Ulm Frostschutzmittel mit Apfel-Geschmack

Die E-Zigarette kann auch als E-Sisha benutzt werden. Foto: © Pixelot - Fotolia.com
Die E-Zigarette kann auch als E-Sisha benutzt werden. Foto: © Pixelot - Fotolia.com
Ulm / STEFAN BENTELE 19.04.2014
Am Anfang war die E-Zigarette, nun kommt die E-Sisha. Krebsforscher schlagen Alarm und warnen vor unabsehbaren Folgen des Konsums. Denn als Tabakersatz werden unter anderem Enteisungsmittel inhaliert.

Sie sieht aus wie ein übergroßer Kugelschreiber mit Mundstück: die E-Zigarette. Seit 2006 ist sie in Deutschland erhältlich. Laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg werden die Geräte unter Jugendlichen immer beliebter. Besonders, weil die die E-Zigarette als orientalische Wasserpfeife, sozusagen als E-Sisha, nutzen.

Die Funktion ist dieselbe: Ein Knopfdruck, und die zähe Aromaflüssigkeit verdampft und wird über das Mundstück inhaliert. Wie für die klassische Shisha gibt es verschiedene Aromen, darunter Apfel, Cola, Kaffee oder Bubble Gum. Der einzige Unterschied zwischen E-Zigarette und E-Sisha besteht darin, dass das Aromagemisch für letztere in aller Regel frei von Nikotin ist.

Zwar scheint die E-Sisha noch nicht auf allen Schulhöfen angekommen zu sein. "Das ist bei uns kein Thema", sagt Michael Gomolzig vom Verband Erziehung und Bildung Baden-Württemberg. Nach wie vor seien die 16 000 Lehrer im Verband vor allem mit dem klassischen Rauchen und dem Alkoholkonsum unter Schülern konfrontiert. Allerdings will das Kultusministerium das Thema demnächst dennoch an die Schulen tragen, um damit dem sich anbahnenden Trend vorzugreifen.

Der Handel indes spürt bereits eine steigende Nachfrage. "Es kommen in letzter Zeit mehr Jugendliche und fragen nach der E-Sisha", sagt Sebastian Schmitt. Der Inhaber des "eSmoking Shop Ulm" sieht diese Entwicklung kritisch, schließlich seien Jugendliche mit der E-Sisha nicht mehr weit von der Zigarette entfernt. In seinem Geschäft verkauft Schmitt deshalb, wie er sagt, ausschließlich an volljährige Kunden.

Gesetzlich verpflichtet dazu ist er nicht. Denn zumindest die nikotinfreien Flüssigkeiten für die E-Sisha unterliegen keiner Altersgrenze und dürfen von Jugendlichen gekauft und konsumiert werden.

Für die Heidelberger Wissenschaftler liegt darin die Gefahr. Denn das Gemisch besteht aus mehreren Chemikalien - darunter auch Stoffe wie Propylenglykol. Die Flüssigkeit kommt in der Industrie als Frostschutz- und Enteisungsmittel zum Einsatz und kann als Kurzzeitfolge Husten verursachen und die Lungenfunktion beeinträchtigen.

Die Langzeitfolgen seien nur schwer vorhersehbar, sagen die Krebsforscher vom DKFZ. Sie empfehlen Schulleitern deshalb, die E-Produkte über das Hausrecht zu verbieten. Denn im Landesnichtraucherschutzgesetz ist nicht geregelt, wo das Rauchen oder "Dampfen" einer E-Zigarette oder E-Sisha untersagt ist.

Neue EU-Richtlinie