Ulm / Moritz Clauß Mehrere Unternehmen wollen Anfängern ermöglichen, selbst zu fliegen. Die von Laien gesteuerten Fluggeräte sollen relativ sicher sein.

Ein Fluggerät, das jeder ohne Pilotenschein fliegen kann und darf – genau daran arbeiten mehrere Unternehmen, etwa in den USA. Gefährlich sei das Fliegen für Laien nicht, sagt Matt Chasen. Seine Firma „Lift Aircraft“ arbeitet an einem elektrischen Multicopter – das ist ein Fluggerät mit mehreren Rotoren – namens „Hexa“. Ein ähnliches Projekt ist der „Flyer“ des Unternehmens „Kitty Hawk“. Laien sollen schon nach wenigen Stunden in der Lage sein, die Geräte zu steuern.

Dürfen Laien selbst fliegen?

Das ist in den USA legal. Dort darf jeder sogenannte „Ultra Light Vehicles“ – Fluggeräte mit nur einem Sitz und einem maximalen Leergewicht von 115 kg – steuern. Ganz ohne Flugschein. In Europa sei eine derartige Regelung derzeit nicht vorgesehen, erklärt Florian Holzapfel, Professor am „Institute of Flight System Dynamics“ der Technischen Universität München.

Bevor sie in die Multicopter steigen, sollen die Anfänger sowohl bei „Hexa“ also auch beim „Flyer“ eine Einführung erhalten. In die Quere kommt dem Flugvergnügen dann nur noch die Akkulaufzeit: Nach spätestens 20 Minuten müssen die Batterien aufgeladen werden.

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Ist das gefährlich?

„Ursache für die meisten Unfälle sind Pilotenfehler“, sagt Matt Chasen. „Lift Aircraft“ setze deshalb auf einen ausgeklügelten Autopiloten. Es sei mittlerweile möglich, sehr zuverlässige Systeme zu bauen, bestätigt Florian Holzapfel. Der Sicherheitsgrad sei „so wie beim Skifahren oder Klettern“. Außerdem dürfe man mit den Sportgeräten nicht über Städten fliegen.

Viel strengere Vorschriften gebe es für die gewerblichen Flugtaxis: „Da ist das Sicherheitslevel der Zulassungsvorschriften so hoch wie bei Verkehrsmaschinen.“ Alle ihm bekannten Lufttaxis hätten ein Gesamtrettungssystem – einen Fallschirm, mit dem das Fluggerät im Notfall landen könne.

Sind Flugtaxis nicht zu teuer?

Während Sport-Fluggeräte nur der Unterhaltung dienen, also keinen Transportzweck erfüllen, betrachtet Florian Holzapfel gewerbliche Lufttaxis als sinnvolle Ergänzung der Mobilitätskette. Das heißt: In Zukunft legt man mit dem Lufttaxi keine komplette Reise zurück, sondern eine Teilstrecke – zum Beispiel vom Flughafen in die Innenstadt.

Ein Lufttaxi-Flug vom Münchner Flughafen zum Marienplatz würde beispielsweise zehn Minuten dauern und pro Passagier etwa 100 Euro kosten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Managementberatung Porsche Consulting. Ein herkömmliches Taxi braucht für die Strecke etwa 45 Minuten und kostet knapp 70 Euro.

In großen Metropolen dürfte es für das Angebot durchaus eine Nachfrage geben. Einen Stau in der Luft befürchtet Florian Holzapfel aber nicht: In der Branche rede keiner davon, dass zehn Millionen Lufttaxis gleichzeitig in der Luft herumfliegen würden. Es herrsche zwar „Goldgräber-Stimmung“, doch die Firmen müssten mit den konservativen Regelungen zurechtkommen.

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