Die Gesellschaft für Virologie (GfV) sieht durch das vor allem in Südamerika grassierende Zika-Virus keine Gefahr für Deutschland. "Es wird sich nicht in Deutschland ansiedeln", sagte der Bonner GfV-Virologe Christian Drosten. Es gebe derzeit "keinerlei Anzeichen" dafür, dass es künftig über in Deutschland vorkommende Moskitos übertragen werden könnte. Die wenigen hierzulande bekannten Zika-Infektionen wurden alle eingeschleppt.

"Wären die Bedingungen in Deutschland ganzjährig gegeben, wäre Deutschland längst ein Verbreitungsgebiet des Dengue-Fiebers, das sich seit Jahren sehr viel stärker ausbreitet als das Zika-Virus", erklärte der Experte.

Zika-Viren nutzen wie die Erreger des Denguefiebers die Mückenart Aedes aegypti zur Verbreitung. Die Gelbfiebermücke kommt in Deutschland nicht vor. Eine weitere, mögliche Überträgerin, die Asiatische Tigermücke, gibt es nur sehr punktuell in Süddeutschland.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) und das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin erwarten keine Verbreitung des Virus durch eingeschleppte Fälle in Deutschland. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält die Wahrscheinlichkeit von in Deutschland erworbenen Zika-Infektionen ebenfalls für "sehr gering".

Dass infizierte Patienten und die Asiatische Tigermücke aufeinandertreffen und das Virus dadurch übertragen wird, sei denkbar, aber auch im Sommer "statistisch unwahrscheinlich". Diese Situation könnte sich theoretisch in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten ändern, wenn sich die Asiatische Tigermücke flächendeckend in Süddeutschland ausbreite und zugleich mehr Zika-Virus-Infektionen importiert würden, fügte Stark hinzu.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bereitet dennoch eine Meldepflicht für Zika-Fälle in Deutschland vor, sagte eine Sprecherin. "Dadurch kann das Infektionsgeschehen in Deutschland besser überwacht werden."

Das besonders für Ungeborene gefährliche Virus grassiert zurzeit vor allem in Südamerika. Inzwischen wurde es auch in mindestens sieben europäischen Ländern diagnostiziert. Es führt bei etwa 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen und ist normalerweise nicht tödlich. Schwangere können das Virus aber auf ihre ungeborenen Kinder übertragen, bei denen es zu Fehlbildungen bis hin zur Mikrozephalie - einem extrem kleinen Kopf - führen kann.