dass die krebserregende Strahlung erst jetzt abnimmt? REX: Das liegt auch an der sauberen Luft. Wir haben große Fortschritte bei Schwefeldioxid erzielt. Das gesundheitsschädliche Gas, das auch für sauren Regen verantwortlich ist, wird viel weniger freigesetzt als noch vor Jahrzehnten. Schwefeldioxid bildet in der Atmosphäre winzige Tröpfchen, die Sonnenlicht und insbesondere den UV-Anteil reflektieren. Wegen der geringeren Luftverschmutzung nimmt dieser Effekt ab. Auf der Erde kommt wieder mehr UV-Strahlung an.

Ist die Erholung der Ozonschicht als Erfolg des verstärkten Umweltschutzes zu werten?

REX: Das ist wirklich ein Punkt, wo sich die Umweltpolitik auch mal auf die Schulter klopfen kann. Die jahrelangen Bemühungen zeigen sich jetzt auch in den Messdaten: Die Zunahme der UV-Strahlung ist gestoppt. Das ist eine ermutigende Nachricht, denn sie beweist, dass wir was tun können. Das Montrealer Protokoll, das Maßnahmen zum Schutz der Ozonschicht wie das Verbot von FCKW-Gasen umsetzt, war erfolgreich.

Können wir dank dickerer Ozonschicht künftig auf Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor verzichten?

REX: Es bleibt dabei, dass wir die Haut gut schützen müssen. Gerade im Frühjahr ist weiter mit sehr hoher UV-Strahlung zu rechnen. Das liegt an der Entwicklung der polaren Ozonschicht, die weiterhin dünner wird. Die arktischen Luftmassen driften hin und her - im Spätwinter und im Frühling bis über Mitteleuropa. Deshalb sind die Auswirkungen des arktischen Ozonverlusts an einigen Tagen im Jahr auch über unseren Köpfen zu spüren. Das sind dann die Tage, an denen die Sonnenbrände drohen.

Wieso erholt sich die Ozonschicht in der Arktis und Antarktis nicht?

REX: Die Konzentration von FCKW hat zwar begonnen, zu sinken, aber die Gase sind sehr langlebig und werden noch Jahrzehnte in der Atmosphäre sein. Die FCKW alleine führen nur zu einem geringen Ozonabbau. Sie werden aber richtig aggressiv, wenn sie auf große Kälte stoßen. Diese tiefen Temperaturen werden nur in der polaren Stratosphäre erreicht. Dass es 2011 erstmals auch zu einem Ozonloch über der Arktis kam, liegt am Klimawandel. Er verstärkt den Prozess des Ozonabbaus. Die unteren Luftschichten werden dadurch zwar wärmer, die höheren Schichten, die Stratosphäre, kühlt sich aber ab."

Info Messungen zufolge erholt sich die Ozonschicht langsam, sagt Markus Rex. Einer Studie zufolge könnte auch bei der schädlichen UV-Strahlung, die wegen des Ozonlochs verstärkt bis zum Boden gelangt, eine Wende erreicht sein. Rex ist Physiker in der Außenstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven.