Glosse Gesteinsprüfung per Zunge: Kurz abschlecken

Foto: © studiodr/Fotolia.com
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Berlin / Michael Gabel 13.04.2018

Wer einen Beruf hat, der entwickelt manchmal Eigenheiten, die andere Menschen befremden. Es gibt den Buchhalter, der beim Einkaufsbon alle Zahlen nochmal zusammenrechnet und sich über jeden fehlenden Cent beschwert. Man kennt Lehrer und Professoren, die auch im Privatleben zu langen Vorträgen neigen. Und bei Geologen existiert die Sitte, mit der Zunge über Gesteine zu fahren, wenn sie ihnen nur interessant genug erscheinen.

Aber an Steinen lecken – ist das nicht ungesund? Andreas Rohatsch, Geologie-Professor an der Technischen Universität Wien, sagt nein – wenn man vorsichtig ist. „Ich mache den Schlecktest nur an blanken Stellen, die der Regen regelmäßig reinigt.“

Auf diese Weise verschafft er sich einen ersten Eindruck davon, ob zum Beispiel die Säule eines historischen Gebäudes so porös ist, dass sie eigentlich saniert werden müsste. „Wenn das Gestein den Speichel aufsaugt und dann auch noch die Zunge dran klebt, dann ist das ein Warnsignal“, erzählt er.

Es ist ein merkwürdiges Bild, wenn der Professor beispielsweise im Innenhof des Wiener Rathauses seine Tests vornimmt. Er selbst findet aber nichts Besonderes daran. „Das läuft in der Regel nebenbei“, sagt er. „Abschlecken, erledigt, weitergehen.“ Und anders als der pedantische Buchhaltertyp geht er damit niemandem auf die Nerven.

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