Steuern Griechenland: Fahnder in Badehose und Bikini

Athen / Gerd Höhler 09.08.2018

56 ungebetene Gäste waren seit vergangenen Sonntag auf der griechischen Jet-Set-Insel Mykonos unterwegs. Die Damen und Herren besuchten Strandbars und Tavernen, schlenderten durch die schicken Boutiquen oder mieteten eine Liege an einem der weltbekannten Strände der Promi-Insel, die so klangvolle Namen wie „Paradise“ haben. Und wehe, wenn Strand-Unternehmer nicht gleich die in Griechenland vorgeschriebene Quittung aushändigten. Dann zückten die vermeintlichen Urlauber ihre Dienstausweise: Steuerfahndung.

Steuerhinterziehung gilt als eine der Ursachen der griechischen Schuldenkrise. Experten schätzen allein die hinterzogene Mehrwertsteuer auf rund sechs Milliarden Euro im Jahr. Das entspräche mehr als zehn Prozent der gesamten Steuereinnahmen. Vor allem in der Gastronomie fließt viel Geld an den Registrierkassen vorbei, vor allem jetzt, in der Hauptreisezeit.

Der Einsatz läuft unter dem Codewort „Operation Dreizack“. Das ist nicht nur eine Anspielung auf den Meeresgott Poseidon. Es beschreibt auch die drei Stoßrichtungen der Steuerfahnder.

Erstens: Statt nur Stichproben zu machen, beobachten die Inspektoren jetzt Bars, Boutiquen und Restaurants einen ganzen Tag lang. Sie machen sich so ein Bild von den tatsächlichen Umsätzen. Zweitens achten sie mehr auf Registrierkassen und Karten-Lesegeräte. Oft werden Kassen so manipuliert, dass sie zwar Quittungen drucken, die Transaktion aber hernach automatisch wieder stornieren. Auch ein beliebter Trick: Manche Händler setzen Kartenleser aus dem benachbarten Bulgarien ein. Die Zahlungen gehen direkt an dortige Banken, der griechische Fiskus hat das Nachsehen.

Angst auf den Nachbarinseln

Dritte Stoßrichtung von „Dreizack“: Die Fahnder besuchen Unternehmen, die mit Zahlungen im Rückstand sind, und treiben Außenstände gleich vor Ort ein. Etwa im angesagten Beach-Club „Nammos“, einem Treffpunkt des internationalen Jet-Set auf Mykonos. Das Promi-Etablissement, in dem eine Sonnenliege pro Tag mehr Miete kostet als manche Pensionen für eine Nacht berechnen, schuldete dem Fiskus ganze vier Millionen Euro. Die Drohung der Finanzbeamten, den Klub sofort zu schließen, zeigte Wirkung: Binnen 24 Stunden überwies der Inhaber die vier Millionen.

Gestern haben die Fahnder ihren viertägigen Großeinsatz auf Mykonos beendet. Während dort nun viele Geschäftsleute aufatmen, wächst anderenorts die Nervosität. Als nächstes wollen die Finanz-Inspektoren in Santorini, Paros und Rhodos an Land gehen.

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