Glosse Kategorische Schlaftablette

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Berlin / André Bochow 26.06.2018

 Das gute, alte Schlaflied feiert in Neuseeland fröhliche Urständ. Also nicht direkt fröhliche. Eher träge und ermüdende. Denn darum geht es beim Sleep-Radio. Das Schlafradio ist die Erfindung des 62-jährigen John Watson. Die Grundidee ist simpel: Watson spielt nur Musik, die nicht nervt und die keine Begeisterung auslöst. Musik, die Menschen zum Gähnen bringt und sie schließlich Hypnos, dem Gott des Schlafes, übergibt.

Die deutsche Version der medialen Einschlafhilfe wurde im niedersächsischen Kakenstorf erfunden.  Dort lebt Tobias Baier und liest vor. Wer sich die App mit Baiers Podcast herunterlädt, bekommt nicht nur Nils Holgersson zu hören, sondern vor allen Dingen Immanuel Kant. Lesungen aus philosophischen Werken gegen Schlafstörungen – eindeutig eine nationale Besonderheit.

Andererseits ist nicht klar, warum es dieser Erfindung bedurfte. Es gibt doch schon so viel Sterbenslangweiliges und Einschläferndes. Nehmen wir nur das deutsche Fernsehen. Hundertfach wiederholte Tatorte wechseln sich mit Schmonzetten ab, in denen es um weiße Schiffe oder um rote Rosen geht. Wen es da nicht in die Kissen zieht, muss die Schlafmittel kombinieren. Zur öden Musik aus dem Sleep Radio ein wenig Kritik der reinen Vernunft plus eine Folge der Lindenstraße Ohne Ton. Und damit: Gute Nacht.

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