Mit einer Gedenkveranstaltung erinnert Hanau am Freitag (18.00 Uhr) an die Opfer des rassistischen Anschlags mit neun Toten vor einem Jahr. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält bei der Veranstaltung mit 50 geladenen Gästen, zu der auch der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) erwartet werden, eine Gedenkrede.

Ein Jahr nach dem Attentat von Hanau: Steinmeier will Zeichen gegen Rassismus setzen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will in der Stadt den Angehörigen sein Mitgefühl aussprechen und ein Zeichen gegen Rassismus und Rechtsextremismus setzen.
Für die beiden Amtssitze des Bundespräsidenten - Schloss Bellevue in Berlin und die Villa Hammerschmidt in Bonn - wurde für diesen Freitag Trauerbeflaggung angeordnet. Im Gedenken an die bei dem Anschlag Verstorbenen sollen die Flaggen auf halbmast gesetzt werden. Nach Angaben des Bundespräsidialamts hat Steinmeier zudem an die Familien der Opfer Anfang dieser Woche persönliche Briefe geschrieben.
Der Bundespräsident war unmittelbar nach dem Anschlag nach Hanau gekommen, hatte sich dort mit den Angehörigen der Opfer getroffen und am Abend auf dem Marktplatz zu den Bürgern der Stadt gesprochen. Bei der zentralen Trauerfeier am 4. März vergangenen Jahres hielt er die Trauerrede. Für den 23. September hatte Steinmeier alle Angehörigen der Opfer ins Schloss Bellevue eingeladen. Er traf sich dabei mit jeder Familie zu einem persönlichen Gespräch. Auch Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat für alle öffentlichen Gebäude und Dienststellen des Landes für den Freitag eine landesweite Trauerbeflaggung angeordnet.

Aktionen, Videoansprachen, Filme: So ist die Gedenkfeier in Hanau nach dem Attentat geplant

Am Gedenktag sind viele Aktionen gegen Rassismus in Hanau geplant, an denen sich unter anderem Vereine, Unternehmen, Schulen und Religionsgemeinschaften beteiligen. Bei der Gedenkveranstaltung sind neben einem kurzen Film, der sich den Ereignissen des 19. Februar 2020 widmet, auch persönliche Videoansprachen der Opferfamilien geplant. Symbolisch und in Erinnerung an jedes der neun Opfer werde eine frei stehende und beleuchtete Namenssäule auf der Bühne stehen, wie Kaminsky und Bouffier angekündigt hatten. Zum Ende der Gedenkfeier sollen um 19.02 Uhr alle Kirchenglocken in der Stadt und im Hanauer Umland läuten. Auch zahlreiche weitere Aktionen und Demonstrationen sind geplant, darunter eine Kranzniederlegung und ein „Antifaschistischer Stadtrundgang“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes Südosthessen, mehrere Mahnwachen und Friedensgebete in Hanauer Kirchen. Bereits am Donnerstagabend hatten knapp 3000 Menschen mit einer Demonstration durch die Frankfurter Innenstadt an die Opfer des Anschlags erinnert. In Sprechchören riefen Demonstranten immer wieder „Hanau war kein Einzelfall“.

Attentat von Hanau: Das passierte am 19.02.2020

Der 43-jährige Deutsche Tobias R. hatte am Abend des 19. Februar 2020 neun Menschen mit ausländischen Wurzeln an mehreren Orten in der Stadt im Rhein-Main-Gebiet erschossen, bevor er mutmaßlich seine Mutter und schließlich sich selbst tötete. Zuvor hatte er Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht. Die Tat hatte Entsetzen in ganz Deutschland ausgelöst. Zahlreiche Organisationen und Personen aus Politik, Kultur und öffentlichem Leben hatten den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl bekundet und ein konsequentes Handeln gegen Rechts gefordert.