Dortmund Gericht: Hausbesitzer muss nackten Nachbarn akzeptieren

Dortmund / DPA 06.07.2016
Im hoch umwachsenen Garten darf man nackt herumlaufen. Ohnehin ist der Anblick eines Nackten hinnehmbar. So urteilt das Landgericht Dortmund.

Mal läuft er alleine nackt über den Rasen, mal hat er Freunde bei sich, mal wälzt er sich nackt im Schnee: Ein 42-jähriger Dortmunder genießt seine Gartensauna in vollen Zügen. Und das darf er auch in Zukunft tun. Ein Nachbar in der Reihenhaussiedlung war in die zweite Instanz gegangen. Mangels Erfolgsaussichten zog er seine Unterlassungsklage zurück.

„Der Anblick ist stellenweise ein echter Schock für mich“, sagte der Kläger vor Gericht. Bis zu vier nackte Männer hätten sich schon gleichzeitig im Garten nebenan aufgehalten.

Der Streit am Gartenzaun schwelt seit längerem. Und die Nackt-Spaziergänge sind wohl nicht die einzigen Knackpunkte. Im Prozess sprach der Kläger auch von falschen Pflanzabständen zur Grenze seines Grundstücks. Der Richter unterbrach ihn sofort: Inhaltlich gehe es allein um die Abwägung der Persönlichkeits- und Eigentumsrechte des Saunabesitzers und der des Klägers.

In erster Instanz hatte das Amtsgericht gegen den Saunafreund entschieden und ihm auferlegt, seine freizügigen Ausflüge komplett einzustellen. Außerdem solle er dafür sorgen, dass keine anderen Personen nackt über seinen Rasen laufen.

Die Berufungskammer bewertete den Fall jedoch komplett anders. Ein Garten, der von einer zwei Meter hohen Hecke umschlossen sei, sei kein öffentlicher Raum. Und: „Der Anblick eines nackten Mannes nebenan ist aus unserer Sicht absolut hinnehmbar.“

Der Kläger nahm nach dieser deutlichen Ansage seine Klage zurück. Der Rechtsanwalt des Saunabesitzers hatte aber eine gute Nachricht für ihn parat. „Mein Mandant wird zum Ende des Jahres ausziehen.“

Urteile zu nackten Tatsachen

Beispiele Ohne Kleidung radeln, wandern, sonnenbaden? Freikörperkultur ist durchaus erlaubt, aber eben nicht überall. Einige Urteile:

Nackt wandern Er war darauf versessen, nackt durch die Gegend zu laufen und zog bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Doch der wies die Klage des Schotten im Oktober 2014 ab. Nacktes Auftreten in der Öffentlichkeit sei anstößig und verstoße gegen die gesellschaftlichen Regeln. Mehr als 30-mal war der unbekleidete Wanderer festgenommen worden und hatte dafür mehr als sieben Jahre im Gefängnis verbracht.

Nackt radeln 2005 untersagte das Verwaltungsgericht Karlsruhe eine Aktion zum „Weltnacktradeltag“, weil sie „grob ungehörig“ sei. Dabei wollten die Teilnehmer unbekleidet durch die Gegend radeln. Es widerspreche „nach wie vor allgemein anerkannten Regeln der ungeschriebenen Gesellschaftsordnung, sich auf öffentlichen Straßen nackt zu zeigen“, so das Urteil.

Nackt zu Hause Seinen Hang zur Freikörperkultur musste ein Kölner Rentner, der nackt in Haus und Garten herumlief, im Januar 2000 mit einer Geldstrafe büßen. Begründung der Richter: Erregung öffentlichen Ärgernisses. Nachbarinnen hatten den Rentner mehrmals splitternackt gesehen. dpa

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