Kairo Immer mehr Ungereimtheiten beim Absturz von Egyptair MS 804

Angehörige trauern um die Opfer.
Angehörige trauern um die Opfer. © Foto: dpa
MARTIN GEHLEN 23.05.2016
Noch immer ist unklar, warum der Airbus A320 auf dem Weg nach Kairo abgestürzt ist. Die Suche konzentriert sich auf die Black Box.

Während sich an der Unglücksstelle vor der Küste die Suche auf den Flugschreiber der abgestürzten Egyptair-Maschine konzentrierte, fanden am Wochenende in Kairo muslimische und christliche Trauerfeiern für die 37 einheimischen Opfer der Katastrophe statt. Unter den Toten ist ein junges Elternpaar, die Wohnung und Auto verkauften, um eine Krebsoperation der Ehefrau in Frankreich zu bezahlen. Der Eingriff verlief erfolgreich, voller Hoffnung machten sich die beiden auf den Rückweg zu ihren drei kleinen Kindern, die nun zu Waisen wurden. In einer koptischen Kirche trauerten Familie und Freunde um eine 26-jährige Flugbegleiterin, die in wenigen Monaten heiraten wollte.

Ein französisches Spezialschiff, das die Black Box orten kann, wird heute im östlichen Mittelmeer erwartet. Ägypten beteiligt sich mit einem U-Boot, welches bis zu einer Tiefe von 3000 Metern operieren kann. Die Armee veröffentlichte erste Fotos von geborgenen Trümmern, darunter Teile von Sitzen, Schwimmwesten, Schuhen und Taschen der getöteten Passagiere.

Gleichzeitig tauchten erste Zweifel auf an der offiziellen Darstellung der ägyptischen Seite, die Flugsicherung in Kairo habe bis zum Verschwinden der Maschine vom Radar keinerlei Kontakt mit dem Cockpit gehabt. Wie der französische Fernsehsender M6 berichtete, habe der Pilot dem Kontrollturm in „einem mehrere Minuten langen Gespräch“ Rauch im Cockpit des Flugzeugs gemeldet und erklärt, er werde die Maschine daher so schnell wie möglich nach unten steuern. Der Sender berief sich auf ungenannte Mitarbeiter der französischen Luftsicherheit, eine offizielle Bestätigung aus Paris gibt es jedoch nicht. Rauch im vorderen Teil des Flugzeuges legen auch sieben elektronische Signale nahe, die kurz vor dem Absturz noch aufgefangen wurden. „Die Analyse dieser Daten erlaubt es nicht, eine Abfolge von Ereignissen zu rekonstruieren, die den Absturz von MS804 erklärt“, teilte der Flugzeugbauer Airbus mit.

Die „New York Times“ berichtete unterdessen, ausgerechnet auf dem Bauch des abgestürzten Airbus 320 sei 2014 in Kairo ein Graffiti entdeckt worden mit dem Text „Wir werden diese Maschine zum Absturz bringen“. Bisher hat sich keine Terrororganisation zu einem Anschlag auf Egyptair bekannt. IS-Sprecher Mohamed al-Adnani drohte am Samstag in einer längeren Audiobotschaft den USA weitere Terrortaten an. Zum Absturz über dem Mittelmeer jedoch verlor er kein Wort.