Deutschland und die Welt kämpft mit der Trockenheit, im September soll das Benzin wieder teurer werden, ... auch in dieser Woche gab es viele Meldungen, die keinen Jubel auslösen. Daher haben wir uns umgeschaut nach den guten Nachrichten in diesen Tagen. Denn es gibt sie:

Kanada beruft erstmals indigene Richterin an Obersten Gerichtshof

Kanada hat erstmals eine Vertreterin der indigenen Bevölkerung als Richterin an den Obersten Gerichtshof berufen. Michelle O'Bonsawin steuere "unschätzbare Kenntnisse und Beiträge" für das höchste Gericht des Landes bei, sagte Premierminister Justin Trudeau am Freitag. Ihre Nominierung sei das Ergebnis eines "offenen, unparteiischen Auswahlverfahrens". Es handelt sich um eine Premiere in einem Land, das sich um Wiedergutmachung für die Misshandlung von Ureinwohnern bemüht.
O'Bonsawin, Angehörige der Abenaki aus Odanak im Bundesstaat Québec, gehörte seit 2017 dem Obersten Gerichtshof im Bundesstaat Ontario an und ist auf Gesundheitsthemen und Menschenrechte spezialisiert. Ihr neues Amt wird sie noch diesen Monat antreten.
Michelle O'Bonsawin ist die erste indigende Richterin am Obersten Gerichtshof von Kanada.
Michelle O'Bonsawin ist die erste indigende Richterin am Obersten Gerichtshof von Kanada.
© Foto: AFP PHOTO / FACULTY OF LAW / UNIVERSITY OF OTTAWA
Als Angehörige der First Nations sei ihr bewusst geworden, "dass es engagierte Menschen braucht, die denjenigen eine starke Stimme verleihen, die nicht für sich selber sprechen können", erklärte die Richterin in einem Bewerbungsbogen, der von der Regierung veröffentlicht wurde.
Kanada hat in den vergangenen Jahren versucht, ein dunkles Kapitel seiner Vergangenheit aufzuarbeiten: Zwischen Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts hatte die Regierung etwa 150.000 indigene Kinder in Internate geschickt, die zum großen Teil von der katholischen Kirche betrieben wurden. Sie wurden von ihren Familien, ihrer Sprache und ihrer Kultur abgeschnitten. Viele von ihnen wurden körperlich und sexuell misshandelt.

Grünes Wundergas: Öko-Wasserstoff soll fossiles Zeitalter beenden

Wunderstoff Wasserstoff: Kein anderes Element soll auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045 eine so große Rolle spielen wie „Hydrogenium“, in chemischen Formeln schlicht „H“. Voraussetzung: Er wird „grün“ hergestellt, also klimaneutral mit Ökostrom. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und der kanadische Energieminister Jonathan Wilkinson unterzeichneten am Dienstag (Ortszeit) im kanadischen Stephenville ein Abkommen, das zum Export von Wasserstoff von Kanada nach Deutschland ab dem Jahr 2025 führen soll. Habeck bezeichnete die Einigung als Meilenstein.
Wasserstoff gilt als entscheidender Baustein im künftigen klimaneutralen Energiemix. Er soll Lücken schließen, weil nicht alles mit elektrischer Energie betrieben werden kann. „Es gibt so viele Dinge in unserem Energiesystem, im Verkehr, beim Heizen und in industriellen Prozessen, die wir direkt elektrifizieren können. Und wo immer wir etwas direkt elektrifizieren können, müssen wir das tun“, sagt etwa der Chef des europäischen Windkraftverbandes Windeurope, Giles Dickson. „Aber wir können nicht alles direkt elektrifizieren.“ Dort komme Wasserstoff ins Spiel, „für Teile der Schwerindustrie, für Teile des Schwerlastverkehrs, die wir durch Wasserstoff dekarbonisieren müssen“.
In der Stahlindustrie etwa soll der Stoff eine zentrale Funktion übernehmen: Wo bei der Herstellung von Roheisen bislang Kohlenstoff dem Eisenerz den Sauerstoff entzieht, soll künftig Wasserstoff ran. Abfallprodukt ist dann nicht mehr klimaschädliches CO2, sondern Wasser. Die Umstellung der Verfahren ist sehr teuer, kann aber eine große Wirkung entfalten: Die Stahlindustrie in Deutschland ist nach eigenen Angaben für rund 30 Prozent des industriellen CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Wickeltische für Männer in Ulm

In der Ulmer Innenstadt findet man Wickel-Mobiliar oft gar nicht, oder nur auf dem Frauenklo. Wir haben die Väter unter euch letzte Woche nach Tipps für gute Wickelplätze in der City gefragt. Und siehe da: Ein paar Läden bieten sogar Wickeltische außerhalb der Toiletten an. So können Mütter und Vater die Wickelmöglichkeit nutzen, ohne in die Toilette des jeweils anderen Geschlechts gehen zu müssen.

