Potsdam Höchststrafe für den Kindermörder Silvio S.

Auch gestern verbarg Silvio S. sein Gesicht mit einem Aktenordner.
Auch gestern verbarg Silvio S. sein Gesicht mit einem Aktenordner. © Foto: dpa
Potsdam / CHRISTOF BOCK, DPA 27.07.2016
Silvio S. muss für Missbrauch und die Morde an Elias (6) und Mohamed (4)  sehr lange ins Gefängnis. Mohameds Mutter beschimpfte ihn im Gerichtssaal.

Der Kindermörder Silvio S. (33) ist zur Höchststrafe verurteilt worden. Das Landgericht Potsdam verhängte lebenslange Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Freilassung später erschwert. Für das Gericht steht fest, dass er die Jungen Elias und Mohamed umgebracht hat

Zum Angeklagten sagte der Richter: „Sie haben sie entführt, der Freiheit beraubt, sexuell missbraucht und in der Absicht getötet, ihre Taten zu verdecken.“ Der Missbrauch sei besonders rücksichtslos gewesen. „Sie haben die beiden Kinder im wahrsten Sinne des Wortes ihrer Unschuld beraubt.“

Der Richter sprach in der dreistündigen Urteilsbegründung von „unbegreiflichen“ Straftaten. Die Kammer habe daher eine „äußerst harte Strafe“ verhängen müssen.

Der Wachmann hatte die zwei Kinder missbraucht, weil er zu schüchtern war, etwas mit einer Frau anzufangen, sich aber Nähe und Sex wünschte, stellte das Gericht fest. Es hält Silvio S. nicht für pädophil und folgt damit einem Gerichtspsychiater.

„Was hier stattgefunden hat, war sexuelle Bedürfnisbefriedigung“, sagte der Richter. „Sie haben zwei Jungen als Opfer gewählt, . . . hilflose Kinder, die Ihnen körperlich völlig unterlegen waren. Mit dieser Art der sexuellen Befriedigung sind Sie einfach über Grenzen gegangen.“

Der Wachmann hatte den sechsjährigen Elias laut Urteil im Juli 2015 im Wohnblock seiner Eltern in Potsdam in sein Auto gelockt. Den vierjährigen Mohamed hatte er im Flüchtlingsgedränge vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales im Oktober 2015 angesprochen und mitgenommen.

Mitten in der Urteilsverkündung, während der Tod ihres Kindes geschildert wurde, stand die Mutter von Mohamed auf und ließ sich weinend aus dem Saal führen. Sie schrie Silvio S. entgegen: „Was hast Du mit meinem Kind gemacht!“ Ihr Anwalt sagte, sie habe erstmals alle Einzelheiten gehört.

Der Angeklagte hatte bei der Polizei Entführung, Missbrauch und Tötung von Mohamed zugegeben, zu Elias aber kaum etwas gesagt. Im Mordprozess hatte er zu den Vorwürfen geschwiegen. Zum Schluss erst sagte er, an die Hinterbliebenen gewandt. „Es gibt kein Wort auf der Welt, das beschreiben könnte, wie Leid es mir tut.“

Die Kammer hat auf Sicherungsverwahrung verzichtet, weil Silvio S. kein Hang zu weiteren Straftaten nachzuweisen sei. Er muss 40 000 Euro Schmerzensgeld zahlen, die Mohamed zustünden und seine Eltern nun erben. Das hatte der Anwalt der Nebenklage beantragt.

Der Verteidiger von Silvio S. sagte, sein Mandant sei „berührt“ vom Urteil. Ob er die Entscheidung anfechten werde, stehe noch nicht fest.