Krankentage in Deutschland
: Deutsche bleiben immer öfter zu Hause

In Deutschland wird aktuell über den hohen Stand an Krankentage diskutiert. Wie haben sich die Anzahl der Krankentage in den vergangenen Jahren entwickelt? Hier gibt einen Blick auf die Statistik.
Von
Daniel Steiger
Berlin
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Krankschreibung: ARCHIV - 09.12.2015, Brandenburg, Sieversdorf: ILLUSTRATION - Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung - Ausfertigung zur Vorlage bei der Krankenkasse - liegt auf einem Tisch. (zu dpa: «Krankenstand auch im dritten Quartal im Norden hoch») Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Dramatische Entwicklung: Die Zahl der Krankentage pro Jahr hat sich zuletzt deutlich erhöht.

Patrick Pleul/dpa
  • Krankentage in Deutschland nehmen zu; 2023 durchschnittlich 15,1 Tage krank gemeldet.
  • Allianz-Chef Oliver Bäte schlägt Karenztag vor, um Krankmeldungen zu reduzieren.
  • Techniker Krankenkasse meldet 2024 weiteren Anstieg von Krankentagen.
  • Statistisches Bundesamt nennt bessere Gesundheitslage und Arbeitsplätze als Einflussfaktoren.
  • 2007 niedrigste Fehlzeiten seit 1991; Rückgang um 36%.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Aktuell wird über den "hohen Stand" der Krankentage in Deutschland diskutiert. Um diesen zu senken schlägt etwa der Chef des Versicherungskonzerns Allianz, Oliver Bäte, vor, den sogenannten Karenztag bei Krankmeldungen wieder einzuführen - damit würde am ersten Krankheitstag die Lohnzahlung entfallen. Wie krank ist Deutschland wirklich? Hier gibt es einen Blick auf die Entwicklung der durchschnittlichen Krankheitstage:

So hat sich die Zahl der Krankschreibungen in Deutschland entwickelt

Das Bundesamt für Statistik informiert in seinem Krankenstand über den Umfang der Krankmeldungen durch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. 2023 waren etwa Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 15,1 Arbeitstage krank gemeldet. Bei der Berechnung werden nur Krankmeldungen erfasst, die eine Abwesenheitsdauer von drei Tagen überschreiten. Die Zahl der Krankheitstage dürfte also faktisch höher liegen. Und so hat sich die Zahl der Krankheitstage in den vergangenen Jahren in Deutschland entwickelt:

  • 2023: 15,1 Krankheitstage
  • 2022: 14,8 Krankheitstage
  • 2021: 11,2 Krankheitstage
  • 2020: 11,2 Krankheitstage
  • 2019: 10,9 Krankheitstage
  • 2018: 10,6 Krankheitstage
  • 2017: 10,6 Krankheitstage
  • 2016: 10,8 Krankheitstage
  • 2015: 10,0 Krankheitstage
  • 2014: 9,5 Krankheitstage
  • 2013: 9,5 Krankheitstage
  • 2012: 9,3 Krankheitstage
  • 2011: 9,7 Krankheitstage
  • 2010: 9,4 Krankheitstage
  • 2009: 8,8 Krankheitstage
  • 2008: 8,6 Krankheitstage
  • 2007: 8,1 Krankheitstage
  • 2006: 8,3 Krankheitstage
  • 2005: 9,2 Krankheitstage
  • 2004: 8,7 Krankheitstage
  • 2003: 9,2 Krankheitstage
  • 2002: 10,2 Krankheitstage
  • 2001: 10,6 Krankheitstage
  • 2000: 10,8 Krankheitstage
  • 1999: 10,9 Krankheitstage
  • 1998: 10,7 Krankheitstage
  • 1997: 10,8 Krankheitstage
  • 1996: 12,0 Krankheitstage
  • 1995: 13,0 Krankheitstage
  • 1994: 12,4 Krankheitstage
  • 1993: 12,3 Krankheitstage
  • 1992: 12,7 Krankheitstage
  • 1991: 12,7 Krankheitstage

Wie sehen die Krankentage 2024 aus?

Noch liegen für das komplette Jahr 2024 keine Zahlen zu Krankmeldungen in Deutschland vor. Erste Erhebungen deuten aber darauf hin, dass sich die Zahl weiter erhöht. So hatte die Techniker Krankenkasse - Deutschlands größte Krankenversicherung - im Dezember mitgeteilt, dass unter ihren Versicherten in den Monaten Januar bis November ein neuer Höchststand an Krankschreibungen zu verzeichnen sei.

Warum sinken und steigen die Krankentage?

Das Bundesamt für Statistik gibt einige Gründe für das Sinken und Steigen der Krankentage in den vergangenen Jahren an. 2007 gab es die niedrigsten Fehlzeiten seit 1991. Damals lag die durchschnittliche Zahl der Krankentage noch bei 12,7 Tagen, bis zum Jahr 2007 sank sie auf 8,1. Dies ist ein Rückgang um 36 Prozent. Mögliche Ursachen können laut den Statistikern eine allgemein verbesserte Gesundheitslage oder der Rückgang gesundheitsbeeinträchtigender Arbeiten (zum Beispiel im Produzierenden Gewerbe) sein. Aber auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes kann Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer veranlassen, sich seltener krank zu melden. Insbesondere in konjunkturellen Schwächephasen gehen die Krankmeldungen zurück, wie die Entwicklung seit 1991 zeigt.