Weltweit laufen die Forschungen nach Impfstoffen gegen das Coronavirus unter Hochdruck. Auch deutsche Unternehmen forschen zu verschiedenen Impfstoffen. BioNTech, das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und auch das Tübinger Biotechunternehmen CureVac sind darunter. Mehrere dieser Projekte werden von der internationalen Impfstoffallianz Cepi finanziell unterstützt. In den USA bekamen bereits freiwillige Testpersonen einen möglichen Impfstoff gegen das Virus Sars-CoV-2 gespritzt. Auch China hat die erste Phase einer klinischen Studie für einen Impfstoff begonnen. Einer Reihe von Freiwilligen sei bereits eine erste Impfung verabreicht worden, sagte ein Mitarbeiter des von der chinesischen Regierung finanzierten Projekts am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

Die meisten Impfstoff-Kandidaten befinden sich derzeit noch in der präklinischen Entwicklungsphase; zwei Kandidaten werden seit Mitte März in klinische-Phase-I-Studien untersucht. Weitere Entwickler haben den Beginn von Studien der klinischen Phase 1 für April/Mai angekündigt. Auf der Seite des Robert-Koch-Instituts findet man dazu aktuelle Informationen.

Derzeit gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Medikamente gegen das neuartige Coronavirus. An der durch das Virus verursachten Covid-19-Erkrankung sind weltweit bisher mehr als 83.424 Menschen gestorben (Stand 08. April nach Informationen der Johns Hopkins University).

CureVac forscht nach Impfstoff

Der Chef des Tübinger Biotech-Unternehmens CureVac, Franz Werner Haas, hält nach eigenen Worten die Versorgung zehntausender Menschen mit einem Impfstoff bereits ab Herbst für möglich. Die entsprechenden Daten dafür sollten im dritten Quartal vorliegen, sagte Haas der "Wirtschaftswoche". "Wenn die Daten gut sind und die Behörden ihr Okay geben, können wir noch dieses Jahr eine größere Studie starten."

Zehntausende Menschen könnten den Impfstoff dann bereits erhalten, sagte Haas. "Wann der Impfstoff für die breite Masse verfügbar ist - ob noch dieses Jahr oder erst 2021 - hängt vom Ausgang der klinischen Studie und der Entscheidung der Zulassungsbehörden ab." In einer bereits bestehenden Anlage könnten "pro Jahr zwischen 200 und 400 Millionen Impfdosen" gegen das Coronavirus produziert werden. Der erste Produktionsgang laufe bereits.

CureVac, das kürzlich eine Zusage der EU-Kommission über bis zu 80 Millionen Euro Unterstützung erhalten hat, will das Geld für den Ausbau einer weiteren Produktionsanlage verwenden. 2022 soll die Anlage starten. "Dort könnten wir dann pro Jahr eine Milliarde Impfdosen und mehr gegen das Coronavirus produzieren", sagte Haas der Zeitung. Die Anlage könne auch zur Produktion anderer Impfstoffe - etwa bei vergleichbaren Ausbrüchen - genutzt werden.

Diskussionen über die Verfügbarkeit von Impfstoffen

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek geht davon aus, dass ein Impfstoff gegen das Coronavirus frühestens Ende des Jahres eingesetzt werden kann. "Wir müssen davon ausgehen, dass ein Impfstoff, mit dem breitere Teile der Bevölkerung geschützt werden können, erst gegen Ende des Jahres oder Anfang des nächsten Jahres zur Verfügung steht", sagte Karliczek den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Samstag.

Wann wird es einen Impfstoff geben?

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, geht zwar davon aus, dass es bereits "in wenigen Wochen" Impfstoffkandidaten geben wird. Mit einem im großen Maßstab einsetzbaren Impfstoff rechnet er aber erst im kommenden Jahr, denn die Impfstoffforschung ist aufwendig. Vor einer Zulassung gibt es eine Reihe vorklinischer und klinischer Prüfungen an Tieren und Menschen. In Deutschland erhält ein Impfstoff nur dann eine Zulassung, wenn nachgewiesen ist, dass er wirksam und für die Patienten verträglich ist. "Für allzu großen Optimismus ist es noch zu früh", konstatiert auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie.

Vom Antigen zum Impfstoff.
Vom Antigen zum Impfstoff.
© Foto: dpa

Unterschiede bei der Impfstoffentwicklung

Normalerweise enthalten Impfstoffe vereinfacht gesagt Teile eines Virus und gaukeln dem Immunsystem eine Infektion vor, damit der Körper eine Immunität gegen den Erreger ausbildet. Pharmafirmen wie CureVac hingegen setzen auf Impfstoffe, die ausgewählte Gene des Virus enthalten. Die Zellen sollen dadurch animiert werden, sofort eine Immunantwort zu starten. Die Methode ist schnell, effizient und kostengünstig. Allerdings ist laut VFA bislang noch gegen keine Krankheit ein solcher Impfstoff auf dem Markt.

Weitere Ansätze zu Impfungen

In Deutschland arbeitet beispielsweise das DZIF mit Partnern an zwei Impfstoffen. In einem Fall wandeln die Forscher einen Impfstoff gegen das Mers-Coronavirus ab, einem nahen Verwandten des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2. Sie nutzen also bereits vorhandene Bausteine, um möglichst schnell einen Impfstoff zu finden. Der ursprüngliche Mers-Impfstoff befindet sich derzeit in der klinischen Prüfung. Parallel dazu dient das Virus aus dem Masernimpfstoff dem DZIF als Grundlage für einen möglichen Impfstoff gegen Corona.

Zulassungsverfahren könnten beschleunigt werden

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ließ jüngst durchblicken, dass sonst übliche langwierige und "bürokratische" Zulassungsverfahren für Medikamente angesichts der "schwerwiegenden Krise" beschleunigt werden könnten. Einen Impfstoff zu haben, sei angesichts der weltweiten Ausbreitung des Virus "von höchster Wichtigkeit". Details nannte sie nicht. Vorrang haben aber in jedem Fall die hohen Sicherheitsstandards bei der Medikamentenherstellung, um Nebenwirkungen auszuschließen.

Medikamente gegen Covid-19

Nach wie vor gibt es kein Medikament gegen die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19. Erforscht werden derzeit nicht nur neue Wirkstoffe. Geprüft wird auch, ob bereits zugelassene Medikamente womöglich helfen könnten. Darunter sind Arzneimittel, die ursprünglich gegen Ebola, HIV oder Sars und Mers - zwei andere durch Coronaviren ausgelöste Krankheiten - entwickelt wurden. Auch das Malariamedikament Remdesivir wird geprüft, dessen Wirksamkeit gegen Viren erst vor kurzem entdeckt wurde.