Böblingen / Christine Frischke u. Uwe Keuerleber Sie haben einen Flügel, ein Bein oder ein Auge verloren - für versehrte Tauben gibt es Schutz und Hilfe im Böblinger Tierheim.

Das Image der Stadttaube ist nicht gerade das Beste. Sie gelten als Überträger von Krankheiten. Deshalb haben viele Städte bereits ein Fütterungsverbot für Tauben erlassen. Erst vor kurzem beschloss die Stadt Memmingen ein solches Verbot, da sich Bewohner der Altstadt über Verunreinigungen durch den „Taubendreck“ beschwert haben. Doch es gibt auch Menschen die sich für die „Ratten der Lüfte“ stark machen. So wie das Stadttauben-Projekt in Stuttgart, die ein tierschutzgerechtes Konzept zur Regulierung und Reduzierung der Stadttauben entwickelt haben.

In Memmingens Altstadt schimpfen Anwohner über massive Schäden durch Taubendreck. Der Stadtrat greift jetzt durch - in München ist das längst Alltag: Dort drohen 1000 Euro Bußgeld für Tauben füttern.

Schützenswert wie andere Tiere

„Tauben sind genauso schützenswert wie andere Tiere und sie leiden auch genauso“, sagt Britta Leins vom Verein „Straßentaube und Stadtleben“, der sich auch für verletzte Tiere einsetzt und sich für ein Hospitz für Stadttauben stark gemacht hat. „Wir sehen die Einrichtung allerdings eher als eine Art betreutes Wohnen.“ Seit Oktober 2018 gibt es im Tierheim in Böblingen solch eine Einrichtung. In einer Voliere, 36 Quadratmeter groß, finden rund 80 Vögel Platz, die so schwer verletzt wurden, das sie nicht mehr freigelassen werden können.

Es fehlt an Kuschelfaktor

Das Problem: Kaum jemand will eine verletzte Taube aufnehmen. Selbst in Tierheimen fehlt es meist an entsprechenden Angeboten. Oft sind es kleine Gruppen oder Vereine wie der von Leins, die sich um die ungeliebten Vögel kümmern. Bei den Tierfreunden landen verletzte Stadttauben ebenso wie verirrte Brief- oder Hochzeitstauben. Anfragen zur Aufnahme von Tauben kämen inzwischen aus ganz Deutschland. Dass den Vögeln ein so schlechtes Image anhaftet, ärgert Leins: „Tauben haben viel Charme und Witz, nur fehlt ihnen der Kuschelfaktor.“

Deutschlandweit die erste Einrichtung

Nach Angaben von Leins ist das Tauben-Hospiz in Böblingen deutschlandweit die erste Einrichtung dieser Art. „Zumindest in Baden-Württemberg ist uns nichts ähnliches bekannt“, sagt Martina Klausmann, Biologin beim Landestierschutzverband in Karlsruhe. Beim Deutschen Tierschutzbund hat man ebenfalls von keiner anderen Einrichtung gehört, die sich speziell verletzter Tauben annimmt. Ob eine dauerhafte Unterbringung in einer Voliere sinnvoll ist, hängt Klausmann zufolge davon ab, ob das verletzte Tier noch Lebensqualität habe. „Generell sollte man aber keinen Unterschied machen, ob man nun Hund, Katze oder eben Taube aufnimmt.“ Die Eröffnung des Hospizes macht auch deutlich: Städte sind beim Umgang mit den Tieren überfordert. Vor allem an Taubenschlägen fehle es.

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