ISS-Mission Gerst startet von historischer Rampe aus

Baikonur / dpa 05.06.2018
Alexander Gerst fliegt in Baikonur von einem geschichtsträchtigen Startplatz aus zur ISS. Hier startete 1961 der russische Weltraumpionier in den Kosmos.

Auf dem historischen Startplatz von Raumfahrtpionier Juri Gagarin weht die deutsche Fahne neben einer russischen Sojus-Rakete fröhlich im Wind. Sie kündigt an, dass der deutsche Astronaut Alexander Gerst am Mittwoch vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All fliegt. „Von der Startplattform aus zu starten, von der schon Juri Gagarin gestartet ist, das ist ein Riesenkompliment“, sagt Gerst.

Am 12. April 1961 flog Gagarin vom Startplatz Nr. 1 in Baikonur als erster Mensch ins All. Seither wird die Rampe „Gagarin-Start“ genannt. Auch die erste Interkontinentalrakete R-7 und der erste Satellit „Sputnik-1“ hoben 1957 von dem Ort in der zentralasiatischen Steppe ab, wo gestern Gersts Rakete aufgestellt wurde.

Die Anlage ist vor allem noch für bemannte Flüge zur ISS in Betrieb. „Der Kosmos beginnt auf dem Boden“, steht in roten kyrillischen Buchstaben auf einer der Baracken inmitten der Steppe Zentralasiens. Mehr als 500 Raketen sind in den vergangenen rund 60 Jahren vom „Gagarin-Start“ aus ins All geflogen.

Die Zukunft der Anlage ist ungewiss. In Raumfahrtkreisen heißt es, der Startplatz könne bald geschlossen und zu einem Denkmal gemacht werden. Hintergrund sind finanzielle Überlegungen. Denn in Baikonur gibt es zwei Plattformen, die für bemannte und unbemannte Sojus-Raketen geeignet sind: Nr. 1 und Nr. 31. Die Rampe Nr. 31 sei aufwendig modernisiert worden. Ob sich dies auch für Nr. 1 lohne, sei fraglich, berichtete die Zeitung „Iswestija“ unter Berufung auf eine informierte Quelle.

Es brauche mindestens sechs Flüge im Jahr, damit sich eine Startrampe rechne, was bei zwei Anlagen zwölf Starts entspreche, hieß es weiter. 2017 flogen in Baikonur acht Sojus-Raketen in den Kosmos. Auch 2018 zeichne sich nicht ab, dass zwölf Starts erreicht werden.

Hinzu kommt Konkurrenz für Baikonur aus dem Fernen Osten. Seit 2016 starten unbemannte Sojus-Raketen auch vom neuen Weltraumbahnhof Wostotschny. Mit der Anlage rund 8000 Kilometer östlich von Moskau will sich Russland unabhängig machen von Kasachstan. Denn Russland pachtet Baikonur, das größte Kosmodrom der Welt, für 115 Millionen US-Dollar im Jahr von der Ex-Sowjetrepublik. Der Pachtvertrag läuft bis 2050, doch Experten erwarten, dass Wostotschny immer öfter den Zuschlag für Starts bekommen dürfte.

Noch ist das letzte Wort über den „Gagarin-Start“ nicht gesprochen. Die Agentur Tass meldete aus Branchenkreisen, die Rampe könnte doch modernisiert werden. Befürworter argumentieren, dass zwei Startplätze gebraucht werden, um eine Sicherheit zu haben, falls einer ausfällt.

Was die Zukunft auch bringen mag, Gerst darf am Mittwoch auf Gagarins Spuren ins All fliegen. Langfristig will Russland Baikonur und den Startplatz Nr. 1 für die Nachwelt erhalten und sie auf die Liste des Unesco-Welterbes setzen lassen.

Rakete aufgestellt

Russische Spezialisten haben am Montag in einer traditionellen Zeremonie Alexander Gersts Sojus-Rakete aufgestellt. Eine Lokomotive zog die rund 310 Tonnen schwere Rakete mit der Raumkapsel „Sojus-MS-09“ an der Spitze aus dem Hangar. In Schrittgeschwindigkeit schleppte der Zug das Raumfahrzeug durch die zentralasiatische Steppe zur Startplattform Nr. 1. Am Mittwoch, 13.12 Uhr MESZ, soll die Rakete abheben. dpa

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel