Ängste, Fettsucht und Migräne: Immer mehr Mediziner und  Psychologen gehen mit Hypnose gegen solche Leiden vor. Bekannt ist ihr Einsatz gegen Schmerzen beim Zahnarzt. Aber auch bei Verhaltensstörungen soll die Therapieform helfen. Gibt es Show-Hypnose wie bei Magiern? „Hypnose ist nicht das, was sich die meisten Menschen darunter vorstellen“, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Autosystemhypnose (DGSH) Götz Renartz. Es komme keine Schlange Kaa mit marmorierten Augen, die die Menschen verzaubere. Auch Pendel würden kaum verwendet – nicht weil es damit nicht funktioniere, sondern weil zu viel Esoterik damit verbunden sei. Um jemanden in die Hypnose zu versetzten, spricht der Arzt nur langsam und leiernd. Wie viele Ärzte bieten Hypnose an? Tausende Hypnotherapeuten sind in Deutschland organisiert. Dazu gehören viele Zahnärzte und Psychotherapeuten, aber auch Chirurgen und Unfallmediziner. Hinzu kommen Logopäden, Heilpraktiker und Hebammen. Mehrere Monate dauert die berufsbegleitende Ausbildung bis zum Zertifikat. „Es hypnotisieren mehr, als die meisten Menschen wissen“, sagt Bernhard Trenkle, Mitglied im Vorstand der International Society of Hypnosis (ISH). Ist Hypnotherapie wirklich wissenschaftlich? Seit dem Jahr 2006 ist sie vom wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie in einigen Feldern anerkannt, etwa bei der Raucherentwöhnung. Mittlerweile umfasst die Liste der Krankheiten und Leiden, die empirisch belegt werden können unter anderem: Operationsschmerzen, Geburtsschmerzen, Migräne, Phobien, Übergewicht sowie Schlaf- und Sexualstörungen. Nicht empfohlen wird die Anwendung der Hypnotherapie allerdings bei akuten Psychosen und schweren Persönlichkeitsstörungen. Ist Hypnose wie Meditation? Beides sind bewusstseinsverändernde Zustände. Bei der Meditation aber wird der Einfluss der Umwelt möglichst ausgeschaltet, eine Leere erzeugt. Bei einer Hypnose fühlt sich der Mensch in sein Inneres vor und spaltet dort den Schmerz oder die Angst ab. Weil der Fokus ganz auf einem inneren Bild liegt – zum Beispiel auf einem Segelboot in der Sonne schaukeln oder im Tiefschnee den Hang hinabfahren –, können Störungen weitgehend ausgeblendet werden. Können Patienten gegen ihren Willen hypnotisiert werden? Nein. Der Patient muss mitarbeiten. „Er muss den inneren Heiler finden“, sagt Renartz. Die hypnotisierenden Ärzte und Therapeuten sind der Ansicht, dass die Patienten viele körperliche und seelische Probleme aus sich heraus behandeln können, mit ihren Selbstheilungskräften. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung gelten allerdings wissenschaftlich als nicht hypnotisierbar – bei diesen Menschen klappt es einfach nicht. Wo setzen entsprechende Zahnärzte die Hypnotherapie ein? Bei den Zahnärzten gibt es nicht nur die Hypnose am Stuhl, etwa zur Schmerzlinderung beim Ziehen von Weisheitszähnen. „Die hypnotische Kommunikation kommt in jede Behandlung mit rein, ohne dass es der Patient bewusst mitbekommt“, sagt Thomas Wolf, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH). Wie findet man einen Hypnose-Arzt? Wichtig ist eine fundierte medizinische Grundausbildung. „Zahlreiche wissenschaftlich fundierte deutschsprachige Hypnose-Gesellschaften haben gemeinsam das Portal www.hypnose.de eingerichtet. Auf den Webseiten der Gesellschaften finden sich dann Ärzteverzeichnisse“, sagt Trenkle von der ISH.

Steigende Nachfrage von Patient und Arzt

Nachfrage Mehrere Hypnose-Gesellschaften in Deutschland verzeichnen eine steigende Nachfrage nach wissenschaftlichen Therapieformen mit Hilfe von Trance. Auch die Zahl der mit Hypnotherapie behandelnden Mediziner steigt.

Ausbildung Wie die DGSH bildet auch die DGH berufsbegleitend Ärzte, Psychologen und andere Experten im Bereich der Hypnose aus. Bei der DGZH soll nun das Ausbildungsangebot neu strukturiert werden. Von rund 90 000 Zahnärzten in Deutschland seien nur 2500 für Hypnose zertifiziert. Deshalb sollten nun Zahnmedizin-Studenten für die Hypnose bereits im Studium ausgebildet werden.Die DGZH veranstaltet derzeit ihren Hypnose-Kongress in Berlin, die DGSH zeitgleich einen Hypnose-Kongress in Mainz. dpa