Fast 50 Jahre nach der Vorhersage des Higgs-Teilchens geht der Physik-Nobelpreis in diesem Jahr an den Briten Peter Higgs (84) und den Belgier François Englert (80). Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften gestern in Stockholm mit. "Das ist ein Triumph, nicht nur für Higgs und Englert, sondern auch für die Teilchenphysik", sagte Gunnar Ingelman von der Königlich-Schwedischen Wissenschaftsakademie.

Die höchste Auszeichnung für Physiker ist mit umgerechnet 920 000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Die Top-Favoriten des Jahres machten somit das Rennen. "Der Preis wird in diesem Jahr für etwas sehr Kleines verliehen, das den ganzen Unterschied macht", sagte Staffan Normark, Ständiger Sekretär der Wissenschaftsakademie.

Englert und Higgs hätten bereits 1964 ihre Theorie zu einem Mechanismus entwickelt, der Teilchen Masse verleiht. Damit hätten sie das gängige Standardmodell des Universums vor dem Kollaps bewahrt, teilte die Akademie zu ihrer Entscheidung mit.

Diesem Modell nach bestehen sämtliche Atome der Materie aus winzigen Teilchen wie Quarks und Elektronen. Jedes der insgesamt zwölf Elementarteilchen besitzt ein Anti-Teilchen mit entgegengesetzter elektrischer Ladung. Ohne den von Higgs und Englert entwickelten Mechanismus des Higgs-Feldes hätten diese keine Masse - in der Folge gäbe es keinerlei Zusammenballungen wie Sterne, Planeten oder Menschen. "Nichts von dem, was wir kennen, nicht einmal wir, würden existieren", so die Akademie. Erst mit einer der kompliziertesten Maschinen der Menschheitsgeschichte, dem Teilchenbeschleuniger Cern nahe Genf, war der Nachweis für Higgs Theorie vergangenes Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit gelungen.

"Ich bin überwältigt, diesen Preis zu bekommen und danke der Königlichen Akademie in Schweden", ließ Higgs über die Universität in Edinburgh mitteilen, an der er emeritierter Professor ist. "Ich möchte auch all denjenigen gratulieren, die zur Entdeckung dieses neuen Teilchens beigetragen haben." Der 84-Jährige hat den Ruf, sehr scheu zu sein.

Higgs betagter und ebenfalls emeritierter Kollege hingegen zeigte sich begeistert: "Ich fühle mich sehr gut." Wahrscheinlich hätten sich die Preisträger lange Jahre kaum vorstellen können, dass ihre Theorie noch zu ihren Lebzeiten bestätigt würde, hieß es bei der Akademie. "Das geht auf enorme Anstrengungen von Physikern weltweit zurück.

Jubelstürme im Kernforschungszentrum Cern