Berlin Guter Thommy, böser Dieter

Ein einfühlsamer Thommy, eine strahlende Michelle, ein garstiger Dieter: So präsentiert sich die Gottschalk-Hunziker-Bohlen-Jury von "Das Supertalent". Foto: dpa
Ein einfühlsamer Thommy, eine strahlende Michelle, ein garstiger Dieter: So präsentiert sich die Gottschalk-Hunziker-Bohlen-Jury von "Das Supertalent". Foto: dpa
Berlin / MARTIN WEBER 14.09.2012
Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen Seit an Seit beim "Supertalent": Das können Fernsehzuschauer auf RTL morgen erstmals erleben. Und auch, wer da in der Jury wem die Schau stiehlt.

Früher hat er über die RTL-Samstagabendshows geschimpft und gespöttelt, jetzt macht er selber bei einer mit: Thomas Gottschalk feiert morgen sein Debüt als Juror von "Das Supertalent" - und das an der Seite von Chefjuror Dieter Bohlen, der für Gottschalk jahrelang die Personifizierung des Krawallfernsehens war. Immer samstags wird der 62-jährige Ex-Moderator von "Wetten, dass . . ?" mal mehr, mal weniger gelungene Auftritte großer und kleiner Talente kommentieren.

Bei Aufzeichnungen der Sendungen in Berlin zeigte sich, dass der vier Jahre jüngere Bohlen wie immer den vor keiner Zote zurückschreckenden bösen Dieter gibt, der bei misslungenen Auftritten von Kandidaten vor Häme keineswegs zurückschreckt.

Gottschalk dagegen spielt gerne mal die Rolle des verständnisvollen Thommy, der bei aller Kritik auch für eher unfähige Kandidaten noch ein gutes Wort übrig hat und bei Bedarf schon mal Gummibärchen ins Publikum wirft - ganz der nette Show-Onkel. Die Rollenverteilung scheint klar zu sein: Bohlen behält die Lufthoheit, Gottschalk spielt nur die zweite Geige, das dritte Jury-Mitglied Michelle Hunziker sieht vor allem gut aus.

Dass Thomas Gottschalk nach dem Quotendesaster mit seiner schon nach kurzer Zeit wieder abgesetzten ARD-Vorabendshow "Gottschalk Live" ausgerechnet bei RTL anheuern würde, war in der TV-Branche die Sensation des Jahres. War es doch Gottschalk, der früher als Moderator des ZDF-Klassikers "Wetten, dass. .?" die samstagabendlichen Duelle mit RTL gerne mal zu einer Art Kulturkampf hochstilisiert hatte - hier das gute Fernsehen im Zweiten, dort das schlechte mit dem Rabauken Bohlen von "Deutschland sucht den Superstar" oder "Das Supertalent" bei RTL.

Jetzt bewertet Gottschalk im "Supertalent" gemeinsam mit Bohlen die Auftritte von Dutzenden Freizeitartisten, Hobbykünstlern, Tiertrainern und anderen Menschen, die etwas Besonderes können oder zumindest glauben, dass sie das tun - gezeigt werden zunächst elf aufgezeichnete Ausgaben, danach folgen drei Liveshows, in denen der mit 100000 Euro belohnte Sieger gekürt wird. Moderiert wird das Spektakel von RTL-Allzweckwaffe Daniel Hartwich ("Lets Dance"), der den Auftritt Gottschalks bei einer Aufzeichnung mit den Worten ankündigte: "Wenn der gleich rauskommt, nicht so laut jubeln - der ist so viele Zuschauer gar nicht mehr gewohnt."

Doch über zu viel Jubel brauchte sich der Entertainer sowieso nicht zu beklagen, denn die meiste Begeisterung des Studiopublikums erntet sowieso Dieter Bohlen. Zwar versucht sich auch Gottschalk an dem ein oder anderen frechen Spruch - so empfahl er bei einer Aufzeichnung einer korpulenten Möchtegern-Sängerin mehr zu üben und weniger Kuchen zu essen -, doch im Vergleich mit Bohlen bleibt er weitgehend blass. Vom einstigen Strahlemann des deutschen Fernsehens, der am 6. Oktober erstmals seiner alten Show "Wetten, dass . .?" mit deren neuem Moderator Markus Lanz direkt Konkurrenz macht, ist nicht mehr viel zu sehen.

Ob sich RTL mit der Verpflichtung Gottschalks einen Gefallen getan hat, wird sich weisen. Bei den Einschaltquoten musste "Das Supertalent" im vergangenen Jahr bereits Federn lassen, sie sanken im Vergleich zu 2010 um rund 1,3 Millionen auf knapp 6,7 Millionen Zuschauer im Schnitt.