Das Ölembargo könnte von der EU noch in dieser Woche beschlossen werden. Dann dürften die EU-Länder irgendwann in diesem Jahr kein Öl mehr aus Russland kaufen – was ziemlich sicher zu steigenden Ölpreisen führen wird. Das sorgt für Unsicherheit. Wer nächsten Winter mit Öl heizen will, überlegt daher jetzt schon, wann 2022 der beste Zeitpunkt zum Auftanken ist.
  • Heizölpreise Prognose: So könnten sie sich 2022 entwickeln
  • Sollte man jetzt Heizöl kaufen? Oder doch noch abwarten?
  • Sollte man jetzt für den nächsten Winter volltanken?

Heizölpreise aktuell: Das ist die Prognose für 2022

Die Heizölpreise in Deutschland sind so hoch wie lange nicht mehr. Im Vergleich zu März 2021 sind die Preise für Heizöl im März 2022 um 144 Prozent gestiegen. Doch haben die Preise auch wieder etwas nachgelassen. Anfang Mai 2022 lag der Heizölpreis bei 138,10 Euro pro 100 Liter. 2021 lag der Preis im gleichen Zeitraum bei 52,1 Euro pro 100 Liter.
Experten gehen aber davon aus, dass die Heizölpreise im Laufe des Jahres weiter steigen werden. Wie das Ölmarktportal „Tecson.de“ schreibt, müssen Verbraucher 2022 und 2023 mit „sehr hohen Strom-, Gas-, und Ölpreisen“ rechnen. Auch andere Portale gehen davon aus, dass die Preise entweder auf sehr hohem Niveau bleiben, oder noch weiter steigen. „Fastenergy.de“ schreibt, dass „nur ein überraschendes Kriegsende dem entgegenwirken“ könnte.

Heizöl kaufen oder noch warten: Wann sollten man den Tank auffüllen?

Das kurzfristige Umsteigen auf einen anderen Energieträger ist natürlich für die meisten Menschen unmöglich. Wer aktuell Öl zum Heizen nutzt, wird das aller Voraussicht nach auch im Winter 2022 noch tun. Für diese Menschen ist die Frage danach, wann man denn den Tank wieder auffüllen sollte, in diesem Jahr schwieriger als zuvor. Die Preise sind aktuell überdimensional hoch, viele hegen daher die Hoffnung, dass sie wieder sinken könnten und dann ein Schnäppchen gemacht werden kann.
Wie oben bereits beschrieben: Das gilt Experten zufolge als unwahrscheinlich. Die EU will in dieser Woche ein Ölembargo beschließen, was die Ölpreise auch kurzfristig nur in die Höhe schießen lassen wird. Tecson schreibt in ihrer Empfehlung: „Wir raten sehr zum voll gefüllten Heizöltank. "Je früher desto besser" heißt in diesem Fall "besser gestern als morgen". Das gilt ganz besonders für Berlin und die östlichen Landes­teile von Bran­denburg und Mecklenburg-Vorpommern, die von der PCK-Raffi­nerie in Schwedt versorgt werden. Der Preisabstand vergrößert sich.“ In Schwedt/Oder in der Uckermark endet die Erdölpipeline „Druschba“ (Freundschaft) mit Öl aus Russland, das in der Raffinerie PCK verarbeitet wird. Die Raffinerie ist mehrheitlich in den Händen des russischen Staatskonzerns Rosneft, der seinen Anteil im vergangenen Jahr ausgeweitet hat, was aber noch geprüft wird.
Auch Fastenergy bekräftigt, dass ein Nachfüllen für den kommenden Winter jetzt sinnvoll ist. Natürlich könnten die Preise auch wieder sinken, das ist nicht hundertprozentig vorhersehbar, so das Portal. „Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario ist aus heutiger Sicht aber eher gering.“

Heizöl in Ostdeutschland und Berlin: Sorge um Knappheit

Wie oben bereits beschrieben sollen besonders Menschen, die von der Raffinerie in Schwedt versorgt werden, ihren Heizöltank jetzt auffüllen. Das gilt also besonders für Menschen in Ostdeutschland und Berlin. Nach eigenen Angaben versorgt die PCK Schwedt zu 90 Prozent Berlin und Brandenburg mit Benzin, Kerosin, Diesel und Heizöl. Aus diesem Grund wird ein Ölembargo besonders den Osten des Landes hart treffen. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat sogar vor einer Knappheit von Benzin und Heizöl in der Region gewarnt.

