Tradition In China beginnt das Jahr des Hundes

Sein Name sei „Hund“ – ein  ganzes Jahr lang.
Sein Name sei „Hund“ – ein ganzes Jahr lang. © Foto: dpa
Peking / Felix Lee 15.02.2018
Am Freitag beginnt für Chinesen das Jahr des Hundes. Für 2018 gilt das Element Erde. Eine unheilvolle Kombination.

Falls er nicht schon welche besitzt, sollte sich Donald Trump vor der Nacht auf Freitag rasch rote Schlüpfer zulegen. Oder ein anderes rotes Kleidungsstück, das seine Haut berührt. Denn morgen beginnt nach dem chinesischen Mondkalender das Jahr des Hundes. Dem chinesischen Horoskop zufolge drohen Menschen, die im Hundejahr geboren sind, Pech, Unglück und Pannen – wenn sie nicht von etwas Rotem beschützt werden. Und der 72-jährige Trump ist ein Hund.

Die chinesische Astrologie ordnet in einem Zwölfjahreszyklus jedes Jahr einem Tier zu. Die reihenfolge: Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, und Schwein. Auf das nun endende Jahr des Hahns folgt also der Hund. Sowohl den Menschen, die im Hundejahr geboren sind, als auch dem Jahr selbst werden Charaktereigenschaften des Hundes nachgesagt.

Das Tierkreisjahr wird zudem mit einem der fünf Elemente verbunden, nämlich Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde. Das Jahr 2018 trifft auf das Element Erde. Also begrüßen die weltweit rund 1,5 Milliarden Chinesen am Neujahrstag das Erdhundejahr.

An sich verspricht der Hund kein schlechtes Jahr. Er steht für Sicherheit, Ruhe und Stabilität. 2018 droht dennoch Unheil. Die Bezeichnung „Erdhund“ steht im Chinesischen nämlich auch für Straßenköter, also für wild und bissig. In Jahren des Erdhundes neigten Menschen zudem dazu, „an Prinzipien und ihren Standpunkten festzuhalten“, sagt der Hongkonger Feng-Shui-Meister Raymond Lo, einer von nur fünf Astrologen, dem die Internationale Feng Shui Assoziation (IFSA) auch den Titel „Großer Meister“ zu tragen erlaubt.

Lo befürchtet, dass es in den internationalen Beziehungen zu „harten Auseinandersetzungen und Zusammenstößen“ kommen könnte. Der erste Vorgeschmack: Die USA unter Trump steuern mit Europa und China auf einen Handelskrieg zu. Auch der Konflikt um Nordkoreas Atomwaffenprogramm könnte sich wieder zuspitzen.

Menschen, die im Jahr des Hundes geboren sind (etwa 1932, 1946, 1958, 1970, 1982, 1994 und 2006), gelten dennoch als angenehm ­– häuslich, loyal und als Familienmensch. Vor allem Hündinnen versprechen Geborgenheit. Sie gehen wenig Risiken ein.

Wer in einem Hundejahr mittags und nachmittags zur Welt kommt, verfügt der Astro-Webseite von Chinas meistgenutztem Suchdienst Baidu zufolge über ausgeprägte Jagdinstinkte. Er/sie ist lebhaft und muss diszipliniert werden, gehorcht aber in aller Regel dem Herrchen.

Deswegen sind es vor allem junge Astrologen, die glauben, in einem Jahr des Hundes ließen sich privat stabile Partnerschaften aufbauen. In Sachen Liebe sei ein Jahr des Hundes ideal, um einen Heiratsantrag zu machen oder auch Nachwuchs zu planen. Sie empfehlen zudem, ein Haus zu bauen oder in Immobilien zu investieren.

Ältere Astrologen hingegen raten von riskanten Geschäften im Hundejahr ab. Besonders achtsam sollten Anleger sein. Dem Hongkonger Astrologen Lo zufolge ist 2018 mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums zu rechnen, womöglich gar mit einem Börsencrash.

Wachhunde mögen Überraschungen nicht, sagt Lo. Er rät daher vor neuen Beziehungen ab. Wer Fremde nach Hause bringt, sollte sich nicht wundern, wenn der Hund zuschnappt. Metaphorisch betrachtet könnte das auch im wahren Leben schmerzen.

Gespaltenes Verhältnis zum Hund

Anders als in Europa betrachtet vor allem die ältere Generation in China den Hund nicht so sehr als den besten Freund des Menschen. Hunde gehörten zwar seit jeher in jedem Bauernhaushalt dazu, dienen als Wachhunde und leben angekettet vor der Tür. Sich einen Schoßhund zu halten ist in China jedoch ein verhältnismäßig neues Phänomen.

In manchen Gegenden Chinas werden Hunde noch heute geschlachtet; ihr Fleisch wird verzehrt, Häute und Felle werden in der Bekleidungsindustrie verwertet.  Allein beim Hundefleisch-Festival in Yulin im Südosten Chinas kommen trotz internationaler Proteste jedes Jahr rund 10 000 Tiere auf den Markt; im vergangenen Jahr allerdings gab es erstmals Beschränkungen. lee/eb