• Am Samstag ist ein erster Plan für neue Regeln im Lockdown in Deutschland bekannt geworden
  • Wie ist die Situation für Friseure in BW?
Die dritte Corona-Welle sorgt für hohe Infektionszahlen in Deutschland, ein Ende des Lockdowns ist nach wie vor in weiter Ferne. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) strebt zur Bekämpfung der Pandemie einem Bericht zufolge eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes an. Ziel sei es, die Corona-Regeln und -Maßnahmen bundesweit zu vereinheitlichen, berichtete die "Bild"-Zeitung am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise. Am Samstag wurde, nachdem der Corona-Gipfel von Bund und Ländern geplatzt ist, ein erster Plan für neue Regeln im Lockdown bekannt, den der Bund aufgestellt hat. Er betrifft unter anderem Regeln für:
  • Ausgangssperren und Ausgangsbeschränkungen
  • Schulen
  • Kitas
  • Läden
  • Gastronomie
  • Hochschulen
  • Sportstätten
  • Kultureinrichtungen
Demnach sollen Landkreise bei erhöhten Inzidenz- und R-Werten sowie unter Berücksichtigung anderer Faktoren dazu verpflichtet werden, ihre Maßnahmen zu verschärfen. Darüber hinaus sprach sich Merkel für einen kurzen, harten und bundesweiten Lockdown aus. Bleiben die Friseursalons offen?

Corona Notbremse Friseur: Infektionsschutzgesetz beschlossen - Schließen Friseure wieder?

Das Bundeskabinett hat am Dienstag (13.04) den Entwurf für das neue Infektionsschutzgesetz beschlossen. Bleiben die Friseure bei der Bundes Notbremse geöffnet?
Ja, zumindest nach dem aktuellen Beschluss.Geöffnet werden dürften laut dem Beschluss Dienstleistungen, die
medizinischen, therapeutischen, pflegerischen oder seelsorgerischen Zwecken dienen sowie Friseurbetriebe. Es gilt dabei aber Maskenpflicht. Das Gesetz wird nun in den Bundestag eingebracht und dort debattiert.

Friseursalons in Baden-Württemberg: So ist der aktuelle Stand

Noch ist nichts entschieden, aber die Politik dürfte erkannt haben, wie wichtig der Friseurbesuch für die Bevölkerung während der Pandemie ist. Auch aus diesem Grund sind Friseursalons in Baden-Württemberg derzeit nicht von der Notbremse betroffen. Während viele Geschäfte bei einer konstanten 7-Tage-Inzidenz über 100 wieder schließen mussten, dürfen Friseure weiterhin öffnen. Folgende Regeln gelten in den Salons:
  • Bei den Behandlungen müssen sowohl die Kunden als auch die Beschäftigen eine medizinische Maske oder eine FFP2-/KN95-/N95-Maske tragen.
  • Wenn bei einer Behandlung oder aus anderen Gründen eine Maske nicht oder nicht dauerhaft getragen werden kann, müssen die Kundinnen und Kunden laut CoronaVO einen tagesaktuellen negativen COVID-19-Schnell- oder Selbsttest vorweisen – auch geimpfte Personen.
  • Wenn körpernahe Dienstleistungen angeboten werden, bei denen eine Maske nicht oder nicht dauerhaft getragen werden kann, braucht es für die Mitarbeiter der Betriebe außerdem ein Testkonzept. Häufige Fragen zu Corona-Tests in Betrieben klärt die Deutsche Handwerks Zeitung.
  • Die Kontaktdaten der Kunden müssen vor Ort zur möglichen Kontaktnachverfolgung dokumentiert werden.
  • Eine Behandlung ist nur nach vorheriger Terminvereinbarung erlaubt.

Friseure in BW: Einem Fünftel der Salons droht das Aus

Von den 11.500 Friseursalons in Baden-Württemberg wird bis Ende des Jahres nach Einschätzung eines Experten jeder fünfte in Folge der Coronakrise dicht gemacht haben. „Das sind vor allem Friseure kurz vor dem Ruhestand, die sich die pandemiebedingten Schwierigkeiten nicht mehr antun wollen“, sagt Matthias Moser, Geschäftsführer des Landesverbands Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg.
Die Coiffeure im Land durften in der seit gut einem Jahr währenden Krise bislang insgesamt rund 17 Wochen lang nicht ihrer Arbeit nachgehen. Die Folgen: auf der einen Seite null Einnahmen, auf der anderen Kosten für Miete und Personal. Seit Anfang März haben sie wieder geöffnet. Für die Beschäftigten war davor durch Kurzarbeitergeld gesorgt, die Chefs selbst sahen zumeist in die Röhre. Einen Unternehmerlohn für sie habe es nicht gegeben, kritisiert Moser. Das Antragsverfahren für die Hilfen des Bundes für die Mitarbeiter habe viele Betriebe überfordert, sagt Moser. Zuschüsse seien zu spät geflossen.
Gegenwärtig würden die Vorgaben zur Begrenzung der Kundenzahl in den Salons die Umsätze drücken. Mit 947 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete die Branche 2019 im Südwesten ein Rekordergebnis. „Das Niveau werden wir mit Sicherheit nicht mehr erreichen“, sagt Moser.

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Schwarzarbeit nimmt bei Lockdown zu

Der Obermeister der Friseur-Innung Reutlingen, Roberto Laraia, beklagt, dass Zwangsschließungen Schwarzarbeit begünstigten. Damit werde auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Hygienevorgaben wie zum Beispiel Desinfektion ignoriert werden. „Man kann sich das Virus ins Haus holen“, warnt der Inhaber zweier Salons. Im Ernstfall könnten Infektionsketten nicht erstellt werden. Im Betrieb hingegen sei die Nachverfolgung wegen Online-Terminvergaben gesichert.
Das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung hat keine Erkenntnisse zum Umfang der Schwarzarbeit in der Corona-Krise, macht aber auf ein Verhaltensmuster aufmerksam. Direktor Bernhard Boockmann sagt: „Generell gibt es eine Flucht in die Schattenwirtschaft, um unliebsamen politischen Vorgaben und Regulierungen auszuweichen.“