Ein Jugendlicher hat vier Frauen in der Nähe der französischen Stadt Toulouse stundenlang als Geiseln gehalten. Er wurde am späten Dienstagabend von Einsatzkräften der Eliteeinheit RAID überwältigt.

Alle Geiseln waren einige Stunden zuvor unverletzt frei gekommen. Der Bewaffnete verschanzte sich anschließend weiter in einem Zigaretten- und Lottoladen in Blagnac und wurde schließlich festgenommen, wie Innenminister Christophe Castaner mitteilte. Unklar war das Motiv der Tat. Die Ermittler gingen aber zunächst nicht von einem terroristischen Motiv aus.

Der „fast 18-jährige“ Täter sei polizeibekannt - etwa für Gewalt gegen die Polizei und Diebstahl, sagte Staatsanwalt Dominique Alzeari. Er sei im Dezember bei einer Demonstration der „Gelbwesten“-Bewegung festgenommen worden. Der Staatsanwalt erwähnte außerdem ein Schreiben, in dem sich der Geiselnehmer auf die Bewegung bezieht und sich außerdem mit seinem psychischen Gesundheitszustand beschäftigt. Medien berichteten zuvor, dass der Geiselnahme ein misslungener Raubüberfall vorausgegangen sei.

Die entscheidende Frage der Untersuchung sei nun das Motiv des jungen Mannes, teilte der Staatsanwalt mit. Die Geiseln würden weiterhin verhört und betreut.

Nach seiner Festnahme sei der junge Mann bei „guter Gesundheit“ gewesen, sagte der Chef der Eliteeinheit RAID, Jean-Baptiste Dunion. „Ich glaube nicht, dass er etwas nicht Wiedergutzumachendes tun wollte“, sagte der Bürgermeister von Blagnac, Joseph Carles.

Die Geiselnahme hatte gegen 16.30 Uhr begonnen. Die Gegend um den Zigarettenladen wurde weiträumig abgesperrt, Spezialkräfte waren im Einsatz. Die Polizei forderte Bürger auf, den Bereich in Blagnac zu meiden. „Man hat uns aufgefordert, die Fensterläden zu schließen und bei uns eingeschlossen zu bleiben“, zitierte die Regionalzeitung „La Depêche du Midi“ Nachbarn.

Der französische Nachrichtensender BFMTV berichtete, der Mann habe zu Beginn der Geiselnahme die Polizei selbst angerufen und verlangt, mit einem Vermittler der Eliteeinheit RAID zu sprechen. Gegen 20 Uhr wurde die erste Geisel aus der Gewalt des jungen Mannes befreit, kurze später kamen auch die drei anderen Frauen frei.

Bei den Geiseln handelte es sich „Dépêche du Midi“ um die Chefin des Zigarettenladens, ihre Tochter und zwei Angestellte. Der Geiselnehmer habe gegen 19 Uhr allen Geiseln erlaubt, einen Verwandten anzurufen. Es habe anschließend intensive Verhandlungen mit RAID gegeben.

Die „Gelbwesten“-Bewegung protestiert seit Mitte November vergangenen Jahres unter anderem gegen die als zu niedrig empfundene Kaufkraft in Frankreich sowie gegen Präsident Emmanuel Macron und dessen Reformpolitik.