Singapur entkriminalisiert Homosexualität

In Singapur soll einvernehmlicher Geschlechtsverkehr zwischen Männern nicht länger strafbar sein. Die Regierung des Inselstaats werde ein Gesetz aus der Kolonialzeit aufheben, das Sex zwischen Männern unter Strafe stelle, sagte Premier Lee Hsien Loong am Sonntag in einer Fernsehansprache. Einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen seien eine Privatangelegenheit. „Es ist nicht gerechtfertigt, Menschen dafür strafrechtlich zu verfolgen oder zu verurteilen“, sagte er weiter.
Bislang sieht der in der britischen Kolonialherrschaft eingeführte Paragraph 377A für „Akte grober Unanständigkeit“ zwischen Männern eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren vor. In der Praxis wird er jedoch nicht aktiv durchgesetzt.
Eine Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen sei jedoch nicht geplant, sagte Lee. „Singapur ist eine traditionelle Gesellschaft mit konservativen Werten“, hieß es in der Ansprache. Nach Ansicht der Regierung sollten Ehen zwischen Frauen und Männern geschlossen werden und Kinder in „traditionellen Familien“ aufwachsen.

Spanien verschärft sein Sexualstrafrecht mit "Nur-Ja-heißt-Ja"-Gesetz

Sex ohne ausdrückliche Zustimmung wird von spanischen Gerichten künftig grundsätzlich als Vergewaltigung eingestuft. Das Parlament in Madrid verabschiedete am Donnerstag eine als "Nur-Ja-heißt-Ja"-Gesetz bezeichnete Neuregelung mit 205 Stimmen. 141 Abgeordnete lehnten die Reform ab, die Vergewaltigung als "Sex ohne eindeutige Zustimmung" definiert. Keine Frau werde künftig mehr "beweisen müssen, dass Gewalt oder Einschüchterung im Spiel waren", damit ein sexueller Angriff als solcher eingestuft werde, sagte Gleichstellungsministerin Irene Montero.
Sex ohne ausdrückliche Zustimmung wird von spanischen Gerichten künftig grundsätzlich als Vergewaltigung eingestuft. Das Parlament in Madrid verabschiedete am Donnerstag eine als "Nur-Ja-heißt-Ja"-Gesetz bezeichnete Neuregelung mit 205 Stimmen.
Sex ohne ausdrückliche Zustimmung wird von spanischen Gerichten künftig grundsätzlich als Vergewaltigung eingestuft. Das Parlament in Madrid verabschiedete am Donnerstag eine als "Nur-Ja-heißt-Ja"-Gesetz bezeichnete Neuregelung mit 205 Stimmen.
© Foto: GABRIEL BOUYS / AFP
Die erste Lesung des "Nur-Ja-heißt-Ja"-Gesetzes hatte im Mai stattgefunden. "Zustimmung wird nur anerkannt, wenn eine Person diese aus freien Stücken durch Handlungen demonstriert hat, die im Kontext der Umstände des Falls klar den Willen der Person ausdrücken", heißt es darin. "Endlich erkennt unser Land rechtlich an, dass Zustimmung im Zentrum all unserer Beziehungen stehen muss", hob Gleichstellungsministerin Montero hervor.
Die Reform verschärft auch die Regeln für Belästigung auf der Straße, erweitert den Sexualunterricht in Schulen und stärkt den Schutz sowie die Entschädigung der Opfer sexueller Gewalt. Marisa Soleto, Leiterin der Stiftung Mujeres (Frauen), sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie hoffe, das Gesetz werde "eine Verhaltensänderung in Spanien und darüber hinaus bewirken".
Spanien gilt als Vorreiter im Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen. Bereits 2004 hatte das Land das erste Gesetz in Europa verabschiedet, das sich speziell gegen häusliche Gewalt richtet.