Tipps vom Experten Gut schlafen bei Hitze: Das rät der Schlafmediziner

Dünn zudecken, am besten mit einem angefeuchteten Laken, das bringt Kühlung.
Dünn zudecken, am besten mit einem angefeuchteten Laken, das bringt Kühlung. © Foto: Antonio Guillem/Shutterstock.com
Ulm / Amrei Groß 07.08.2018
Die gegenwärtige Hitzewelle bringt unzählige Menschen um den Schlaf. Der Ulmer Schlafmediziner Jörg Lindemann hat die vielen Tipps für gute Nachtruhe im Netz gesichtet. Hier sind seine Top 6.

Am Dienstag wird es noch einmal richtig heiß: Meteorologen prognostizieren bundesweit Temperaturen von bis zu 39 Grad. Bevor gegen Ende der Woche eine leichte Abkühlung in Sicht ist, heißt es also weiter schwitzen – auch bei Nacht. Kein Wunder, dass es im weltweiten Netz nur so von Ein- und Durchschlaftipps wimmelt. „Die meisten da­von sind soweit okay“, sagt Prof. Dr. Jörg Lindemann, Oberarzt und Leiter des Schlaflabors am Ulmer Universitätsklinikum.

Gut lüften

Der aus Sicht des Arztes wichtigste Tipp: Vor dem Schlafengehen für frische, kühle Luft im Raum sorgen. „Wer die Möglichkeit hat, sollte am Abend querlüften“, sagt Lindemann. Ideal sei ein Durchzug von der einen zur anderen Seite der Wohnung – etwa durch gleichzeitig geöffnete Fenster oder Türen. „Arbeiten Sie mit einem Thermometer, das die Innen- und die Außentemperatur anzeigt“, rät er. Sei es draußen wärmer als drinnen, sollten die Fenster geschlossen bleiben. Tagsüber helfen Rollläden oder Jalousien, die größte Hitze auszusperren. Besteht keine Möglichkeit, von außen zu verdunkeln, können von außen auf die Fenster geklebte Rettungsdecken für kühlere Räume sorgen.

Warm duschen

Auch wenn es nach einem heißen Tag mit durchschwitzter Kleidung verlockend erscheint: Eine eiskalte Dusche vor dem Schlafen schadet mehr, als sie nützt. Da das kalte Wasser die Blutgefäße verengt, kann der Körper die gespeicherte Wärme schlechter abgeben. Lindemann rät stattdessen zu einer lauwarmen Dusche am Abend. Sie öffne die Poren und ermögliche es dem Körper so, überschüssige Wärme abzugeben. Sehr angenehm sei es, sich nach dem Duschen nicht komplett abzutrocknen, sondern mit leicht feuchter Haut in die Schlafbekleidung zu schlüpfen: „Das sorgt für einen zusätzlichen Kühleffekt.“

Viel trinken

Trinken, trinken, trinken: Diesem viel genannten Ratschlag kann sich auch Lindemann nur anschließen. Statt eiskalten Durstlöschern empfiehlt er lauwarme Getränke; am besten sei es, bereits über den Tag verteilt ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Zimmerwarmes Wasser mit Zitrone, Tees und verdünnte Saftschorle sind ideal. Alkohol hilft zwar vielen beim Einschlafen, bewirkt jedoch einen unruhigen Schlaf.

Dünn zudecken

Auf eine richtige Bettdecke kann man aus Sicht des Schlafmediziners derzeit verzichten. Ein einfaches Laken oder ein leerer Bettbezug aus Leinen oder feiner Naturseide reichen völlig. Auch die Nachtwäsche sollte aus leichtem Material sein. Vom Tipp, Kleidung oder Decken tagsüber ins Eisfach zu legen, hält Lindemann wenig: „Das kann man zwar machen“, sagt er. Der Aufwand sei jedoch aus seiner Sicht zu groß. Wirkungsvoller und einfacher ist ein leichtes Anfeuchten des Bettlakens mit Wasser aus einem feinen Zerstäuber. Durch die Verdunstung entzieht es der Umgebung Wärme. Außerdem wichtig: „Viele Matratzen haben eine Sommer- und eine Winterseite.“ Wer die Schlaf­unterlage entsprechend der Jahreszeit wendet, schafft sich zusätzliche Erleichterung.

Spät schlafen

Früh ins Bett und früh heraus? „Wir müssen uns angewöhnen, mehr mit dem Wetter zu leben“, sagt Lindemann. Da es jetzt im Sommer draußen lange hell ist, empfiehlt er, später als sonst ins Bett zu gehen. „Das gilt auch für Kinder.“ Der Wechsel von hell zu dunkel sei für gutes Einschlafen zentral: „Mit der Dunkelheit schüttet der Körper größere Mengen des Schlafhormons Melatonin aus“, erklärt Lindemann. Dieses steuere den Schlaf-Wach-Rhythmus und mache müde. Wer unter Schlafproblemen leidet und früh zu Bett muss, sollte daher sein Schlafzimmer verdunkeln – und auf ein Nickerchen am Nachmittag verzichten. „Das ist sonst ein Teufelskreis.“ Der Betroffene könne nicht einschlafen, wache gerädert auf, entscheide sich mittags erschöpft für einen kurzen Schlaf und finde dann abends wieder nicht zur Ruhe.

Sportlich betätigen

Bewegung in Maßen ist schlaffördernd, zum Beispiel ein Spaziergang vor dem Schlafengehen. Derzeit rät Lindemann auch zu Aktivität im Wasser: „Abends eine halbe Stunde mit der Familie schwimmen zu gehen wirkt Wunder.“

Zur Person

Der Schlafmediziner Prof. Dr. Jörg Lindemann ist Oberarzt, Leiter des Schlaflabors, Lehrbeauftragter und Mitglied des Fakultätsrates der Medizinischen Fakultät der Universitätsklinik Ulm. Nach seinem Medizinstudium an der Ruhe-Universität Bochum kam er bereits im Jahr 1997 als Arzt im Praktikum nach Ulm. Lindemann ist Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und seit 2010 Professor. Er ist unter anderem Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Schlafmedizin sowie Prüfer und Mitglied des Weiterbildungsausschusses der Ärztekammer Südwürttemberg. agr

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel