Kriminalität Kannibalismus in russischer Stadt Krasnodar

Stefan Scholl 29.09.2017
In der russischen Stadt Krasnodar wird ein Ehepaar wegen Kannibalismus verhaftet. Laut Boulevardpresse hat es 30 Menschen getötet.

Ein menschlicher Kopf auf einer Schale mit Südfrüchten, Olivenringe in den Augenhöhlen. Ein Einmachglas mutmaßlich mit Menschenfleisch. Ein Mann, der sich eine abgehackte Hand in den Mund steckt: Fotos in einem Handy, das in der süd­russischen Stadt Krasnodar gefunden worden ist. Sein Besitzer und dessen Frau sind wegen Menschenfresserei verhaftet worden.

Dmitri Bakschejew (35) versicherte der Polizei, er habe die Körperteile im Wald gefunden und nach Hause gebracht. In einem Abstellraum des Wohnheimes, in dem der Gelegenheitshandwerker mit seiner Frau Natalja (42) lebte, entdeckten Ermittler einen Eimer und eine Plastiktüte mit den Resten einer 35-jährigen Frau, in ihrem Zimmer Einmachgläser mit Fleisch.

Das Regionalportal Schiwaja Kuban schreibt unter Berufung auf eine Polizeiquelle, die Eheleute stünden unter dem Verdacht, seit 20 Jahren bis zu 30 Menschen ermordet und verzehrt, eingefroren oder konserviert zu haben. Die Boulevardpresse gräbt täglich neue Greuel-Details aus. Natalja Bakschejewa, eine Alkoholikerin, arbeitete früher als Krankenschwester in der Luftwaffenschule. Sie habe versucht, in den umliegenden Restaurants Fleisch zu verkaufen. Schlagzeile der Komsomolskaja Prawda: „Sie machten Pökelfleisch aus den Toten.“

Wie die Zeitung Moskowski Komsomoljez und die Agentur Ria Nowosti meldeten, haben die Bakschijews einen zweiten Mord aus dem Jahr 2012 gestanden. Aber eine Sprecherin des Krasnodarer Ermittlungskomitees sprach nur von einem Mordfall.

Offenbar haben die Behördenleiter in Krasnodar kein Interesse, die Kannibalen-Geschichte an die große Glocke zu hängen. Vielleicht wollen sie reißerische Schlagzeilen wie in der Zeitung Nowije Iswestija vermeiden: „Wenn es eine Hölle gibt, dann befindet sich ihre Filiale in Krasnodar.“

Staatliche Agenturen wie Ria Nowosti melden vor allem  amtliche Dementis: So bedürfe es laut Krasnodarer Verbraucherschutzbehörde für den Verkauf von Fleisch an Gaststätten tierärztlicher Dokumente. Außerdem unterschieden die Einkäufer der Restaurants Haustierfleisch leicht von anderen Fleischsorten. Im Ermittlungskomitee aber erklärte man dem Staats-Sender Russia Today, die Experten bräuchten mindestens einen Monat, um sagen zu können, ob die Fleischkonserven der Bakschejews Menschenfleisch seien.

Der Internetkanal TV Doschd berichtet, Bakschejew habe das Foto mit dem Kopf und den Südfrüchten 1999 geschossen. Fraglich, dass der Name des Opfers je bekannt wird.