Milliarden Jahre zurück ins Universum zu blicken - das verspricht das neue Weltraumteleskop James Webb. Nach Jahrzehnten der Entwicklung und mehreren Verzögerungen soll die Rakete mit der kostbaren Fracht nun am ersten Weihnachtsfeiertag (25.12.) vom Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guyana starten.
Das neue Teleskop übertrifft seinen Vorgänger Hubble in Größe und Komplexität bei Weitem. Sein Spiegel misst 6,5 Meter im Durchmesser und muss gefaltet werden, um überhaupt in die Ariane-5-Rakete zu passen, die das Teleskop auf seine Umlaufbahn bringen wird.
Das James-Webb-Teleskop soll die Frühzeit des Universums erforschen, nur wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall. Es werde "einen nie zuvor gesehenen Teil von Raum und Zeit direkt beobachten", erklärt die US-Weltraumbehörde NASA.
Weiter in den Weltraum zu blicken bedeutet, weiter zurück in die Vergangenheit zu sehen. Während das Licht der Sonne acht Minuten braucht, um unsere Augen auf der Erde zu erreichen, wird das neue Teleskop das Licht der ersten Galaxien einfangen, die vor mehr als 13,4 Milliarden Jahren entstanden sind.
Der Hubble-Satellit, der seit 1990 im Einsatz ist, beobachtet hauptsächlich das sichtbare Licht. Webb hingegen konzentriert sich auf die Infrarot-Strahlung. Das Teleskop werde noch genauere Bilder liefern, mit einer 100-mal höheren Empfindlichkeit, sagt der Schweizer Astrophysiker Pascal Oesch. Er ist sich sicher, dass "viel, viel mehr Galaxien enthüllt werden, die aber viel weniger hell sind".
Das Hubble-Teleskop macht seit 1990 Bilder im Weltall – das James-Webb-Teleskop soll sein Nachfolger werden.
Das Hubble-Teleskop macht seit 1990 Bilder im Weltall – das James-Webb-Teleskop soll sein Nachfolger werden.
© Foto: European Southern Observatory/afp
Webb soll dazu beitragen, eine Schlüsselphase in der Entwicklung des Universums zu erklären, als "die Lichter angingen, als die allerersten Sterne zu entstehen begannen", erläutert Oesch. Letztlich geht es auch darum, herauszufinden, ob die Erde einzigartig ist oder ob es ähnliche Planeten gibt, auf denen Leben entstehen könnte.
Das neue Teleskop, benannt nach einem ehemaligen Direktor der US-Raumfahrtbehörde, wurde gemeinsam von der NASA, der europäischen Weltraumorganisation ESA und der kanadischen Weltraumagentur CSA entwickelt. Auch das Max-Planck-Institut für Astronomie, die Universität Köln sowie mehrere deutsche Unternehmen beteiligten sich.
Infografik: So funktioniert das James Webb-Teleskop.
Infografik: So funktioniert das James Webb-Teleskop.
© Foto: dpa-Infografik
Das 1989 gestartete Projekt sollte ursprünglich Anfang der 2000er Jahre in Betrieb gehen. Immer neue Probleme verzögerten das Vorhaben, die Kosten verdreifachten sich auf fast 10 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro).
"Die Aufregung ist groß, wir haben lange auf diesen Moment gewartet", sagt Pierre Ferruit, Wissenschaftler bei der ESA, der den größten Teil seiner Karriere dem Projekt widmete. Schon jetzt konkurrierten Forscher um den Zugang zu dem neuen Teleskop, das unsere Sonne umkreisen soll.
"Die Nachfrage nach Beobachtungszeit ist sehr groß. Allein für das erste Betriebsjahr hat die ESA über tausend Anträge erhalten", sagt Ferruit. "Auch nach 20 Jahren sind die Fragen, für deren Beantwortung Webb gebaut wurde, noch genauso dringlich."
Doch bis das Teleskop die ersten Bilder liefert, dauert es noch eine Weile: In etwa einem Monat soll es seine Umlaufbahn 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt erreichen. Anschließend müssen der Spiegel und der Sonnenschutzschild von der Größe eines Tennisplatzes entfaltet werden. Erst wenn auch diese Herausforderung gemeistert ist und der Spiegel genau justiert wurde, kann in etwa einem halben Jahr der Blick zurück in die Vergangenheit des Universums beginnen.

Teleskop Start live: ESA sendet Stream

Ihr wollt den Start des James Webb Teleskops live erleben. Dafür müsst ihr nicht nach Kourou (Französisch-Guyana) fliegen. Denn die ESA überträgt den Start live im Stream. Die Übertragung beginnt laut ESA etwa eine halbe Stunde vor dem Start.

James Webb Teleskop sollte eigentlich an Heiligabend starten

Der schon mehrfach verschobene Start des neuen Weltraumteleskops „James Webb“ ins All verzögert sich wegen absehbar schlechten Wetters erneut. Die Trägerrakete vom Typ Ariane 5 werde voraussichtlich erst am Samstag, 25. Dezember vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana abheben, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Das wäre einen Tag später als zuletzt geplant. Es ist nicht das erste Mal, dass der Startschuss für das Gemeinschaftsprojekt der Weltraumbehörden Europas, der USA und Kanadas verschoben wird. Ursprünglich hätte es sogar schon im Oktober 2018 so weit sein sollen.

James-Webb-Teleskop: Der Flug ist 1,5 Millionen Kilometer lang

Das Teleskop soll in einer Umlaufbahn mehr als anderthalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt platziert werden, etwa vier Mal so weit weg wie der Mond. Anders als das Vorgänger-Teleskop Hubble wird sich das Webb-Teleskop nicht um die Erde drehen, sondern um die Sonne.
Für die Reise zu seinem Bestimmungsort, der als zweiter Lagrange-Punkt oder L2 bekannt ist, wird das Teleskop etwa einen Monat brauchen. Konnte Hubble noch von Astronauten repariert werden, haben es Menschen noch nie so weit in den Weltraum geschafft.

Das ist die Mission des Webb-Teleskops

Das Teleskop soll die Frühzeit des Kosmos, nur einige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall, erforschen. Astronomen versprechen sich Rückschlüsse auf die Bildung der ersten Sterne und Galaxien. Außerdem soll das Teleskop Exoplaneten, also Planeten außerhalb des Sonnensystems, entdecken. Zudem soll es untersuchen, ob diese fremden Welten Leben beherbergen könnten.
Die Stärke des Webb-Teleskops liegt in der Nutzung von Infrarotstrahlen. Während Hubble zumeist mit sichtbarem Licht und ultravioletten Strahlen operiert, können die Infrarotstrahlen des Webb-Teleskops das Universum leichter durchdringen. Außerdem können die Astronomen mit Infrarotstrahlen weiter in die Vergangenheit zurückblicken.
Das Webb-Teleskop soll außerdem den Mars und den mit einer Eishülle umgebenen Jupiter-Mond Europa genauer untersuchen.