Glosse Gesichtsbehaarung: Brauen mit Botschaft

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Berlin / Günther Marx 12.04.2018

Der frühe Mensch, das wissen wir von Paläontologen, sah anders aus als jener, den wir als modernen Menschen bezeichnen und der nicht älter als einige zehntausend Jahre ist. Paläontologen wühlen in der Erde, entdecken Schädel, Knochenfragmente oder auch Versteinerungen, die sie dann zu Modellen zusammensetzen, so dass wir heute wissen, wie ein Neandertaler ausgesehen hat.

Womit wir beim Thema sind: Denn der Neandertaler hatte dicke Wülste und Brauen über den Augen, die heute verschwunden sind. Nun ja, nicht völlig; die Wülste schon, aber nicht die Brauen. Denken wir nur an Theo Waigel, den früheren Bundesfinanzminister und bekennenden Brauenträger.

 Britische Forscher sind jetzt der Frage nachgegangen, warum die Wülste verschwanden, die Brauen aber blieben. Etwas salopp zusammengefasst lautet das Ergebnis in etwa so. Die knöchernen Dinger über den Augen hatten sich schlicht und einfach evolutionär überlebt, während die Braue als Kommunikationsmittel an Bedeutung enorm zugelegt hat: Sie ist jetzt beweglich und kann Stimmungen ausdrücken – wie Millionen Selfies täglich beweisen.

Auch deshalb wird sie gern in vielfacher Weise kosmetisch bearbeitet, von einfach bis zum Wow-Effekt. Auch Zupfen geht, wovon Waigel aber nie Gebrauch gemacht hat und nicht zuletzt deshalb in aller Erinnerung geblieben ist.