Prominente Hannes Jaenicke: Nashörner bleiben bedroht

Klärt über Bedrohung der Natur auf: Hannes Jaenicke mit einem Ranger und dem Breitmaul-Nashorn „Sultan“.
Klärt über Bedrohung der Natur auf: Hannes Jaenicke mit einem Ranger und dem Breitmaul-Nashorn „Sultan“. © Foto: dpa
Berlin / Cornelia Wystrichowski 16.01.2018
TV-Star Hannes Jaenicke engagiert sich seit Jahren für Tiere. Im Interview spricht er über bedrohte Nashörner und mehr.

Seit zehn Jahren dreht der 57-jährige Schauspieler Hannes Jaenicke viel beachtete Dokumentationen über gefährdete Tierarten wie Orang-Utans, Eisbären oder Haie. In seinem neuen Film „Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Nashörner“ (Dienstag, 22.15 Uhr, ZDF) widmet er sich den Nashörnern in Afrika und Asien, die wegen ihres kostbaren Horns von Wilderern gejagt werden.

Herr Jaenicke, seit zehn Jahren drehen Sie Fernsehdokumentationen über bedrohte Tiere. Wie hat sich Ihr Blick auf den Menschen dadurch geändert?

Hannes Jaenicke:  Wenig. Den meisten Menschen war und ist unser Umgang mit Umwelt und Natur ziemlich egal. Ich versuche mich an die Menschen zu halten, denen das Nest, in dem wir leben, nicht egal ist – und die findet man zum Glück immer.

Ist das Bewusstsein der Menschen für den Schutz von bedrohten Tieren und Lebensräumen in den vergangenen Jahren denn gar nicht gewachsen?

Doch, das glaube ich sehr wohl. Aber Bewusstsein und das Ändern des eigenen Verhaltens scheinen zwei sehr verschiedene Paar Schuhe zu sein. Sonst würde sich das Artensterben nicht immer weiter beschleunigen, und wir hätten zum Beispiel Massentierhaltung und Qualzucht längst abgeschafft. Oder wir wären massenhaft gegen Insektensterben und Glyphosat auf die Straße gegangen, das unser Landwirtschaftsminister Schmidt soeben wieder durchgewunken hat.

Was haben Sie selber mit Ihren Dokumentationen schon bewirkt?

Dass die Umwelt- und Tierschutzorganisationen, die wir featuren und mit denen wir zusammenarbeiten, erstaunliche Spendensummen von den Fernsehzuschauern erhalten. Und dass zum Beispiel im Fall unserer Hai-Doku manche Lebensmittel-Konzerne ihr Hai-Sortiment aus den Regalen geschmissen haben und mit Hilfe unseres Filmmaterials sogar Haischutz-Ge­setze im Pa­zi­fik-Raum durchgesetzt wurden.

Sie werden wegen Ihrer Dokumentationen und Bücher bisweilen als „Gutmensch“ abgestempelt und verspottet. Wie leben Sie damit?

Ich habe weder Zeit noch Lust, mich damit auseinanderzusetzen. Es ist immer einfacher, sich über das Engagement anderer lustig zu machen, als selbst mal etwas in Gang zu setzen und zu bewegen.

In Ihrem neuen Dokumentation aus der Reihe „Im Einsatz für …“ geht es um Nashörner. Sind Nashörner vom Aussterben bedroht?

Ja, und zwar akut. Das Spitzmaul-Nashorn steht direkt vor seiner Ausrottung, beim Breitmaul-Nashorn sieht es derzeit noch ein wenig besser aus – Betonung auf „noch“.

50 000 Euro kostet ein Kilo Nashorn-Horn. Wieso ist das Horn dieser Spezies so begehrt?

