Ulm/Neu-Ulm / Moritz Clauß  Uhr
Dutzende Kunden beschweren sich online über verzögerte Paket-Sendungen von Zustellern wie Hermes und DPD. Schuld dürften auch die schlechten Arbeitsbedingungen der Paketboten sein.

Pakete, die viel zu spät, kaputt oder gar nicht ankommen. Darüber beschweren sich in einer lokalen Facebook-Gruppe zahlreiche Nutzer aus Ulm und Neu-Ulm. In den meisten Fällen bezieht sich die Kritik auf zwei Unternehmen: Hermes und DPD.

Auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE melden sich dutzende frustrierte und wütende Leser. Seit mehr als zwei Wochen warte sie auf einen bestellten Laptop, erzählt Carolina Burbuleviciute aus Neu-Ulm. In der Sendungsverfolgung von Hermes stehe, dass sie zweimal nicht angetroffen worden sei. „Ich war an beiden Tagen aber zuhause“, sagt Burbuleviciute. Am Telefon habe Hermes sie an ein Verteilerzentrum verwiesen. „Da war aber nur eine leere Halle.“

Die etwa 900 Euro für ihre Bestellung hat die junge Frau schon im Voraus überwiesen. „Ich gehe davon aus, dass ich den Laptop nie sehen werde“, meint sie. Sie hofft, zumindest ihr Geld zurückzubekommen.

Wenn ein Paket verloren geht, können Betroffene eine Nachforschung beauftragen. Das geht je nach Anbieter unterschiedlich.

Zu wenig Personal

Verena Mangold aus Ulm hat ebenfalls tagelang auf eine verzögerte Lieferung gewartet. Auch bei ihr sagt Hermes, dass niemand angetroffen werden konnte. Dabei sei am betreffenden Tag immer jemand da gewesen. „Mir stinkt das tierisch, da ich mein Päckchen ja nicht umsonst per Express habe versenden lassen“, erklärt Mangold. Auf ihre Nachfrage habe Hermes ihr geschrieben, dass ihr Paket „nicht mehr zur Zustellung bereit“ liege und ihr empfohlen, sich an den Versandhändler zu wenden.

Fast täglich rufen Kunden an, weil sie seit Wochen auf Pakete warten“, bestätigt eine Person, die in einem Hermes-Paketshop arbeitet, ihren Namen aber lieber nicht im Internet lesen möchte, gegenüber der SÜDWEST PRESSE. „Teilweise liegen hier Pakete, von denen die Leute gar nicht wissen.“

Ein möglicher Grund für das Lieferchaos: Nach Informationen unserer Zeitung hat vor wenigen Wochen ein Subunternehmer von Hermes in Neu-Ulm gekündigt. Hermes bestätigt das auf Nachfrage. In Einzelfällen könne es deshalb zu verzögerten Zustellungen kommen.

DPD erklärt wiederum, dass es aufgrund eines Personalmangels „in den vergangenen Tagen vereinzelt zu Verzögerungen bei der Paketzustellung kommen“ konnte.

Kritik an den Arbeitsbedingungen

Handelt es sich also nur um Einzelfälle? Wie groß der Anteil der verspätet oder gar nicht gelieferten Sendungen ist, darauf geben weder Hermes noch DPD eine Antwort. „Aus Wettbewerbsgründen“, wie es bei DPD heißt.

Die Wut mehrerer Kunden richtet sich indes gegen die Paketboten. Die sind jedoch das schwächste Glied in der Kette: Immer wieder werden Pakete erst spät am Abend geliefert, manchmal nach 22 Uhr. Medienberichten zufolge arbeiten Fahrer, die bei Subunternehmen angestellt sind, bis zu 14 Stunden am Tag. Viele bekommen nicht einmal den Mindestlohn.

Verschiedene Paketdienste stehen regelmäßig in der Kritik, weil sie ihre Mitarbeiter ausbeuten sollen. So haben Recherchen des NDR 2017 gezeigt, dass Hermes in manchen Monaten rumänische Paketzusteller für weniger als vier Euro die Stunde beschäftigt hat. Die Mitarbeiter waren nicht direkt bei Hermes angestellt, sondern beim Subunternehmer eines Subunternehmers. Eine im November dieses Jahres veröffentlichte Dokumentation des SWR zeigt, dass viele Fahrer von Paketunternehmen nicht nur miserabel bezahlt werden, sondern auch unter prekären Umständen leben.

Youtube

Aufgrund des hohen Zeitdrucks scheinen einige Paketboten Päckchen einfach vor der Tür oder in der Nähe des Zustellorts abzulegen. Auch dann, wenn Kunden keinen Wunschablageort angegeben haben. Laut den Paketdiensten dürfen die Boten das nicht. Viele scheinen den hohen Arbeitsaufwand aber gar nicht anders stemmen zu können.

DPD erklärt auf Nachfrage, man bekenne sich „unmissverständlich zu fairen Arbeitsbedingungen.“ Ähnlich äußert sich Hermes: „Die Einhaltung aller gesetzlichen Bestimmungen zu Arbeitsbedingungen, Arbeits- und Ruhezeiten sowie zum Mindestlohn haben für uns höchste Priorität.“ Viele Paketboten dürften das anders sehen.

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