Doku Jens Söring hat Hoffnung

Ein Film weckt Zweifel an seiner Schuld: Jens Söring.  Foto: dpa
Ein Film weckt Zweifel an seiner Schuld: Jens Söring. Foto: dpa © Foto: Foto: dpa
Lynchburg / Madeleine Wegener 26.10.2016

Blut auf dem Boden. Blut an den Fußsohlen der Frau, die auf dem Boden liegt. Blutverschmiert auch ihr Ehemann. „So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen“, erinnert sich ein Ermittler an diesen brutalen Mordfall anno 1985. Das Gericht in Virginia verurteilte Jens Söring für den Mord am Ehepaar Nancy und Derek Haysom zu zwei Mal lebenslänglich. Schon damals sagte der 19-jährige Söring, er sei unschuldig. Nun sitzt er seit über 30 Jahren in den USA hinter Gittern.

Der Tübinger Dokumentarfilmer Marcus Vetter und die Journalistin Karin Steinberger haben 2014 ein viereinhalbstündiges Interview mit Söring im Gefängnis geführt. Entstanden ist ein Film, der die Schuld Sörings in Frage stellt. „Das Versprechen“ erzählt aber auch die Liebesgeschichte von Söring und Elizabeth Haysom, der Tochter des ermordeten Paars.

„Die Liebe gab es nicht“

„Wir waren voneinander besessen“, sagt Söring. Und: „Ich habe mein Leben zerstört. Weil ich dachte, dass es sich um Liebe drehte. Aber die Liebe gab es nicht.“ Vetter und sein Team haben unzählige Stunden an TV-Aufzeichnungen des damaligen Gerichtsprozesses genutzt, sie haben die Liebesbriefe von Söring und Haysom eingeflochten und lassen damalige wie neue Protagonisten zu Wort kommen. Vor allem haben sie Material und Personen gefunden, die Söring entlasten könnten.

„Ich dachte, ich sei ein Held“, sagt Söring. Den Doppel-Mord hatte er zunächst zugegeben – um seine große, bislang einzige Liebe vor der Todesstrafe zu bewahren, wie er später sagte. Als Sohn eines Diplomaten hatte er darauf vertraut, dass er Immunität genieße und nach Deutschland überführt werden würde.

„Versprich mir, dass du nicht zulässt, dass ich dein Leben ruiniere“, hatte Elizabeth Haysom ihrem Geliebten damals geschrieben. Im Prozess bestritt sie, von ihrer Mutter sexuell missbraucht worden zu sein, sagte schließlich gegen Söring aus und beschuldigte ihn des Mordes an ihren Eltern.

Biblische Strafen

„Ein Sockenabdruck war der einzige Beweis“, sagt Vetter über den Prozess. Das spezielle Rechtssystem, die biblischen Strafen, ein Ermittler, der seine Karriere auf diesen Fall aufgebaut hatte: Sein Film hinterfrage das gesamte Rechtssystem der USA.

„Es geht uns schon darum zu zeigen, dass Jens unschuldig ist“, sagt Vetter. Mehrere Bewährungs- und Überstellungsanträge Sörings wurden abgewiesen, alle diplomatischen Mittel seien gescheitert. Vielleicht könne der Film Druck aufbauen. Er läuft morgen in deutschen Kinos an.

Neben der Kino-Fassung gibt es weitere Versionen, „damit er in allen Medien und auch im Fernsehen auf vielen Kanälen laufen kann“. So gibt es sechs 30-Minüter für die BBC und eine Video-on-demand-Serie, die ab März laufen soll. Söring selbst sei sehr vom Film beeindruckt: „Er ist voller Hoffnung.“ Madeleine Wegner

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