Prozess gegen Kita-Leiter Heilbronn: Kinderpornos und mehrfacher Missbrauch an Jungen

In Heilbronn hat der Prozess gegen einen ehemaligen Kita-Leiter begonnen. Der Mann soll einen Jungen mehrere Jahre lang sexuell missbraucht haben.
In Heilbronn hat der Prozess gegen einen ehemaligen Kita-Leiter begonnen. Der Mann soll einen Jungen mehrere Jahre lang sexuell missbraucht haben. © Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa
Heilbronn / David Nau 27.08.2018

Ein 31-Jähriger ehemaliger Erzieher muss sich seit Montag wegen schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern und dem Besitz von Kinderpornografie vor dem Heilbronner Landgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen Ex-Leiter einer kirchlichen Kindertagesstätte laut Anklage vor, einen heute 13-Jährigen von 2012 bis Anfang 2018 mindestens 19 Mal sexuell missbraucht zu haben.

Die Taten sollen sich hauptsächlich in der Wohnung des Mannes in Heilbronn ereignet haben. Außerdem soll der Angeklagte seine Taten an dem anfangs Sechsjährigen in mehreren Fällen gefilmt haben.

Weil der Junge in mindestens drei Fällen geschlafen haben soll, stuft die Staatsanwaltschaft diese Taten als Vergewaltigung ein. Seit März 2018 sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Angeklagter will offenbar Geständnis ablegen

Am ersten Verhandlungstag wurden nur die Anklage verlesen und der Lebenslauf des 31-Jährigen vorgetragen.

Zur Tat selbst äußerte sich der Angeklagte nicht. Das soll erst beim nächsten Termin Mitte September geschehen, dann wohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit, wie Richterin Eva Bezold erklärte.

Der Verteidiger des Angeklagten, Thomas Amann, kündigte an, dass sein Mandat dann ein Geständnis ablegen wolle, „um zur Tataufklärung beizutragen“. Der Angeklagte wolle damit außerdem dem Opfer eine Aussage vor Gericht ersparen.

Anwalt: „Durch alle Schutzsysteme geschlüpft“

Ins Visier der Behörden geriet der Angeklagte schon im Februar 2016, als der Erzieher von der Polizei beim Tauschen von Kinderpornos erwischt worden war. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Beamten über 10.000 Bilder und mehr als 900 Videos mit kinderpornografischem Inhalt.

Die Beamten hatten aber offenbar erst über ein Jahr später bemerkt, dass der Mann in einem Kindergarten arbeitet.

Auch sein Anwalt Thomas Amann sagte der SÜDWEST PRESSE im April: „Mein Mandant ist durch alle Schutzsysteme geschlüpft“. Der 31-Jährige habe „alle getäuscht“ – „die Kirche, die Familie, mich als Anwalt“.

Erst nach der Anklageerhebung entlassen

In Heilbronn hatte die Tat großes Entsetzen ausgelöst, auch unter den Eltern, deren Kinder in den Kindergarten gingen, in dem der Angeklagte arbeitete. In der Kritik stand vor allem die evangelische Kirche, die als Träger der Kindertagesstätte fungiert.

Der für die Kindergärten zuständige Kirchenpfleger soll bereits seit Sommer 2017 von den Kinderporno-Vorwürfen gegen den Erzieher gewusst haben, jedoch nicht gehandelt haben. Erst nach der Anklageerhebung im Januar 2018 sei der Mann fristlos entlassen worden.

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