Ölembargo der EU soll kommen: Alternativen zu Öl und Gas gesucht

Seitdem die Energiepreise so massiv ansteigen fragen sich immer mehr Menschen, welche Alternativen es zum Öl und Gas gibt. Das ist auch in Sachen Klimaschutz eine gute Sache, die aktuell auch von der Regierung gefördert wird. Zu den Optionen gehören unter anderem Wärmepumpen, Infrarotheizungen oder Holzheizungen. Noch weitere Infos zum Heizen ohne Öl und Gas gibt es hier:

Heizölpreise aktuell: Gibt es eine höhere Nachfrage?

Die Aussicht auf ein Embargo für russisches Öl lässt viele Hausbesitzer laut der Vermittlungsplattform HeizOel24 noch einmal das eigene Lager auffüllen. Man verzeichne ein stark erhöhtes Bestellaufkommen, sagte Geschäftsführer Oliver Klapschus der Deutschen Presse-Agentur. „Die Kaufaktivität der Kunden auf der Plattform liegt in etwa viermal so hoch wie im Jahresdurchschnitt und fünf- bis sechsmal so hoch wie in einem „normalen“ Mai.“
Während viele Kunden im März und April noch die eher kleine Menge von 1000 Litern Heizöl bestellt hätten, werde nun auch häufiger wieder vollgetankt - obwohl die Preise mit etwa 1,40 Euro pro Liter hoch seien. „Ordermengen zwischen 2000 und 4000 Litern, die den kompletten Jahresbedarf eines Einfamilienhauses abdecken, liegen in der Verbrauchergunst vorn“, sagte Klapschus.
Normalerweise bestellten die Haushalte im Mai nur wenig Heizöl. Dieses Jahr sei das komplett anders. „Viele Tanks in den Privathaushalten sind mehr oder weniger leer, was die Nachfrage im gesamten Sommerhalbjahr hoch halten dürfte.“
Einen gänzlich anderen Eindruck hat indes der Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen (Uniti). „Aktuell beobachten wir keine gesteigerte bzw. ungewöhnliche Nachfrage nach Heizöl“, teilte ein Sprecher mit. Das sei im Februar und im März unmittelbar nach dem russischen Überfall auf die Ukraine noch anders gewesen. „Möglicherweise sind viele Tanks bei den Kunden aus dieser Zeit noch gut gefüllt, was ein Grund für die derzeit recht ruhige Nachfrage darstellen könnte“, hieß es. Der Verband hat einige Mitgliedsfirmen befragt, während sich HeizOel24 auf Plattformdaten stützt.
Wie sich der Ölpreis entwickeln wird, ist unklar. „Es ist eher unwahrscheinlich, dass derartige umfassende Änderungen in Raffinerien und in der Logistik keine Auswirkungen auf die Preise an den Tankstellen haben“, teilte der Wirtschaftsverband Fuels and Energy mit. Die Markt- und Preisentwicklung hänge aber von einer Vielzahl von Faktoren ab. „Dazu zählen politische Entscheidungen ebenso wie Ölpreis, Dollarkurs, Logistikkosten, Beschlüsse der großen Ölförderländer sowie das Verbraucherverhalten.“
Die Versorgungslage sieht Uniti allerdings nicht gefährdet. „Insgesamt haben wir bei Heizöl in Deutschland gute Speicherkapazitäten in gewerblichen Tanklagern“, teilte der Verband mit. Während Erdgas in Deutschland nur durch Pipelines angeliefert werden kann, gebe es für Öl zudem weitere Transportwege für Importe.