Viele Vietnamesen und Chinesen glauben, dass geriebenes Nashorn ein Wundermittel gegen Krebs, Arthritis, Kater oder Impotenz ist. Sie könnten genauso gut ihre Fingernägel kauen, es hätte den gleichen Effekt. Und weil Nashorn so rar geworden ist, ist Nashorn jetzt auch ein Statussymbol und, noch schlimmer, ein Spekulationsobjekt: Je weniger Horn zu haben ist, desto teurer und prestigeträchtiger ist sein Besitz.

Was kann man zum Schutz der Tiere tun?

Wir brauchen ein Trophäenimport-Verbot für bedrohte Tierarten, sodass es für Großwildjäger oder Auslandsjäger, wie sie sich vornehm nennen, uninteressant wird, Nashörner oder Elefanten zu schießen. Das ist weiterhin in vielen Ländern Afrikas erlaubt und ein lukratives Geschäft. Auch sollte man Zirkusse boykottieren, die Wildtiere wie etwa Raubkatzen oder Elefanten abrichten und durch die Manege peitschen. Der Circus Krone besitzt ein Spitzmaulnashorn namens Tsavo, das im Glitzerfummel auftreten muss und in viel zu kleinen Käfigen durch die Gegend gegondelt wird.

Stimmt es, dass sogar Zoos in Deutschland ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöhen müssen, weil Wilderer die Tiere dort umbringen?

Das stimmt. Anfang 2017 wurde in einem Zoo in der Nähe von Paris nachts ein Nashorn geschlachtet und das Horn abgesägt.

Was halten Sie generell von Zoos?

Wenn die Tiere artgerecht gehalten werden können, dann sind Zoos eine großartige Erziehungseinrichtung, vor allem für Kinder. Wo sonst sehen sie einmal Tiere aus der Nähe und entwickeln Neugier und Interesse an ihnen?

Ihre Reihe „Im Einsatz für …“ führt Sie meistens in ferne Länder, es geht um Delfine, Orang-Utans, Haie, Löwen oder Eisbären. Wie ist es um den Schutz von Wildtieren in Deutschland bestellt?

Da machen wir es uns sehr einfach und zeigen große Sympathien für exotische Tierarten, die aussterben. Dass das Rebhuhn und fast alle anderen Vogelarten, Insekten, Feldhasen und so weiter aussterben, findet wenig Beachtung. Knapp ein Drittel der Tierarten hierzulande stirbt genauso aus wie die „signatory species“ in Afrika oder Asien. Und wir erschießen seit Bruno nicht nur Bären, sondern auch Wölfe, die sich gerade mal wieder vorsichtig in Deutschland ansiedeln.

Sie leben einen Teil des Jahres in den USA. Inwieweit wirft Donald Trump Ihrer Einschätzung nach den Umweltschutz zurück?

Der Mann ist eine einzige Katastrophe, nicht nur was den Umweltschutz betrifft. Man kann nur hoffen, dass Staaten wie Kalifornien, Oregon oder Washington weiterhin ihr eigenes grünes Ding machen und sich von dieser peinlichen Präsidenten-Karikatur nicht dabei stören lassen.

Info: Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Nashörner. Dienstag, 16.1., 22.15 Uhr, ZDF

Schauspieler und Aktivist

Hannes Jaenicke kam 1960 in Frankfurt am Main zur Welt, er verbrachte einen Teil seiner Kindheit in den USA und absolvierte in Wien seine Schauspielausbildung. Seit seinem Debüt im Thriller „Abwärts“ (1984) an der Seite von Götz George ist Jaenicke regelmäßig in Komödien, Dramen und Actionstreifen zu sehen. Seit 2008 zeigt das ZDF seine Dokus über bedrohte Tierarten. Er hat auch schon mehrere Bücher über Umwelt- und Verbraucherschutz veröffentlicht. Der Schauspieler, der dieser Tage für eine neue ARD-Krimireihe als Undercover-Ermittler in Amsterdam vor der Kamera steht, lebt in der Nähe von Los Angeles und am Ammersee unweit von München. ski