Berlin / Thomas Block

Es gab Zeiten, da konnte man Dinge sagen, und wenige Wochen, Tage, ja manchmal sogar wenige Minuten später waren sie einfach vergessen. Weg. Versandet. Ein unstetes Flackern in den Erinnerungen unserer Mitmenschen. Das Leben hatte kein Archiv, jeder noch so unvergessliche Moment war in Wirklichkeit so vergänglich wie ein Weltmeisterschafts-Titel.

Zum Glück gibt es jetzt das Internet, und das vergisst nur selten bis gar nicht. Einmal in den digitalen Kosmos gespuckte Sätze bleiben für immer dort. Auch die des SPD-Fußballexperten Ralf Stegner. Der hat das Spiel Deutschland gegen Korea geschaut und 15 Kommentare zum Spielverlauf ins Netz geschossen. Diesen hier zum Beispiel: „Jetzt versuchen wir es mit alter sozialdemokratischer Taktik: Den Gegner lange in Sicherheit wiegen, aber dann...“ – spektakulär verlieren. Das wollte Stegner wahrscheinlich nicht sagen, aber so kam es dann.

Früher, in den analogen Zeiten, wäre so ein Satz mit einem Schmunzeln zur Kenntnis genommen und dann für immer vergessen worden. So aber zaubert er auch Minuten, Tage, ja vielleicht sogar Jahre später ein Lächeln auf die Gesichter vieler Menschen. So wird er zu einer nie versiegenden Quelle der Inspiration. Ja, irren ist menschlich, sagen sie landauf, landab, danke Ralf, Dein unqualifiziertes Gefasel gibt uns den Mut, endlich auch unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Wie gut, dass es das Internet gibt.