Krimi Gut neun Millionen Zuschauer beim RAF-„Tatort“ - Konkurrenz weit weg

Regisseur Dominik Graf (Mitte) mit den „Tatort“-Schauspielern Richy Müller (links) und Felix Klare.
Regisseur Dominik Graf (Mitte) mit den „Tatort“-Schauspielern Richy Müller (links) und Felix Klare. © Foto: dpa
Berlin / dpa 17.10.2017

Der Stuttgarter RAF-„Tatort: Der rote Schatten“ ist auf großes Interesse gestoßen. 9,27 Millionen Menschen sahen ihn (Quote: 27,2 Prozent). Der RAF-Experte und Journalist Stefan Aust kritisierte, die Todesnacht von Stammheim sei falsch dargestellt worden, das sei RAF-Propaganda.

Der Regisseur Dominik Graf hatte die Frage offen gelassen, ob die Terroristen der „Roten Armee Fraktion“ (RAF) sich 1977 im Gefängnis das Leben nahmen oder ermordet wurden. Aust dazu: „Es gibt keine ernstzunehmenden Zweifel daran, dass es Selbstmord war.“ Der kommissarische SWR-Filmchef Manfred Hattendorf verteidigte Graf. „In der Form spannender Krimiunterhaltung bezieht der Tatort Position, ohne sich für eine Deutungsvariante zu entscheiden.“

Die Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) mussten in dem „Tatort“ den Mord an einer Frau in der Badewanne klären. Die Spur führte sie in die Zeit des RAF-Terrors zurück. Am 18. Oktober 1977 hatten die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis Stuttgart-Stammheim Selbstmord begangen. Zuvor hat die RAF den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer entführt, um deren Freilassung zu erwirken.

Aust sagte der „Bild“-Zeitung, der Tod der RAF-Terroristen werden im „Tatort“ in zwei Versionen inszeniert, auch als Mord durch eine geheime Truppe. „Das wird bei den Zuschauern hängen bleiben“, kritisierte Aust, der Autor des Buches „Der Baader-Meinhof-Komplex“. „Ich halte das für sehr problematisch. Das ist RAF-Propaganda.“

Nicht alles im „Tatort“ ist Aust zufolge völlig aus der Luft gegriffen – etwa die Darstellung, dass die Terroristen in der Zelle abgehört wurden. „Es gibt eine Reihe neuer Beweise dafür, dass die Gegangenen Baader, Ensslin, Raspe und Möller während der Schleyer-Entführung tatsächlich abgehört wurden.“

Graf wirft dem Staat mangelnde Aufarbeitung der RAF-Zeit vor. „Viel zu viel Schlamperei und Vertuschung der staatlichen Behörden wurde und wird bei uns nach wie vor unter den Teppich gekehrt.“