Sie lieben es groß. Viel Fläche auf dem Zug. Der Regional- und S-Bahnverkehr zieht regelmäßig Graffiti-Sprüher an. Bundesweit haben Bahnunternehmen deshalb Schäden zu beklagen. Die Züge müssen gereinigt werden und sind solange nicht einsatzfähig.

Obwohl die Fälle von Graffiti an Zügen bundesweit rückläufig sind - für einige Bahnunternehmen ist das ein größer werdendes Problem.

Graffiti-Schwerpunkte sind aus Sicht der Deutschen Bahn (DB) Berlin, Hamburg, Halle und Leipzig, Nordrhein-Westfalen und Ballungsgebiete in Baden-Württemberg. Im Raum Leipzig seien silberfarbene Züge ein Anziehungspunkt für Sprayer. Der Leiter Produktion Region Südost, André Stimmel, sagt zu Graffiti-Fällen im Mitteldeutschen S-Bahnnetz: „Die Großflächigkeit nimmt zu.“ Täter gingen in Gruppen an die Fahrzeuge. Hauptziele seien Züge in Abstellanlagen und Wendebahnhöfen.

Bei der Deutschen Bahn stieg im vergangenen Jahr die Zahl der Graffiti-Beschädigungen um rund 8 Prozent auf 20 100. Der bundeseigene Konzern zählt nicht nur Graffiti an Zügen dazu, sondern auch an Bahnhöfen und Wänden. Die Kosten für die Beseitigung von Graffiti beliefen sich demnach auf 13 Millionen Euro. Den Gesamtschaden, der durch Vandalismus und Graffiti entstand, beziffert die Bahn auf 38 Millionen Euro.

Was Graffiti speziell an Zügen betrifft, so sind die Zahlen nach Angaben der Bundespolizei in Deutschland rückläufig. 2018 wurden demnach 7819 Fälle registriert, mehr als die Hälfte davon im S-Bahnverkehr (rund 4170). 2017 waren es noch rund 8300 Fälle, 2016 rund 8360. Unerlaubt angebrachte Graffiti werden als Sachbeschädigung gewertet.

Unlängst machten Graffiti-Sprüher Schlagzeilen bei einem außergewöhnlichen Vorfall in Berlin: Während eines ganztägigen Warnstreiks bei den kommunalen Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wurden 140 U-Bahn-Wagen besprüht. Die Reinigung zog sich wochenlang hin.

Auch bei anderen Bahnunternehmen sind Graffiti ein Problem. Die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) spricht von einer Zunahme in den vergangenen Jahren. Der Nordwestbahn ist im Netz der Regio-S-Bahn Bremen 2018 ein Schaden von 240 000 Euro durch Graffiti entstanden, wie es vom Unternehmen heißt. 2017 seien es noch 180.000 Euro gewesen. Auch die Abellio Rail Mitteldeutschland spricht von einer Zunahme - weist aber zugleich darauf hin, dass sich auch die Fahrzeugflotte vergrößert habe. Von der Bayerischen Oberlandbahn hingegen heißt es, dass die Anzahl der durch Graffiti verunreinigten Züge in den vergangenen Jahren gleich geblieben sei.

Für Bahnunternehmen gilt es, Graffiti möglichst schnell zu entfernen. Denn im schlimmsten Fall drohen Vertragsstrafen, wenn das nicht schnell genug geht. Es gibt noch einen weiteren Aspekt. Der Vorstand Produktion DB Regio, Oliver Terhaag, sagt: „Die Auswirkungen von Graffiti bekommen leider auch unsere Fahrgäste zu spüren. Die betroffenen Wagen werden aus der Flotte genommen, so sind dann kürzere Züge unterwegs, die mitunter entsprechend voll werden.“ An Haltepunkten könne es dadurch zu Verzögerungen beim Aus- und Einsteigen kommen, was negative Auswirkungen auf die Pünktlichkeit habe. Zugausfälle werden demnach möglichst vermieden.

Die Bahnunternehmen investieren einiges gegen das Graffiti-Problem. Die Deutsche Bahn zählt auf: Fahrzeuge werden zusätzlich bewacht. Einsatzteams der DB Sicherheit legen sich in Bahnhöfen, Abstellanlagen und Rangierbahnhöfen auf die Lauer, um Sprayer zu erwischen. Es gibt den Angaben zufolge auch Sensoren, die einen Alarm auslösen, wenn sie Geräusche wie das Schütteln einer Spraydose oder den Sprühstrahl erkennen. Hinzu kommen Sensoren, die bei unbefugtem Betreten von Anlagen einen Alarm auslösen. Speziell für die Region Südost wurde eine App entwickelt, die die Größe von Graffiti misst. Dadurch soll die Reinigung passgenauer erfolgen und der Zug schneller wieder einsatzfähig sein.

Die Ostdeutsche Eisenbahn erwähnt auch Folien, mit denen sie die Scheiben ihrer Züge beklebt. Das soll die Reinigung erleichtern, wenn Graffiti an die Fenster gesprüht wird. Mit Klebefolien arbeitet auch die Deutsche Bahn in Toiletten im Zuginneren.