Kampfhund-Attacke Staffordshire beißt vermutlich Mutter und Sohn tot

Eingang eines Mehrfamilienhauses im Stadtteil Groß-Buchholz. Hier soll ein Hund zwei Menschen getötet haben. Foto: Peter Steffen
Eingang eines Mehrfamilienhauses im Stadtteil Groß-Buchholz. Hier soll ein Hund zwei Menschen getötet haben. Foto: Peter Steffen © Foto: Peter Steffen
Hannover / DPA 04.04.2018

Tragödie in Hannover: Ein Kampfhund hat in einer Wohnung in der niedersächsischen Landeshauptstadt vermutlich seine Besitzer totgebissen – eine Mutter und ihren Sohn.

Das schrieb die Polizei in Hannover in einer Mitteilung: „Nach ersten Untersuchungen durch einen Rechtsmediziner wurden die 52-Jährige und ihr 27-jähriger Sohn offenbar von dem Hund getötet.“

Hintergründe sind noch unklar

Die Hintergründe der Tragödie sind noch unklar. Ein ähnlicher Fall mit zwei Toten durch eine Hundeattacke ist in den vergangenen Jahren nicht bekannt geworden.

Feuerwehrleute fingen das Tier in der Nacht mit einer Schlinge ein, der Hund wurde in ein Tierheim gebracht. Die Stadt Hannover ist dafür zuständig, nun zu entscheiden, ob der Hund eingeschläfert wird. Bisher gebe es keine Entscheidung, sagte ein Stadtsprecher: „Die Ermittlungen laufen ja noch.“

Tochter des Opfers alarmiert Polizei

Nach Angaben des Tierheims handelt es sich um einen Staffordshire-Terrier-Mischling. Sowohl Staffordshire Bullterrier als auch American Staffordshire Terrier werden von zahlreichen Behörden als Kampfhunde eingestuft, bundesweit einheitliche Regelungen gibt es dazu aber nicht.

Die 25 Jahre alte Tochter der getöteten Frau hatte die Beamten alarmiert, weil sie ihre Mutter und ihren Bruder nicht erreichen konnte. . „Aktuell steht noch nicht fest, wie es zu dem Unglück kommen konnte“, hieß es von den Ermittlern.

Opfer saß im Rollstuhl

Die Mutter saß nach Angaben von Anwohnern im Rollstuhl. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an. „Zurzeit sieht es so aus, als sei diese Tragödie durch Hundebisse zustande gekommen“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Details wie zum Beispiel die Anzahl der Bisse wollte ein Polizeisprecher zunächst nicht nennen.

Dass Hunde Menschen totbeißen, kommt nach Experteneinschätzung sehr selten vor. In den meisten Fällen zeigten Hunde aggressives Verhalten, wenn sie mit sehr viel Druck und Gewalt erzogen worden seien, sagte . Diese Tests werden von den Veterinärämtern angeordnet, wenn ein Hund einen Menschen verletzt hat und deshalb Anzeige erstattet wurde.

Volkan in Hamburg totgebissen

Im Jahr 2000 hatte der tödliche Angriff zweier Kampfhunde auf den sechs Jahre alten Hamburger Jungen Volkan den Anstoß für eine breite Debatte über den Umgang mit gefährlichen Hunden gegeben. Viele Bundesländer verschärften seitdem ihre Regeln.

In Niedersachsen müssen Hundehalter seit einigen Jahren einen Hundeführerschein machen, wenn sie sich ein Tier neu anschaffen. Der sogenannte Sachkunde-Nachweis besteht aus einer theoretischen Prüfung vor Beginn der Hundehaltung und einem Praxistest im ersten Haltungsjahr. Ziel des Führerscheins ist es auch, die Zahl der Attacken von Hunden zu reduzieren.

Etwa 0,1 Prozent aller registrierten Hunde in dem Bundesland werden nach Angaben des Agrarministeriums als gefährlich eingestuft. Für die Haltung solcher Tiere werden bestimmte Auflagen gemacht, etwa permanenter Leinenzwang, das Tragen eines Maulkorbes oder die Vorschrift, dass die Tiere nur in umgrenzten Arealen gehalten werden dürfen.

Keine deutschlandweite Regelung

Eine deutschlandweite Regelung zur Haltung von Kampfhunden gibt es nicht. Welche Rassen als gefährlich gelten, listen die einzelnen Bundesländer auf. Häufig werden Rassen wie Pitbull Terrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrier oder American Staffordshire Terrier als gefährlich eingestuft. Für sie gilt auch ein bundesweites Importverbot.

In Niedersachsen gelten Hunde nur individuell als gefährlich - etwa wenn sie Menschen oder Tiere gebissen haben oder besonders angriffslustig sind. Nach Angaben des Agrarministeriums sind dort landesweit von aktuell knapp 350.000 Hunden im Melderegister etwa 460 Tiere (rund 0,1 Prozent) als gefährlich gekennzeichnet. Für sie wird eine besondere Zulassung für die Haltung benötigt. In der Öffentlichkeit gilt Leinenzwang und Beißkorbpflicht. Jährlich sterben in Deutschland im Schnitt drei bis vier Menschen an Hundebissen oder nach Hundestößen. Das Statistische Bundesamt zählte von 1998 bis 2015 insgesamt 64 Todesopfer.

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