Köln Kometen im Anflug - 2013 ist das Jahr der Schweifsterne

Helle Kometen faszinierten schon immer, hier "Hale-Bopp" 1997. Foto: Jens Hackmann
Helle Kometen faszinierten schon immer, hier "Hale-Bopp" 1997. Foto: Jens Hackmann
Köln / AFP 05.03.2013
Derzeit ist viel los im All: Ein Meteoritenregen und ein Asteroid, der die Erde nur knapp verfehlt hat, verunsichern die Menschen. Doch künftig kommen noch mehr solche Erscheinungen auf uns zu.

Über Russland explodierte ein Meteor, dann schrammte ein Asteroid an der Erde vorbei - nun taucht Anfang nächster Woche ein Komet am Abendhimmel auf. Doch Gefahr droht nicht vom Besuch des Kometen "Panstarrs": Er bleibt bei seiner Stippvisite weiter von der Erde entfernt als die Sonne. Sternfreunde warten dennoch gespannt auf den kosmischen Gast, denn "Panstarrs" dürfte der erste Schweifstern seit Jahren sein, der am nördlichen Himmel mit bloßem Auge zu sehen ist. Und im Herbst könnte Komet "Ison" sogar ein Jahrhundert-Spektakel am Himmel bieten.

Kometen gelten wie Asteroiden als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. Doch während Asteroiden aus Gestein bestehen, sind Kometen mit schmutzigen Riesen-Schneebällen vergleichbar. Wenn sie sich auf ihrer Reise durch den Weltraum der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus.

Zwar ziehen häufig Kometen an der Sonne vorbei, doch die meisten sind nur in Teleskopen zu sehen. Selten sind dagegen die hellen Schweifsterne wie etwa die prächtigen Kometen "Hale-Bopp" und "Hyakutake" aus den 90er Jahren.

Und was dürfen Himmelsgucker nun von "Panstarrs" erwarten? "Im Prinzip wird er leicht mit bloßem Auge sichtbar sein", sagt die Bochumer Astronomin Susanne Hüttemeister. Sie schränkt aber ein: "Wenn er nicht in der hellen Abenddämmerung stünde."

Die ersten Beobachtungsmöglichkeiten für "Panstarrs", der die astronomische Bezeichnung "C/2011 L4" trägt, bieten sich in unseren Breiten zu Beginn der nächsten Woche. Bei Sonnenuntergang steht der Komet dann tief am Westhimmel, der allerdings noch aufgehellt ist.

Weiter zum Monatsende steht "Panstarrs" zwar höher am Himmel, wird dafür aber auch nach und nach lichtschwächer. Zudem stört dann auch das helle Licht des Mondes den Blick mit bloßem Auge.

Einen noch spektakuläreren Anblick als "Panstarrs" könnte demnächst ein zweiter Komet bieten, der sich ebenfalls im Anflug auf die Sonne befindet. "Ison hat mehr Potenzial", sagt Hüttemeister über den im September entdeckten Kometen mit der Bezeichnung "C/2012 S1", der im November dicht an der Sonne vorbeiziehen und sich Ende Dezember unserem Planeten bis auf weniger als die Hälfte der Entfernung zwischen Erde und Sonne nähern soll.

Allerdings sind Kometen unsichere Gesellen - niemand kann genau vorhersagen, was ihnen in Sonnennähe widerfährt. "Ison" etwa wird der Sonne so nahe kommen, dass er womöglich auseinanderbricht. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Komet die Hoffnung auf ein Himmelsspektakel enttäuscht: 1973 blieb der Auftritt des Kometen "Kohoutek", dessen Erscheinen als astronomisches Jahrhundert-Ereignis angekündigt worden war, weit hinter den Erwartungen zurück.

Doch nicht immer sahen die Menschen im Auftauchen eines Schweifsterns ein prächtiges Naturschauspiel. Jahrhundertelang galten Kometen als Unglücksboten - flammende Menetekel am Firmament, die Krieg und Seuchen ankündigen. Dies galt auch für den bekanntesten aller Schweifsterne - den "Halleyschen Kometen", der uns etwa alle 76 Jahre besucht. Sein Erscheinen im Jahr 1066 etwa galt Zeitgenossen als Vorbote der Schlacht bei Hastings und des Sieges der Normannen über die Angelsachsen.

Zu den alten Mythen gesellt sich eine zwar sehr unwahrscheinliche, aber dennoch reale Gefahr: Der Einschlag eines Kometen auf der Erde würde tatsächlich eine globale Katastrophe auslösen.

Um mehr über die schmutzigen Schneebälle im All zu erfahren, wurden zuletzt eine Reihe von Forschungsmissionen unternommen. Eine der spektakulärsten starteten die Europäer 2004, als sie die Sonde "Rosetta" auf die zehnjährige Reise zum Kometen "Tschurjumow-Gerasimenko" schickten. Dort soll sie 2014 ein Landegerät mit dem Namen "Philae" absetzen - zu einem "Ritt auf dem Kometen".