Mit dramatischer Musik zählt der Countdown langsam von Zehn herunter. Nur noch wenige Sekunden, dann beginnt die Auftaktsendung der Jubiläumsstaffel von „Germany’s next Topmodel“. Zum zehnten Geburtstag der beliebten Castingshow lassen sich Heidi und Co. ganz viel Neues einfallen - dachte ich zumindest.
 
Es kam aber alles etwas anders. Das absolute Highlight der ganzen Folge, und es bleibt auch zu Befürchten der ganzen Staffel, wurde direkt zu Beginn der Sendung vorgestellt: Heidis überdimensionaler Topmodel-Bus! Die Modelmama hat sich nämlich gewünscht, mit einem Bus durch Deutschland zu fahren um so das schönste Mädchen des Landes zu finden. Und was Heidi will, kriegt Heidi auch. Über die Maßen gut gelaunt wird Heidi irgendwo „in einer Gegend die sie gut kennt“ von ihrem schwarzen Bus eingesammelt. Überglücklich tollt sie dann mit ihrem besten Freund Thomas Hayo in ihrem neuen Gefährt herum und nimmt alles unter die Lupe. Thomas passt kaum ins Klo, Heidi erklimmt ihr Bett, beide freuen sich, haben sich aber den Bus breiter vorgestellt. Somit herrscht absolute Hochspannung zu Beginn der Sendung.
 
Irgendwann schwenkt dann das Bild von Heidi und Bus hin zu einer Topmodel-Kandidatin! Na sowas. Die 18-jährige Vanessa wird von Heidi und ihrem Bus-Freund Thomas in einer Wäscherei in Bergisch Gladbach abgeholt. Ja genau, Heidis Heimatstadt. Ein überraschtes Lächeln, ein bisschen hin und herlaufen und schon hat die Brünette eine Wildcard in der Hand und darf direkt in die nächste Runde. Aber genug Kandidatinnen geschaut, zum Glück geht es wieder zurück in Heidis tollen Bus!
 
Dort lernen wir jetzt Heidi und Thomas ganz nah und so richtig persönlich kennen. Heidi schminkt sich ab während Thomas erklärt, warum er seine Kleidung rollt und nicht faltet. Dann schreit Heidi aus ihrer Kabine mit Schlafmaske auf dem Gesicht: „Gute Nacht Thomas!“ „Gute Nacht Heidi!“ Hach, das ganze ist ja so harmonisch und authentisch.
 
Aber es gibt einen, der mag Heidis Bus nicht so: Der klaustrophobische Designer „Wolle“ Joop mag nicht bei Heidi und Thomas übernachten. „Das ist ja wie in einem Sarg.“ Wie die drei im Bus rumschäkern und über Bettenzuteilungen reden, lässt grauenhafte Erinnerungen an diverse Schulausflüge wieder aufflackern. Um was genau geht es bei der Sendung nochmal? Ach ja, genau, Topmodels! Oder über solche die es mal werden wollen.
 
Schließlich erreicht der Bus nach einigen Zwischenstationen mit unserem Traum-Jury-Trio: Köln. Hier findet das erste Massencasting statt. Endlich! Das Getümmel aus jungen schreienden Heidi-Fans und angehenden Models beinhaltet eine bunte Masse an Kandidatinnen: Angefangen bei einer Ganzkörper-Tätowierten Kandidatin über den Rotschopf ohne Freunde bis hin zum Strumpfhose und High Heels tragendem Catwalktrainer ist alles vertreten.
 
Die angehenden Topmodels müssen den Laufsteg erst über eine steile Treppe erreichen und werden dann am Ende vor den Augen der Jury auf eine Drehschreibe gestellt. Buzzert einer der Jury-Mitglieder hält die Scheibe an und Heidi, Wolfgang und Thomas entscheiden, ob das Mädchen in die nächste Runde darf. Ohne Buzzer dreht sich das Mädchen direkt ins Aus.
 
Der beste Auftritt der Abend lieferte die bereits mit Spannung erwartete Pari: Die Transsexuelle Holländerin war mit Abstand die erwachsenste und sympathischste Kandidatin der Sendung. Bei der Story um die 25-Jährige verhielt sich die Show überraschen zurückhaltend und ohne weitere Probleme wurde sie in die nächste Runde gelassen. Nur weiß die Jury noch nichts über Paris Vergangenheit als Mann. Es bleibt also tatsächlich spannend.
 
Das Fazit der Auftaktsendung: Es gibt, abgesehen von Pari, absolut nichts Neues im „Next-Topmodel“-Universum. Wenn ein Bus und eine abgemagerte Döner-essende Heidi das meist eingeblendete Bild einer ganzen Sendung sind, schwindet die Hoffnung auf eine trommelwirbelnde Jubiläumsstaffel. Nun heißt es Daumen drücken, dass die Castings schnell vorbei sind und der Bus wieder in die nächste Garage darf. 

Alles weitere zu der Jubiläumsstaffel "Germany's next Topmodel" finden Sie hier.