Fernsehen Tatort-Star Dietmar Bär in neuer Rolle

Mehr als nur TV: Dietmar Bär spielt auch Theater, macht Hörbücher und hält Lesungen. 
Mehr als nur TV: Dietmar Bär spielt auch Theater, macht Hörbücher und hält Lesungen.  © Foto: Tristar Media/Getty Images
Berlin / Von Cornelia Wystrichowski 08.08.2018

Ein Millionenpublikum kennt ihn aus dem Kölner „Tatort“: Dietmar Bär zählt als Kommissar Freddy Schenk zu den dienstältesten TV-Ermittlern. Nun ist er in einer ganz anderen Rolle zu sehen: Im TV-Drama „Für meine Tochter“ (heute, 20.15 Uhr, ZDF) verkörpert der 57-Jährige einen Witwer, dessen Teenager-Tochter sich als Flüchtlingshelferin engagiert und im syrisch-türkisch Grenzgebiet vermisst wird.

Herr Bär, man kennt Sie als „Tatort“­-Star, jetzt spielen Sie in einem Flüchtlings-Drama . . .

Dietmar Bär Der Film ist ein Familiendrama mit Migrationshintergrund. Ein Vater, der sich zur Flüchtlingsthematik genauso distanziert verhält wie vermutlich viele andere in Deutschland, muss ins türkisch-syrische Grenzgebiet fahren, weil seine Tochter dort verschwunden ist. Sie ist aber keiner der radikalisierten Teenager, die in ein Trainingslager des IS gehen, sondern sie hilft den Angehörigen eines Syrers, der in Deutschland subsidiären Schutz genießt. Vor dem Hintergrund der deutschen Flüchtlingspolitik ist das sehr spannend.

Wie finden Sie es, dass Deutschland und die EU die Flüchtlingsströme reduzieren wollen?

Ich glaube gar nicht, dass man da irgendwas reduzieren kann, das ist ja kein Bachlauf, den man einfach umlenkt. Da kommen Menschen in tiefster Not zu uns, und mit Blick auf unsere eigene Vergangenheit sollten wir Deutsche doch wissen, was es heißt, wenn man aus seiner Heimat fliehen muss. Ich sehe zwar auch die Probleme, vor denen die Fachleute aus dem Innenministerium und der Polizei warnen, ich habe da keine rosarote Brille auf. Aber wenn jemand zu uns kommt und um Schutz bittet, gibt es doch kein langes Überlegen, was zu tun ist. Wenn irgendjemand behauptet, dass es diesen Menschen nur darum geht, ein genauso schönes Auto zu fahren wie Sie und ich, ist das empörend.

Waren Sie im Jahr 2015 ebenfalls angesteckt von der Willkommenskultur?

Ich bin zwar nicht mit dem Fähnchen auf dem Bahnsteig gestanden, aber ich hatte begriffen, dass das funktionieren könnte, und es hat doch auch funktioniert. Wir haben jetzt 2018, und ich habe nicht das Gefühl, dass unser Land überfremdet wäre – die Ängste vieler Menschen haben sich nicht bewahrheitet.

Ist so eine Rolle eine willkommene Abwechslung vom „Tatort“-Job?

Ich bin ja von Beruf Schauspieler und nicht „Tatort“-Kommissar (lacht). Diesen Titel gab es früher gar nicht, aber mittlerweile bekommt man dieses Etikett, als würde man nichts anderes auf der Welt mehr tun. Meine berufliche Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus. Ich spiele Theater, ich mache Hörbücher und Lesungen.

Im „Tatort“ war die Flüchtlingskrise schon öfter Thema, zuletzt gab es Stimmen, dass es zu viel werde . . .

Es gibt zahlreiche „Tatort“-Teams, und jede Stadt oder Region beschäftigt sich auf ihre Art und Weise mit dem Thema. Es ist doch ganz normal, dass die Zeitläufte Einfluss auf die Themen von Krimis und Fernsehspielen nehmen. Die Kölner Folge „Wacht am Rhein“, in der wir mit dem Stoff einmal anders umgingen, kam in der Presse gut an. Allerdings haben andere Folgen, die einfach nur ganz normale Krimis waren, deutlich bessere Quoten erzielt. Wobei mich persönlich die Quoten gar nicht so sehr interessieren.

Warum nicht?

Uns schauen regelmäßig an die zehn Millionen Menschen zu, das entspricht ungefähr der Bevölkerungszahl von Schweden. Ob das nun 8,5 oder elf Millionen sind, es ist doch so oder so eine tolle Zahl, da setze ich mich doch nicht mit dem Rechenschieber hin.

Wie gefällt Ihnen der Sendeplatz des Films mitten in der Ferienzeit?

Ich bin beeindruckt vom Mut, einen Film mit so einem Thema zu so einem Termin anzubieten. Aber auch hier gilt für mich: Die Quote ist zweitrangig; wichtig ist die Frage, was die Menschen mit dem Film machen und ob sie am Tag darauf über den Inhalt reden.

Zur Person

Dietmar Bär kam 1961 in Dortmund zur Welt. Nach seiner Ausbildung an der renommierten Schauspielschule Bochum spielte er Theater und hatte erste Filmrollen, unter anderem im Kultfilm „Männer“. Bekannt wurde der populäre Schauspieler, der sich privat für Kinderrechte und den fairen Handel mit der Dritten Welt einsetzt, vor allem durch seine „Tatort“­-Rolle an der Seite von Klaus J. Behrendt. Dietmar Bär ist verheiratet und lebt mit seiner Frau in Berlin. ski

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