Glosse Freie Fahrt für Elektrizität statt Handy-Kabel-Salat

Vorsicht, nicht jedes Ladekabel passt.  Foto:
Vorsicht, nicht jedes Ladekabel passt. Foto: © Foto: Poravute Siriphiroon/Shotshop.com
Berlin / Roland Müller 13.08.2018

Es gibt Lebensbereiche, da ist Vielfalt super. 45 Sorten Schokonüsse im Supermarkt,  300 Zeitungen am Kiosk (keine Sorge, Sie haben sich für die richtige entschieden), 85 Restaurants in der Innenstadt: Da ist Vielfalt anregend und belebend.

Für Handy-Ladegeräte hingegen gilt das nicht: Der Saft geht aus, die Steckdose zwinkert verführerisch, aber das Kabel des Kollegen will einfach nicht in die Buchse passen – da scheitert die Elektrifizierung nicht auf der letzten Meile, sondern am letzten Zentimeter. Die EU-Kommission will schon lange den Kabelsalat lichten. 2009 verpflichteten sich die Hersteller freiwillig auf Einheits-Standards. Es gab auch Fortschritte, aber Apple etwa macht noch immer sein eigenes Stecker-Ding. Auch neue Techniken und der Sprung zu USB-C treiben heute verzweifelte Menschen wieder auf Kabel-Odysseen. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager ist laut Reuters „mit dem Status Quo nicht zufrieden“. Der Elektromüll türme sich wie eh und je, und in einer neuen Selbstverpflichtung vom März haben Experten wieder ein „Schlupfloch“ entdeckt. So ist das halt oft mit der Industrie und der Freiwilligkeit.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: Mit der Mega-Buße gegen Google hat Vestager schon für Furore gesorgt. Wenn sie jetzt noch den gordischen Kabel-Knoten löst und freie Fahrt für Elektrizität herstellt, verdient sie den Physik-Nobelpreis.

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