Ravensburg Säugling ermordet? Staatsanwalt fordert lebenslange Haft

23-Jährige vor dem Beginn ihres Prozesses mit einem Aktenordner. Foto: Kathrin Drinkuth/Archiv
23-Jährige vor dem Beginn ihres Prozesses mit einem Aktenordner. Foto: Kathrin Drinkuth/Archiv © Foto: Kathrin Drinkuth
Ravensburg / DPA 08.01.2018

Im Prozess gegen eine 23-Jährige wegen der Tötung ihres Neugeborenen hat der Staatsanwalt eine Verurteilung wegen Mordes zu lebenslanger Haft gefordert. Die Angeklagte habe eine schier unerträgliche Entsorgungsmentalität gezeigt, sagte Matthias Inselsberger am Montag vor dem Landgericht Ravensburg. Aus Angst um ihre Beziehung habe sie die Schwangerschaft verheimlicht und Hilfsangebote aus der Familie und dem Bekanntenkreis abgelehnt. Nach der Geburt habe sie den Säugling brutal getötet, indem sie ihm den Mund zuhielt und Küchenpapier hinein steckte.

Die Anwältin der 23-Jährigen plädierte dagegen für eine Verurteilung wegen Totschlags mit einer Haftstrafe von vier Jahren. Ihre Mandantin habe sich durch die Schwangerschaft in einer monatelangen Belastungssituation befunden, sie sei einsam und alleine gewesen. Die Tat selbst habe sie spontan ausgeführt. Zudem sei sie von Anfang an geständig gewesen und habe sich kooperativ gezeigt. Ein psychiatrischer Gutachter hatte zuvor ausgesagt, dass die 23-Jährige keine Anzeichen einer psychischen Erkrankung oder Beeinträchtigung aufweise.

Die Angeklagte soll das Kind im Mai 2017 in der Nähe eines Bauernhofs bei Mengen (Kreis Sigmaringen) heimlich zur Welt gebracht und ihm Küchenpapier in den Mund gesteckt haben, um es am Schreien zu hindern. Anschließend ließ sie das Neugeborene zurück, es starb kurz darauf.

Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft vom 30. Mai 2017

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